23.12.2017 20:41 |

Große Klangtour

Adventango und Skipullover-Lied

Ja, es war alles ein bisschen ganz anders als sonst bei Konzerten im Großen Festspielhaus: Quadro Nuevo mit Lisi Fuchs’ Philharmonie Salzburg - da marschierte der Quadro-Saxophonist mal durch die Publikumsreihen, da schlüpfte derselbe für das Glei-Dumpa-Lied in einen Skipullover. Und der Adventango war einfach brillant.

Es gab einiges, was es sonst nicht gibt: Etwa zwei Mitwirkende - Mulo Francel, der bewegungsfreudige Sax-Mann, der auch mit der Klarinette bestens vertraut ist, und D.D. Lowka von Quadro Nuevo, die zwischen den Beiträgen Komplimente für Elisabeth Fuchs und ihre Philharmonie streuten. Das klang dann bei Kontrabass-Percussion-Virtuose Lowka so: "Nicht weitersagen, aber wir spielen mit diesem Orchester fast am allerliebsten, einfach phantastisch." Nebst Hinweis auf die lobenswerte Möglichkeit, Förderer dieser Philharmonie zu werden. Lob und Animation aus berufenem Munde, denn die Weltmusiker aus Bayern sind eine international höchst respektable Formation. Mit Evelyn Huber, der Jahreszeit geschuldet sei das Klischee erlaubt, einem blonden Weihnachtsengel an der Harfe.

Francel, der zu den meisten Arrangements auch ein paar persönliche Anmerkungen machte, schlüpfte für die verjazzte "Es wead scho glei dumpa"-Version in einen blauen Skipulli, hatte zuvor schon ein zwei Meter langes Eigenbau-Instrument präsentiert, das Akkordeon-Profi Andreas Hinterseher mit einem tönenden Hirtenstab verglich: "Wir haben es bei Stuttgart einer Schafherde vorgeführt." Unvergleichlich war Hintersehers Einleitung zur argentinischen Weihnacht mit dem Tango-typischen Vibrandoneon, sensibel-genial auch sein Intermezzo mit Geiger Florian Moser. Ebenfalls in bester Laune und Form: Kiril Stoyanov als Mann des Trommelwirbels und Moises dos Santos, das Temperamentbündel aus Brasilien. Der hatte schon in einer Art vierhändigen Solos zu Anfang mit Kontrabassist Lowka demonstriert, wie aus einem Saiteninstrument ein Percussions-Körper wird.

In der Hör- und Empfindungssumme war es ein nahezu vollendeter vorweihnachtlicher Spaziergang durch musikalische Welten - vom Mittelalter über hiesig Weihnachtliches bis zu orientalischen oder südamerikanischen, ja aborigenen Klängen. Ein feines ohrgängiges Menü abseits des "adventösen" Einheitsbreis, gepaart mit der Erkenntnis, dass man sogar aus alpenländischem Liedergut Crossover-Moleküle ins Arabeske transferieren darf. Und Elisabeth Fuchs darf man das öffentliche Lob der Kollegen wahrlich gönnen, möge sie es als verdientes Weihnachtsgeschenk empfinden . . .

Roland Ruess, Kronen Zeitung

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