Im Fundbüro

Was die Wiener am Silvesterpfad verlieren

75.500 Gegenstände wurden im vergangenen Jahr im Zentralen Fundservice der Stadt Wien abgegeben, das entspricht 207 Stück pro Tag. Die Klassiker sind neben Schlüssel, Geldbörsen und Handys. Gerade am Silvesterpfad in der Wiener City wird viel verloren, denn am 1. Jänner verzeichnen die Mitarbeiter der MA 48 um 10 Prozent mehr Gegenstände in den fünf Fundboxen entlang des Pfades. Welche das sind hat City4U nachgefragt.

Wer 2018 damit beginnt, seine Geldbörse oder seinen Schlüssel zu verlieren, der startet nicht gerade gut ins neue Jahr. Doch gerade am Silvesterpfad wird viel verloren. "Wienweit ist der Unterschied verschwindend klein, aber in den fünf Fundboxen im 1. Bezirk verzeichnen wir einen Anstieg der darin abgegebenen Gegenstände um etwa zehn Prozent", erklärt Ulrike Volk, Pressesprecherin der MA 48. Vor allem Schals, Handschuhe und Hauben finden den Weg in die Fundbox und von dort schließlich zum Fundbüro, in dem sich auch allerhand kuriose Geschichten abspielen.

#Posaune, die keiner abholt

Allgemein gilt, je wertvoller ein Gegenstand ist, desto eher wird im Fundbüro angerufen und danach gefragt. Dabei kommt es nicht nur auf monetären, sondern natürlich auch auf den immateriellen Wert an. "Es wurde einmal eine Posaune abgegeben, die sogar teuer war, aber nie vom Besitzer abgeholt wurde", sagt Volk im City4U-Talk. Die Mitarbeiter des Fundbüros stehen auch immer in Kontakt zur Polizei, da bei solchen Gegenständen zuerst abgeklärt wird, ob sie nicht gestohlen wurden. Dinge die mehr als zehn Euro wert sind, verbleiben bis zu einem Jahr im Zentralen Fundservice. Schals, Handschuhe und diese Dinge werden etwa drei Monate behalten. "Wenn sie bis dahin nicht abgeholt wurden, werden sie an Einrichtungen wie zum Beispiel die Gruft gespendet oder beim 48er-Tandler wieder verkauft", erläutert Volk.

#Viel Recherche

Die Arbeit im Fundbüro ist mit viel Recherche verbunden. "Einmal wurde eine Konstruktionsmappe mit 30 Zeichnungen abgegeben. Auf den Unterlagen war ein Hinweis auf die Schule und so konnte die Schülerin ausfindig gemacht werde, die die Mappe verloren hat. Sie hat sich sehr gefreut, weil pro Zeichnung brauchte sie zwei Stunden", beschreibt Volk die schönen Momente im Fundbüro. Natürlich gebe es auch Trauer und Enttäuschung in den Gesichtern der Menschen, die vergeblich nach ihren verlorenen Sachen fragen. "Auch der Richard Lugner war schon bei uns. Er hatte seine Geldbörse verloren. Davor ist eben keiner gefeiht", weiß die Mitarbeiterin der MA 48.

#"Ich habe doch nichts verloren"

Manche Menschen gehören aber eher zu Pechvögeln. "Ein Herr hatte seine Geldbörse zwei mal kurz hintereinander verloren. Als es bei uns aufgetaucht ist, hatte es noch den Barcode, mit dem alle Gegenstände ausgestattet werden, vom letzten Verlust drauf kleben. Dadurch konnte der Besitzer schnell ausgeforscht werden", schmunzelt Volk. Ein anderes Gelbörserl mit Führerschein wurde ebenfalls abgegeben. Der Inhaber wurde vom Fundbüro verständigt, aber bestand darauf, dass er gar nichts verloren hätte. "Nach einiger Zeit ist er dann draufgekommen, dass er vor neun Jahren einmal seine Geldbörse verloren hat. Sie ist anscheinend irgendwo gelegen und wurde erst dann abgegeben", beschreibt Volk. Trotzdem gebe es keine Garantie, dass unter den 75.500 Gegenständen, die im Zentralen Fundservice der Stadt Wien abgegeben wurden, der dabei ist, den man selbst verloren hat: "Es taucht nicht alles wieder auf", betont Ulrike Volk.

Jänner 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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