Sa, 20. April 2019
28.12.2017 13:13

Menschen in Salzburg

Blick zu den Sternen

Wolfgang Krispler kann Millionen Jahre zurück blicken. Er ist Spezialist für Astro- Fotografie und freut sich auf die neue Sternwarte im Juli.

Schon mit 13 Jahren hat sich Wolfgang Krispler ein Teleskop gewünscht: "Ich dachte, damit kann ich heimlich die Nacht-Filme sehen, wenn die Eltern schlafen. Außerdem war es eine gute Ausrede, nachts auf zu bleiben. Einen Großteil des Wissens von heute habe ich mir schon damals angeeignet."

Vor drei Jahren brachte ihn Astro-Fotograf Rochus Hess dann zur Astronomie-Gruppe im Haus der Natur: "Denn jedes Foto einer fernen Galaxie ist ein Mammut-Projekt und es besteht tatsächlich aus hundert oder mehr Bildern, die zusammen gerechnet werden. Ohne Hilfe eines Fachmannes ist das sehr frustrierend." Wolfgang Krisplers Spezialität ist die ’Dark sky’-Fotografie: "Ferne Galaxien, die man oft kaum im Teleskop erkennt." Sie scheinen farblos, doch die Aufnahme wird kalibriert, der Computer errechnet das Weiß und danach ergeben sich die echten Farben: "Bis zu 500 Millionen Jahre kann ich so in die Vergangenheit blicken, manche Galaxien sind ja noch viel weiter von uns entfernt."

Auf der kleinen Sternwarte am Voggenberg, die schon im Juli vom tollen Neubau am Hausberg abgelöst wird, macht er öfters Führungen, die gibt es dort bei günstigem Wetter jeden Donnerstag abends. Und er erklärt dabei recht anschaulich die Weiten des Universums: "Der Nebel M 42 im Sternbild Orion, den man noch mit freiem Auge sieht, ist 1200 Lichtjahre entfernt. So lange würden wir dorthin brauchen, wenn wir ein Raumschiff hätten, das mit dieser enormen Geschwindigkeit fliegt." Zur Illustration, was Lichtgeschwindigkeit heißt: In einer Sekunde würde man damit siebeneinhalbmal um die Erde rasen. Die totale Mondfinsternis 1999 ist ihm bleibend im Gedächtnis: "Einfach unheimlich, wie die Schatten kamen und die Tierwelt dann verstummt ist, mitten am Tag." Und die Rückkehr des Halley’schen Kometen im Jahr 2061; "Die möchte ich noch erleben", sagt Wolfgang Krispler: "Dann wäre ich 93."

Dass es da draußen Leben gibt, ist für ihn klar: "1995 wurde der erste Planet mit erdähnlichen Bedingungen entdeckt, heute kennen wir über 3000." Was ihn fasziniert: "Jeder Stern am Himmel hat eine andere Vergangenheit." Und die Vielfalt ist gigantisch: "Wenn man alle Sterne, die es gibt, auf jeden der sieben Milliarden Menschen aufteilen würde und jeder von ihnen jede Sekunde einen Stern zählt: Jeder Mensch würde dafür 300.000 Jahre brauchen." Schlaflose Nächte lohnen sich, sagt Wolfgang Krispler. Ganz besonders ab Juli, wenn die neue Sternwarte für das Haus der Natur am Haunsberg fertig ist.

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

Steckbrief:

Geboren: Am 13. April 1969.
Sternzeichen: Widder.
Familie: Verheiratet mit Arven (so heißt auch eine Elfe im ’Herr der Ringe’), Sohn Tristan (1).
Beruf: IT-Manager, für meine frühere Firma Sony bin ich in der halben Welt herum gekommen, für die Firma Kapsch habe ich ein Jahr in Argentinien gelebt.
Das bin ich: Ein unverbesserlicher Optimist, der seine Begeisterung gut auf andere übertragen kann.
Ich glaube: An die selbsterfüllende Prophezeiung: Wenn du an etwas glaubst, kannst du es auch umsetzen.
Ich liebe: Meine Familie und die Astronomie, ein Hobby, das mich total ausfüllt.
Meine Musik: Die beschwingte Musik Südamerikas, gerne aber auch sphärische Klänge wie Pink Floyd.
Ich lese: Südamerikanische Autoren wie den peruanischen Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa.
Meine Stärke: Nie aufgeben! Und Sprachen lernen: Spanisch, Englisch und Französisch beherrsche ich schon, momentan lerne ich Ungarisch, weil meine Frau Ungarin ist.
Meine Schwäche: Ich mache zu viele Dinge gleichzeitig . Leider könnte nie ins All fliegen, mir auf der Achterbahn schon schlecht.
Urlaub: Am liebsten Österreich.
Mein Traum: Beruf und Astronomie einmal verbinden. Und eine Astro-Reise nach Namibia.

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