Trennungsagentur

Wiener Schlussmacher beendet Beziehungen

Wenn man in einer unglücklichen Beziehung lebt, aber nicht die Kraft oder den Mut hat, sie zu beenden, ruft man ihn: Peter Treichl, Inhaber der Trennungsagentur . Ab 367 Euro macht er mit dem ungeliebten Partner Schluss - kurz und schmerzlos. Seit 2013 macht er "aus einem unglücklichen Paar, zwei glückliche Singles". Wer und warum man eine Trennungsagentur braucht, hat der Beziehungsprofi, der auch einige Partnervermittlungen betreibt, im City4U-Interview erzählt.

Nach Weihnachten und im Sommer bekommt Peter Treichl die meisten Anfragen. Bei einem telefonischen Vorgespräch stellt er die Frage, die ihm am wichtigsten ist: "Haben Sie noch Gefühle für Ihren Partner?" Sobald die Person dann zögert, empfiehlt er das Paket "Gelbe Karte". "Das ist eine Verwarnung oder eher eine letzte Warnung: So wie unsere Beziehung jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Es muss sich was ändern", erklärt Treichl. Der Großteil der Kunden, der dieses Paket in Anspruch nimmt, würde dann tatsächlich zusammen bleiben und sich nicht trennen.

#Es hat nie gepasst

Neunzig Prozent der Menschen, die in engagieren, hätten sich innerlich schon längst getrennt. "Es kommen oft Frauen, die seit 30 Jahren verheiratet sind, wo es aber nie gepasst hat. Man kommt mit Anfang 20 zusammen, bekommt Kinder, möchte warten bis sie in einem gewissen Alter sind, bevor man sich trennt und so weiter", erzählt der Schlussmacher. Als er die Trennungsagentur im Jahr 2011 gründete, kamen mehr Männer. Mittlerweile beanspruchen mehr Frauen seine Dienste. Die Männer treffe es jedoch härter.

#Schlüsselübergabe

Das Schlussmachen läuft bei Peter Treichl mittlerweile routiniert ab. Er kommt stets in der Früh um die schlechte Nachricht zu überbringen. "Am Morgen sind die meisten Leute im Stress am Weg zur Arbeit und sind in Gedanken schon im Beruf. Wenn sie mich sehen, übergebe ich Ihnen die Box, sage, dass ihr Partner hiermit die Beziehung beenden würde und - wenn sie nicht zusammen wohnen, wie es meist der Fall ist - übergebe ich den Schlüssel des Partners und verlange auch den anderen zurück und schon bin ich weg. Die meisten sind so perplex und registrieren nicht sofort, was da überhaupt gerade passiert ist." In der Trennungsbox befinden sich je nach Package ein Champagner oder Schnaps, Schokolade und Taschentücher. Bei den exklusiveren Paketen kann auch ein Auto oder Urlaub als Abschiedsgeschenk inkludiert sein. "Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Die exklusiven Packages starten bei 1.999 Euro", berichtet Treichl.

#Mitgefühl kann man sich nicht leisten

Viele Paare würden keinen Scheidungskrieg wollen und lieber im Guten auseinander gehen. Da ist ein Abschiedsgeschenk, eine Art Ritual, sicherlich ein guter Weg. Mitgefühl für die Verlassenen hat Peter Treichl nicht: "Nach 20 Jahren in diesem Business weiß man zu viel. Meine Kunden erzählen mir ja oft zwei Stunden lang wie schlecht ihr ganzes Leben nicht sei. Am Anfang hat mich das mitgenommen, aber mittlerweile nicht mehr. Vor allem weiß ich, dass meist zwei dazu gehören." Wenn man alles in seiner Macht versucht hätte um die Beziehung zu retten, dann solle man sich trennen. Sofern man das nur mit einem Schlussmacher können, solle man das eben machen, findet Treichl. "Das Leben ist zu kurz um unglücklich zu sein."

#Glücklich, dass es vorbei ist

Meist wären die Paare sowieso froh, dass es endlich vorbei sei. "Meist hat zumindest einer schon einen neuen Partner", weiß der Agentur-Inhaber. "Einmal stand ich um 6:57 Uhr vor der Tür eines Mannes im 21. Bezirk. Der hat mir halbnackt geöffnet und im Hintergrund ist seine halbnackte Geliebte vorbeigelaufen. Ich habe also im Namen seiner Freundin mit ihm Schluss gemacht und kaum hattee ich ausgesprochen, hält er mir einen großen Sack hin und sagt 'Dann kannst ihr ihr Klumpert gleich mitnehmen'", schmunzelt Treichl. Ein anderes Mal hätte sich ein 84-Jähriger mithilfe von Treichl von seiner 81-jährigen Frau getrennt, da sie ihn betrogen hatte. Skurrile Erlebnisse hat der gebürtige Salzburger in seinem Job genug: "Ganz am Anfang hat mich ein junger Mann angerufen. Er hat nach einem Jahresabo gefragt, da er jede Woche neue Frauen kennenlernte und sich das ständige Schluss machen ersparen wollte. Das war ein richtiger Gigolo", lacht Treichl.

#Man kann sich vieles ersparen

Peter Treichl selbst ist seit zwei Jahren in einer glücklichen Beziehung. Beatrice Hungerbühler ist gleichzeitig auch seine Geschäftspartnerin. Würde sie eine Trennungsagentur engagieren? "In meiner vorigen Beziehung hätte ich mir viele schlechte Jahre erspart, wenn es eine Trennungsagentur gegeben hätte", sagt sie. Im Moment ist der Beziehungs-Profi dabei seine Agentur neu aufzustellen: "Wir wollen exklusiver werden. Qualität vor Quantität. Wir wollen Menschen ermutigen, aus dem Hamsterrad in einer unglücklichen Beziehung auszubrechen. Unser neuer Slogan ist daher 'Es wird Zeit sich zu trennen'", beschreibt Treichl. Er hat auch ein zusätzliches Goodie für Menschen, die ihn als Schlussmacher engagieren: Einen Gutschein für seine Partnervermittlung.

Jänner 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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