12.03.2007 07:24 |

Keine Kandidatur

Chirac kandidiert nicht für dritte Amtszeit

Der französische Präsident Chirac tritt nach zwölf Jahren an der Staatsspitze ab: Er werde nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren, sagte Chirac sechs Wochen vor den Wahlen am Sonntag in einer TV-Ansprache. Es ist das erste Mal seit 33 Jahren, dass Chirac nicht ums höchste Staatsamt kandidiert. Er vermied eine Wahlempfehlung, hatte aber klar Stellung gegen den Rechtsradikalen Le Pen bezogen.

Der 74-Jährige stand seit 1995 an der Spitze des französischen Staates und ist noch bis Mitte Mai gewählt. Seinen Nachfolger bestimmen die Franzosen am 22. April und am 6. Mai. Er wolle sich später dazu äußern, wen er persönlich wählen wolle, so Chirac.

Die Franzosen sollten sich auf jeden Fall aber "niemals mit dem Extremismus, dem Rassismus, dem Antisemitismus oder der Zurückweisung des Anderen einlassen", bezog der Amtsinhaber klar gegen den Rechtsextremen Le Pen Stellung, der es bei der Präsidentschaftswahl 2002 überraschend in die Stichwahl gegen ihn geschafft hatte.

Drei Kandidaten um Nachfolge
Das Rennen um Chiracs Nachfolge ist noch völlig offen. Nie zuvor hatten nämlich drei Kandidaten realistische Chancen auf den Sieg. In Umfragen liegt der Kandidat von Chiracs Regierungspartei UMP, Innenminister Sarkozy, knapp vor der Sozialistin Royal und dem Zentrumspolitiker Bayrou. Wahrscheinlich fällt die Entscheidung erst am 6. Mai in der Stichwahl zwischen den beiden stärksten Bewerbern.

In der zehnminütigen Ansprache betonte Chirac seine "Liebe" zu Frankreich und zeigte sich zugleich "stolz" auf seine eigene Bilanz. "Ich hätte den Konservatismus und Egoismus stärker zurückdrängen wollen", räumte Chirac ein. Er habe mit seiner Regierung aber die wichtigsten republikanischen Werte wie die Laizität gestärkt und die Arbeitslosigkeit gesenkt.

"Wir müssen Europa schaffen"
Zugleich forderte Chirac die Franzosen auf, Europa zu ihrer Priorität zu machen. "Wir müssen Europa schaffen. Allein kann niemand gegen die aufkommenden Wirtschaftsmächte Front machen", betonte der Präsident, dessen politisches Ende das Nein seiner Landsleute beim Referendum über die EU-Verfassung vor zwei Jahren besiegelt hatte.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Elysee-Palast werde er weiter "die Kämpfe führen, die unsere sind, die Kämpfe meines ganzen Lebens, für Justiz, für Fortschritt, für Frieden, für Frankreichs Größe." Vertraute sehen den scheidenden Präsidenten in einigen Monaten an der Spitze einer internationalen Organisation oder Umweltstiftung.

"Ich verliere meinen schlimmsten Feind", kommentierte Le Pen den Rückzug des vier Jahre jüngeren Staatschefs. Sozialistenchef Hollande sagte, Chirac habe nicht mehr genug Rückhalt gehabt, um sich erneut zur Wahl zu stellen.

Beispiellose Polit-Karriere
Chirac wurde am 29. November 1932 in Paris geboren. Er absolvierte die Pariser Eliteschulen Sciences Politiques und ENA und leistete seinen Militärdienst in Algerien.

In Frankreichs 1958 gegründeter Fünfter Republik hatte er eine 45 Jahre umspannende, beispiellose Karriere: Er gehörte zunächst als Spitzenbeamter, dann als Staatssekretär und Minister Regierungen unter allen anderen vor ihm amtierenden Präsidenten - Charles de Gaulle, Georges Pompidou, Valery Giscard d'Estaing und Francois Mitterrand - an.

1974 bis 1976 und 1986 bis 1988 war er Premier und 1977 bis 1995 Bürgermeister von Paris. 1995 wurde er erstmals zum Staatschef gewählt, 2002 verteidigte er das Amt gegen den Rechtsextremen Le Pen.