¿Rieder Symphonie¿

Romantische Pracht

Ried im Innkreis feiert 150 Jahre Stadterhebung. Als Auftakt der Feierlichkeiten spielte das Bruckner Orchester unter Dennis Russell Davies im „Keine-Sorgen-Saal“ ein Festkonzert mit der Uraufführung der „Rieder Symphonie“ von Franz Xaver Frenzel.

Frenzel ist „der einzig noch lebende österreichische Barockkomponist“. Dahinter versteckt sich Friedemann Katt, der sich mit seiner Kunstfigur stilistische Narrenfreiheit verschafft. Des sympathischen Anachronismus nicht genug, denn Frenzel greift diesmal gar nicht in barocke Klangtöpfe, sondern platziert sein Werk im Garten romantischer Blumenpracht. Er bedient sich einer Sprache, die das Vermögen hat, einen Heimatfilm der 50er-Jahre zu untermalen: postromantische Rhapsodik in eine elegante Form gegossen, die eine große Zuneigung zu hemmungslosem Kitsch nicht verbirgt und Klangelementen der Neuen Welt offen steht.

Richard Strauss spätes Oboenkonzert fand in Franz Scherzer seinen Meister, der die Purzelbaum schlagenden Kantilenen in spitzbübischer Klangfreude unternahm. Beethovens Fünfte trieb lustlos vor sich hin, was Davies erst im Finalsatz zu stören schien und beim Publikum trotzdem großen Jubel auslöste.

 

 

Foto: Grox

Sonntag, 09. Mai 2021
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