17.02.2007 17:24 |

Koma-Besäufnisse

Kdolsky will jugendliches Kampf-Trinken bekämpfen

Gesundheitsministerin Kdolsky hat am Samstag angekündigt, gegen das Trinken von Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit bei Jugendlichen vorzugehen. Das "Koma-Trinken" werde von der Gastronomie durch "sehr, sehr geringere Preise" unterstützt, kritisierte die Ministerin als Gast im Ö1- Mittagsjournal. Sie will die Alkohol-Abgabe an Jugendliche in Lokalen und im Handel jetzt stärker überprüfen.

Dazu sollen auch "Mystery-Shopper", die unerkannt einkaufen, eingesetzt werden. Bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz wolle sie sehr hart durchgreifen. Nichtalkoholische Getränke in Lokalen müssten deutlich billiger werden als alkoholische. Sie werde diesbezüglich mit der Gastronomie Gespräche führen.

Gesundheitsministerin setzt auf Aufklärung
Kdolsky will auch auf Aufklärung setzen und Jugendlichen klar machen, "dass Trinken nicht chic ist und kein Ersatz für soziale Wärme".

Beim Nikotinentzug auf Krankenschein konkretisierte die Ministerin ihre Pläne: So soll nur das ärztliche Beratungsgespräch von den Krankenkassen bezahlt werden. Ein derartiges Beratungsgespräch gebe eine größere Garantie, dass der Nikotinentzug auch erfolgreich ist. Umsetzen wolle sie dies noch im heurigen Jahr.

Immer mehr Mädchen greifen zur Flasche
Die Buben saufen und die Mädchen gehen ins Kino. Das Freizeitverhalten der heimischen Heranwachsenden lässt sich längst nicht mehr so klischeehaft in zwei Gruppen spalten. Ganz nach dem Motto "Flasche leer - Mädchen voll" (Copyright deutsche "Bild am Sonntag") kippen auch die Schülerinnen ein Glas Hochprozentiges nach dem anderen in sich hinein.

Wobei die fruchtigen Schnaps-Limos namens Alkopops längst nicht mehr so beliebt sind wie noch vor einem Jahr. Mittlerweile reicht vielen Jugendlichen der (im Vergleich geringere) Alkoholgehalt längst nicht mehr aus. Wie sehr die Mädchen auch in diesem Bereich an Erfahrung zulegen, zeigen aktuelle Studien der Gesundheitsbehörden.

14-jährige Mädchen trinken mehr als Buben
Mädchen greifen oft häufiger zu Wein, Bier etc. als Burschen. In der Altersgruppe der 12- bis 14-Jährigen haben schon 60 Prozent der Schüler Alkohol getrunken. Ihre Freundinnen sind da längst um einiges weiter: Bereits 69 Prozent waren angeheitert.

Wenn es um das "erste Mal" geht, hat bereits jeder Vierte im Alter von sieben bis elf Jahren Wein & Co. zu sich genommen. Hier holen die Mädels langsam auf. 18 Prozent der Schülerinnen in diesem Alter wissen, wie Alkohol schmeckt.

Großteil nimmt an "Komasauf"-Orgien teil
68 Prozent der männlichen und 58 Prozent der weiblichen haben bereits an "Komasauf"-Orgien teilgenommen. Sogar Neunjährige landeten schon wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.

"Dass Mädchen mehr trinken als noch vor Jahren, hat vor allem einen sozialen Hintergrund", erklärt Christoph Hörhan, Leiter des Fonds Gesundes Österreich und nennt den hochprozentigen Boom "einen negativen Emanzipations-Effekt": "Die Mädels wollen genauso 'hip und cool' sein wie die Burschen." Auch wenn das offenbar heißt, sich an den Wochenenden regelmäßig in die Bewusstlosigkeit zu trinken.

Von Michael Pommer und Krone.at

Samstag, 08. Mai 2021
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