17.01.2007 18:24 |

Studenten-Demos

Studentin bietet Niere "zum Verkauf" an

Eher geringe Beteiligung fanden am Mittwoch die von der Österreichischen HochschülerInnenschaft organisierten Demonstrationen gegen die Studiengebühren in Wien und Graz. Trotz mangelndem Zulauf gaben sich die Studenten einfallsreich: Eine Studentin bot auf einem Transparent eine Niere zum Verkauf an - zum Preis von 363,36 Euro, der Höhe der Studiengebühr für ein Semester.

In Wien waren bei der Abschlusskundgebung vor dem Bundeskanzleramt nur zwischen 700 (Polizei-Schätzung) und 900 (ÖH-Schätzung) Demonstranten versammelt. In Graz marschierten immerhin 2.500 Personen gegen die Studienbeiträge.

Der Protest der Studenten richtete sich vor allem gegen das gebrochene Wahlversprechen der SPÖ, die Studiengebühren abzuschaffen. ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha ist aus diesem Grund aus der SPÖ ausgetreten. Für den Unmut der Studierenden sorgt auch die neue Möglichkeit, sich durch gemeinnützige Arbeit, wie etwa Nachhilfe, die Gebühren zurückverdienen zu können.

Umfallen auf Kommando
Bei der Abschlusskundgebung vor dem Bundeskanzleramt formten Studenten dann ein SPÖ-Logo und fielen auf Kommando um - eine Anspielung auf das nicht eingehaltene Wahlversprechen der SPÖ. Nach dem offiziellen Demo-Ende marschierten noch rund 100 bis 200 Personen auf dem Ring zu den abgesperrten ÖVP- und SPÖ-Zentralen

"Trauern um unsere Partei"
In Graz versammelten sich einige hundert Studenten vor dem Hauptgebäude der Universität. Sie protestierten mit einem Trauerkranz mit der Aufschrift "Wir trauern um unsere Partei 31. 12. 1888 - 11. 1. 2007 Sozialistische Jugend Steiermark". Später wuchs die Demonstranten-Zahl an: Laut Polizei waren beim Marsch zum Hauptplatz dann 2.500 Personen unterwegs.

Unterdessen bekräftigte die SPÖ, dass Bundeskanzler Gusenbauer wie angekündigt Nachhilfe geben wird - sobald die Arbeitsgruppe im Wissenschaftsministerium ein Modell für die Kompensation der Studiengebühren durch gemeinnützige Arbeit ausgearbeitet hat. Gusenbauer wolle "mit gutem Beispiel vorangehen und mit den Kindern das teilen, was für ihn das Wertvollste ist: Seine Zeit", sagte SPÖ- Bundesgeschäftsführer Kalina. ÖH-Chefin Blaha findet das "lächerlich": Ein Kanzler habe dafür keine Zeit - genauso wie die Studenten neben ihrer Ausbildung.

"National wirksam, international notwendig"
Wissenschaftsminister Hahn (ÖVP) bekannte sich im Nationalrat am Dienstag "aus vollem Herzen zu den Studiengebühren", weil sie national wirksam und sinnvoll und international notwendig seien. "An dem führt kein Weg vorbei", zeigte er keinerlei Bereitschaft, über die Abschaffung nachzudenken.

FPÖ und Grüne wollen Studiengebühren abschaffen
Die FPÖ und die Grünen brachten zudem Anträge auf die Abschaffung der Studiengebühren ein. Sie wurden abgelehnt. Von den Großparteien stimmte lediglich der SPÖ-Gastabgeordnete Zach vom Liberalen Forum dafür.

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