Sa, 20. April 2019
22.12.2017 22:30

Telefonseelsorge

Viele fühlen sich jetzt alleine

Echte Stimmen gegen die Einsamkeit, kostbar gerade zu Weihnachten: Gerhard Darmann, Leiter der Telefonseelsorge der Erzdiözese (Tel: 142), und sein großes Freiwilligen-Team sind für jeden da, der sich Sorgen von der Seele reden will. Neben Anrufen gehen auch immer mehr Mails ein. Ein zutiefst menschlicher Service.

"Bei uns passiert ein Stück Entlastung. Wie ein Brunnen, den man täglich besuchen kann", vergleicht Gerhard Darmann, Leiter der Telefonseelsorge. Er bezeichnet die Gespräche auch gerne als "Wärmestube für die Seele"…

Seit 2003 leitet er die Stelle, wo jeder über seine Sorgen reden kann. Gerade an Festtagen werden Emotionen frei. Trauer, Wut, Zorn. Oder ungeweinte Tränen. Was zu Weihnachten besonders bedrückt? "Probleme im Familienverband. Die Seele ist dann gekränkt, oft verwundet. Es melden sich auch ältere Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen." Einsamkeit ist ein großes Thema. Selbst hat er idyllische Erinnerungen an die Weihnachtsfeste seiner Kindheit: "Auf einem Kärntner Bergbauernhof, in der Großfamilie, mit schneereichen Winter." Als Ministrant machte er sich oft früh in die Kirche auf. Die Wege waren für einen Schulbuben weit, aber alleine musste er sie nicht gehen. "Es waren überall viele Kinder da." Eine andere Welt, die gar nicht lange zurücklegt - damals ohne TV und Telefon. Später im Internat hätte er sich manchmal eine Telefonstimme gewünscht: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so eine Stelle leite."

Am Telefon hat er immer ein offenes Ohr: 15.600 Anrufe gingen allein 2016 ein. "Manche begleiten wir auch über einen längeren Zeitraum." Ein guter Zuhörer zu sein, das sei schon die halbe Miete, so Darmann.

15.600 Anrufer suchten 2016 einen Zuhörer
Sein Pool an Freiwilligen ist groß: Bis zu 150 Stimmen sind in der Zentrale sowie in den Außenstellen im Pinzgau und Lungau am Hörer. "Das Netz ist groß. Mich begleitet ein lebendiger Organismus." Die kids-line ist ein eigener Jugendbereich, der sich auch sehr bewährt hat.

"Die meisten sind 12 Stunden im Monat im Einsatz", erklärt er, dass die Mitarbeiter bewusst behutsam einsetzt werden. "Sonst sind die Ohren irgendwann nicht mehr offen." Für die Ausbildung zahlen sie einen symbolischen Beitrag, bekommen im Gegenzug eine Bühne für Selbstreflexion und persönliche Weiterentwicklung. Darmann: "Es ist ein Geben und Nehmen."

Sie alle kommen ins Büro, mobil wird nicht telefoniert: "Es ist wichtig, mit der Tür die Probleme abzuschließen." Er selbst ist ganz Städter geworden, radelt gern ins Büro: "Auch bei 20 Minusgraden", lacht Darmann. "Auto habe ich gar keines."

Eine gesunde Portion Gelassenheit erleichtert ihm persönlich den Umgang mit Lebenskrisen. Und: "Ich mache das ja nicht allein", lobt Darmann sein Team.

Immer mehr Hilferufe kommen neuerdings auch per Email oder als Chat-Beitrag herein. "Es ist erstaunlich, was die Leute auch schriftlich ansprechen." Behutsam geht er dann mit den Krisen um. "Wunder können wir nicht bewirken", so Darmann, "aber einen Weg weisen." Der Frust richtet sich oft gegen Dritte. Er holt sie dann gedanklich mit ins Gespräch.

Ein kleiner Weihnachtswunsch: "Dass wir noch mehr Männer ins Team bekommen." Auch bei den Anrufern sind zwei Drittel weiblich. Sein Appell: "Für das Auto mache ich auch Service, warum soll ich mir nicht für die eigene Seele etwas Gutes tun."

Wer Hilfe braucht: Kostenlos unter Tel.: 142 oder im Internet unter www. ts142.at

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

Zitat - Gerhard Darmann, Leiter der Telefonseelsorge, beweist Fingerspitzengefühl, auch wenn Menschen sehr "aufgeladen" sind.

Zuzuhören ist schon die halbe Miete. Viele sagen, es hat gut getan, einmal alles ansprechen zu können. Es geht darum, die Person ein Stück ins Boot zu nehmen.

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