Fr, 26. April 2019
29.12.2017 14:57

Oberndorf

Aus für Café nach 114 Jahren

"Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten und dennoch ist es schwerer." Mit den Worten des deutschen Theologen Detlev Fleischhammel verabschiedet sich heute, Samstag, das Café Gruber am Oberndorfer Stadtpark von seinen treuen Gästen.

Direkt neben dem Oberndorfer Rathaus hat am 27. Jänner 1904 das Kaffee- und Weinhaus erstmals seine Pforten geöffnet. In dieser Zeit wurde der gesamte Ort neu gebaut. 1940 kauften Verwandte der Grubers das Gebäude, 1963 erwarb es Senior-Chef Willi.

Erst vor zehn Jahren wurde das 84 m2-Café und Restaurant mit hauseigener Konditorei renoviert. Im August dieses Jahres fiel die Entscheidung, wegen fehlender Perspektive den Schlussstrich zu ziehen. "Es sind wahnsinnig viele Freundschaften entstanden. Die Kunden sind entsetzt und der Abschied ist tränenreich. Obwohl ich mir nur das Schöne im Hinterkopf behalten möchte, tut es sehr weh", sagt Karin Gruber (51), die aus der Werbebranche kommt und das Café die letzten zwölf Jahre führte, um die Familientradition aufrecht zu erhalten. Die Herzlichkeit und die Wärme werden ihr fehlen.

Bereits der Beginn lief holprig, Willi Gruber konnte mit dem Kaffeehaus kaum seine Familie mit drei Kindern ernähren. "Bis 1971 machten wir 480.000 Schilling Umsatz im Jahr", erinnert sich der gelernte Metzger, dass daraufhin viel in das Lokal investiert wurde.

Nur ein Jahr später hat sich der Jahresumsatz verfünffacht. "Danach folgten die besten 20 Jahre ohne Personalsorgen. 1995 wendete sich das Blatt wieder", verlor der Gastronom mit Leib und Seele schließlich den Spaß an der Arbeit. Die Gäste bekamen von den Sorgen nicht viel mit. Prominente wie Schauspieler Fritz Muliar, Lyriker H. C. Artmann, der mit dem Mofa anreiste, oder der ehemalige FC Bayern-Kicker Bernd Dürnberger schätzten die raffinierte Küche und die köstlichen Mehlspeisen. Johnnys-Disco Gründer Johannes Mairoll betont: "Wenn die Gastronomie kaputt geht, stirbt auch der Ort. Die Schließung der alteingesessenen Institution ist ein Verlust für die Stadt!"

Dessen ungeachtet gibt es Positives zu berichten: Willi Gruber und Gattin Anni dürfen sich nun in den wohlverdienten Ruhestand begeben, alle sieben Angestellte haben bereits einen neuen Job gefunden und Karin ist froh, dass der Druck weg ist.

Sandra Aigner, Kronen Zeitung

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