25.02.2007 09:27 |

BAWAG-Affäre

Muss Ex-ÖGB-Chef auf die Anklagebank?

Noch hat das Oberlandesgericht Wien nicht über die Einsprüche gegen die erste BAWAG-Anklage - Karibik-Spekulationen - entschieden. Noch liegt Ex-BAWAG-General Helmut Elsner nach einer Bypass-Operation im Wiener AKH. Aber schon zeichnet sich ab, dass weitere Ermittlungen zu neuen Anklagen führen könnten - etwa gegen den Ex-ÖGB-Chef.

Fritz Verzetnitsch hat vor dem parlamentarischen Banken-Ausschuss erklärt, erst im Dezember 2000 "mit Entsetzen von den dramatischen BAWAG-Verlusten" erfahren zu haben. Investmentbanker Wolfgang Flöttl habe alle Kontrollmaßnahmen ignoriert und bei Hochrisiko-Spekulationen in der Karibik Milliarden verloren, erklärten ihm Elsner und Ex-ÖGB-Finanzchef Weninger. Verzetnitsch und Weninger gaben darauf im Alleingang eine ÖGB-Garantieerklärung für die BAWAG ab.

Der Ex-ÖGB-Chef ist noch heute überzeugt, richtig gehandelt und die Bank gerettet zu haben. Dennoch könnte ihm ein Strafverfahren wegen Verdachts der Untreue bzw. des Tatbeitrages zur Bilanzfälschung drohen, weil er seine Befugnis über fremdes Vermögen wissentlich ausgenützt habe. Verzetnitschs Verteidiger Schima in der "Presse": "Für Untreue ist ein Schädigungsvorsatz erforderlich. Mein Mandant wollte niemanden schädigen."

Bei Fritz Verzetnitsch kommt freilich noch hinzu: seine Penthouse-Wohnung auf dem Dach der Wiener BAWAG-Zentrale. Der Vorwurf lautet, dass er sie zu bedenklich günstigen Bedingungen gemietet habe. Gutachten werden derzeit eingeholt. Ermittlungen laufen auch auf Hochtouren zum 350-Millionen-Kredit an Refco, der blitzartig gewährt und verloren ging.

Von Dieter Kindermann

Foto: Andi Schiel

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