Mo, 22. April 2019
20.12.2017 18:16

Edler Alleskönner

Range Rover Velar: Hat manchen einiges voraus

Am liebsten wäre ich mit dem Range Rover Velar bis auf den Wendelstein hinaufgefahren, statt zu Fuß zu gehen. Andererseits: Man will ihn ja gar nicht von der Straße jagen, so elegant wie er ist. Ja, er ist derzeit das wahrscheinlich eleganteste SUV überhaupt. Nicht das perfekteste, nicht das übersichtlichste, aber eines von denen, dessen Fahrer einen besonders exquisiten Geschmack hat.

Reisen ist im Velar ein Genuss, es ist herrlich ruhig im Innenraum, auch bei schneller Fahrt. Der Sechszylinder schnurrt, kein Fahrtwind stört. Wir sind unterwegs in die Berge. Bayrischzell, Schliersee, Südtirol. Genau das Richtige für den Velar, denn er macht eine gute Figur dort, wo die "bessere Gesellschaft" weilt, aber auch da, wo er sich die Reifen schmutzig macht.

Mehr über den Range Rover Velar gibt es hier!

Und natürlich muss er auch mal runter vom Asphalt. Dafür ist der Velar mit dem 300 PS starken V6-Diesel bestens gerüstet. Luftfederung serienmäßig, also bis zu 25,1 Zentimeter Bodenfreiheit, riesige Böschungs- und Rampenwinkel, Allrad sowieso - da geht schon was, wenn man sich traut. Aber nicht alles. Und schwupps bleiben hässliche Kratzer im Glanz des Kunststoff-Unterfahrschutzes. Davor können einen weder Rundumkameras noch Sensoren bewahren. Shit happens. Ungünstig allerdings: Steht man schräg am Hang, steigt aus (etwa zum Fotografieren) und wieder ein, dann lässt sich der Sicherheitsgurt nicht mehr herausziehen. Man muss also unangegurtet weiterfahren, bis das Fahrzeug wieder einigermaßen gerade steht.

Gas geben statt segeln
Über kurvige Bergstraßen gleitet der schnittige Brite behände, auch wenn er nicht supergeschmeidig abrollt mit seinen optionalen 21-Zöllern. Für zügig-gelassenes Fahren empfiehlt es sich, die Achtgangautomatik über die Lenkradpaddles zu bedienen, sonst reißt es einen immer wieder, weil sie den Sechszylinder nicht auf seiner Drehmomentwelle (700 Nm bei 1500/min.!) surfen lässt und außerdem manchmal ruppig schaltet. Die Eco-Funktion des Getriebes ist ein guter Kompromiss zum manuellen Betrieb. Aber: Selbst im Eco-Modus gibt es keine Segelfunktion. Ein paar Zahlen: 0-100 km/h in 6,5 Sekunden, Vmax. 241 km/h, Testverbrauch 8,6 l/100 km.

Die Lenkung arbeitet gefühlvoll, man ist sportlicher unterwegs als im Range Rover Sport. Kein Wunder, schließlich basiert der Velar auf dem Jaguar F-Pace. Dass man nicht dazu neigt, Bergrennrekorde aufstellen zu wollen, liegt trotz einer herausragenden Menge an Aluminium-Leichtbau an der schieren Masse (2146 kg wiegt der Testwagen laut Typenschein) und daran, dass der schöne Brite recht wuchtig und unübersichtlich ist.

Überhaupt ist der Auftritt imposant
Was einem Porsche-Cayene-Fahrer längst nicht mehr passiert - überall schauen uns die Leute nach. Obschon eigentlich eher unauffällig gezeichnet, erkennt man auf den ersten Blick, dass der Range Rover Velar etwas Besonderes ist. Nicht so schickimicki wie sein kleiner Bruder Evoque, bestechender als sein minimal größerer und klobigerer Bruder Range Rover Sport. Das Schöne: Ich fühle mich keinem Vorurteil ausgesetzt. Mit jeder Premiummarke verbindet man gewisse Eigenschaften, sportlich, konservativ, langweilig, oberflächlich, geltungssüchtig - aber beim Range Rover Velar greift das alles nicht.

Mit einem Mercedes GLE wären wir wahrscheinlich nicht nach einem langen Tag in den Bergen über Meran verschwitzt und im Wandergewand in der herrlichen Vinothek in Schenna eingefallen, wo sie am langen Donnerstag alle gerade im feinsten Zwirn, den Urlaubskoffer oder Kleiderschrank hergegeben haben, an ihren Wein- und Franciacorta-Gläsern nippten. Wein kosten (natürlich die Beifahrerin mehr als der Fahrer), Wein kaufen, Wein laden - wie gut, dass der Kofferraum 673 Liter fasst, da fallen ein paar Kisten Wein nicht weiter auf.

Begehrenswertes Bediensystem
Im Gegensatz zum Innenraum - der fällt wirklich auf. Edel, klar, zurückhaltend, mit herrlichen Materialien, das ist Luxus. Vor allem sticht aber das brandneue Bediensystem "Touch Pro Duo" ins Auge. Zwei Touchscreens teilen sich die Funktionen auf, dazu gibt es am unteren Display variabel belegte Drehregler und einen Volume-Knopf. Das erschließt sich nicht jedem automatisch in allen Details, aber das Ganze bewährt sich schnell, ohne dass man dafür ein Informatik-Studium braucht. Ein gutes Konzept.

Weniger gelungen ist die komplizierte und zögernd ansprechende Bordcomputerbedienung via Lenkradtasten; auch die Klimaanlage ist kein Highlight: Wir haben keine Einstellung gefunden, in der es nicht zieht. Zudem ist der Verstellbereich der mittleren Ausströmer zu gering. Über jede Kritik erhaben - das war nicht immer so in Fahrzeugen von Jaguar Land Rover - ist das Head-up-Display. Auch ein Novum: Die Schalter für die Fensterheber sind endlich da angebracht, wo sie hingehören.

Nachsicht inklusive
Wie eingangs erwähnt: Perfektion ist hier keine Kategorie. Es passen keine großen PET-Flaschen in die Türen, der Spurverlassenswarner vibriert sogar die Beifahrerin wach, die Sitzbank lässt sich nicht vom Kofferraum aus umklappen, die Heckklappe lässt sich weder per Fußkick öffnen noch mit einem einzigen Knopfdruck schließen und verriegeln. Dazu kommt eine teilweise ungenaue Verarbeitung. Trotzdem macht der Range Rover Velar einen grundsoliden Eindruck.

Unterm Strich
Spaß auf den Bergstraßen mit Asphalt, Vergnügen auf Wegen ohne, Entspannung auf der Autobahn, Baden in bewundernden Blicken in der Stadt - es tut gut, im Range Rover Velar unterwegs zu sein. Seine Ausstrahlung macht Kritikpunkte wett, das Bediensystem bewährt sich, wenn man ihm etwas Zeit gibt. Tja, und der Preis macht ihn zum Objekt für die bessere Gesellschaft: 110.000 Euro stehen auf dem Waschzettel des gut ausgestatteten V6-Testwagen (Basispreis für das nackte Vierzylinder-Einstiegsmodell: 61.300 Euro). Immer mit dabei: jede Menge Stil.

Warum?

  • Eleganz pur
  • V6-Diesel ist der ideale Antrieb
  • Sehr kreatives, gut bedienbares Navitainment

Warum nicht?

  • Die Verarbeitung dürfte besser sein.

Oder vielleicht …

… Porsche Macan/Cayenne, Audi Q5/Q7, BMW X3/X5, Mercedes GLC/GLE. Der Velar tritt klassenübergreifend auf.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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