13.01.2007 19:28 |

4 Jahre festgehalten

USA: Befreite Buben wieder bei ihren Familien

Jene zwei Buben, die am Freitag im US-Bundesstaat Missouri von der Polizei unversehrt aus den Fängen ihres Entführers beifreit wurden, sind jetzt wieder bei ihren Familien. Der 15-jährige Shawn Hornbeck war über vier Jahre in den Händen des als mutmaßlichen Täters festgenommenen 41-jährigen Michael Devlin. „Es ist ein Wunder, es ist der beste Tag unseres Lebens“, sagte überglücklich der Stiefvater des 15-Jährigen bei der Familienreunion vor laufenden Kameras. Der befreite Shawn war während der Pressekonferenz (Foto) selbst anwesend, sprach aber nicht. US-Fernsehsender berichteten indes angebliche Details über die ersten Polizei-Befragungen - unter anderem, dass der vier Jahre verschwundene Shawn seinen Entführer „Vater“ nennen soll.

Die Polizei hatte die beiden Buben befreien können, nachdem sie im Fall des am Montag in Beaufort nördlich von St. Louis verschwundenen 13-jährigen Ben Ownby Hinweise auf ein Tatfahrzeug erhielten. Ein Schulkamerad Bens hatte sehr präzise einen weißen Kleintransporter beschrieben, den er schnell habe fortfahren sehen, kurz nachdem Ben den Schulbus auf dem Weg nach Hause verlassen hatte.

Zeuge führte die Polizisten zum Versteck
Polizeisprecher priesen die detailreichen Schilderungen des Zeugen, mit deren Hilfe Beamte in Kirkwood schließlich auf den Kleinlaster aufmerksam wurden. Nach Befragungen von Nachbarn des Verdächtigen war Devlin als Besitzer festgenommen und dann die Wohnung durchsucht worden.

Eltern gaben die Hoffnung nie auf
Die Polizei fand zu ihrer Überraschung in der Wohnung des Tatverdächtigen in einem Appartmenthaus in Kirkwood neben Ben einen weiteren Jugendlichen, der sich als Shawn Hornbeck zu erkennen gab. Der Bub war am 6. Oktober 2002 in Richwoods verschwunden. Der damals Elfjährige war nach einem Fahrrad-Ausflug nicht mehr gesehen worden. Polizei, hunderte Helfer und Eltern, die im Internet extra eine Website eingerichtet hatten, suchten vier Jahre lang vergeblich nach ihm. Die Eltern widmeten seit dem Verschwinden ihres Kindes einen Großteil ihres Lebens dem Thema Kindesentführung und gründeten eine Stiftung, um anderen Eltern vermisster Kinder zu helfen.

„Mein Herz schlug bis zum Hals!“
Der Stiefvater von Shawn, Craig Akers, erzählte der Staatsanwalt habe ihn und seine Frau am Freitagnachmittag telefonisch erreicht und ihn gebeten, an den Straßenrand zu fahren. „Mein Herz schlug bis zum Hals als er sagte, sie glaubten Shawn lebend gefunden zu haben“, sagte Akers. „Ich glaube immer noch, in einem Traum zu sein, aber diesmal ist es ein guter Traum und nicht der Albtraum, den wir viereinhalb Jahre hatten“, sagte strahlend die Mutter Shawns, Pam Akers.

Shawn sei sich bewusst gewesen, dass überall nach ihm gesucht worden war. Nähere Details über die Umstände seiner Gefangenschaft wurden bislang nicht bekannt. „Als erstes wollte er zu McDonalds“, sagte der Vater. Die beiden befreiten Jugendlichen sind anscheinend körperlich unversehrt, wurden aber vorsorglich nach einem ersten „überglücklichen und tränenreichen“ Treffen mit ihren Familien in ein Krankenhaus gebracht, sagte Polizeioffizier Gary Toelke.

Opfer nennt Entführer angeblich „Vater“
Der mutmaßliche Täter ist in Haft. Shawn nenne den Manager einer Pizzeria „Vater“, berichtete der Sender „Fox News“. Ein Psychologe sprach in der Sendung von schweren seelischen Schäden, die der Junge offenbar erlitten habe. Nachbarn von Devlin sagten dem Sender zufolge, sie hätten den Mann und Shawn öfter gesehen, aber nichts Auffälliges bemerkt.