14.12.2017 10:23 |

Nach Orkan "Yves"

Einsatz dauert an

Punktuell apokalyptisch präsentierte sich seit Dienstag die Lage in der Südweststeiermark. Fieberhaft wurden nach Sturmtief "Yves" Häuser mit Planen abgedeckt, Straßen von tonnenweise Schadholz befreit. Auch am Donnerstag sind die Feuerwehren noch im Einsatz. Die Politik gibt Auskunft: Wer Schäden zu beklagen hat, sollte sich zuerst an die Versicherung und dann an den Katastrophenfonds des Landes wenden.

Auf den ersten Blick lässt sich die Landschaft in weiten Teilen der Bezirke Deutschlandsberg und Leibnitz wenig anmerken: Orkan "Yves" schlug eher punktuell zu - mit Spitzen bis zu 146 km/h! In Gräben und Senken des Hügellandes an der slowenischen Grenze liegen hektarweise Nadelbäume wie Streichhölzer herum.

Hunderte Feuerwehrleute standen - unterstützt von Bundesheer-Soldaten, Landwirten und Forstleuten - auch gestern im Einsatz. Heute sind die Helfer noch immer vereinzelt unterwegs. Immerhin: Der lebhafte Wind mit bis zu 80 km/h, der heute Früh erneut wehte, richtete offenbar keine neuen Schäden an.

Lebensgefährliche Forstarbeiten
Dafür haben die Sturmnächte zwischen Sonntag und Dienstag genug angerichtet. "Wir sehen vor lauter Bäumen keine Straße mehr", schilderte Kevin Naterer die Lage. Der Lannacher Feuerwehrmann kämpfte sich mit Kollegen vom Katastrophenhilfsdienst in Bachholz nahe Eibiswald mit einer Motorsäge vorwärts - unter Lebensgefahr: "Die Bäume sind extrem unter Zug. Wenn ich sie anschneide, schnepfen sie auf", schilderte er die Schwierigkeiten.

Wenige Kilometer weiter erwachten Hans und Hilde Pölzl vulgo Moritsch Montagnacht von einem lauten Rumpler: Im ersten Stock hatte der Sturm eine ganze Ziegelmauer eingedrückt. Die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon, ebenso wie Familie Jammernegg vulgo Zenzbauer in Kornriegel.

Dach flog weg wie Alufolie
Während Jungbauer Michael Jammernegg die Kühe molk, flog über seinem Kopf das Dach weg: "Wäre ich nur zwei Minuten früher aus dem Stall gegangen, hätt es mich voll erwischt", erzählte er. Das Trapezblech flog wie ein Stück Alufolie weg und landete im Wald - noch bevor auch an diesem Nordhang unzählige Stämme brachen.

So wie dem Zenzbauern ging es vielen: Ganze Gebäude sind in der Sturmnacht in den Bezirken Leubnitz und Deutschlandsberg eingestürzt, Dächer abgedeckt, Autos zerstört worden. Angesichts des apokalyptischen Anblicks, der sich im Südwesten vielerorts bietet, ist die Gelassenheit, mit der sich die Betroffenen ans Aufräumen machten, bewundernswert.

Haus und Auto kaputt: Wie man zu Geld kommt
Trotzdem machen sich viele Sorgen: Wer kommt für den Schaden auf? In erster Linie sind das die Eigenheim- und Kaskoversicherungen, im Notfall springt aber auch der Katastrophenfonds ein.

Wurden Gebäude beschädigt, springen Eigenheim- und Haushaltsversicherung ein, die fast jeder Steirer hat: Sie kommen für Sturmschäden bis zu der im Vertrag festgelegten Versicherungssumme auf. Haben Autobesitzer eine Kaskoversicherung, übernimmt diese die Schäden am Fahrzeug. Sind sie jedoch nur haftpflichtversichert, muss die Reparatur selbst berappt werden. Sperren sich die Versicherer, kann man den Katastrophenfonds anzapfen.

"Der steirische Katastrophenfonds ist gut gefüllt"
"Der ist gut gefüllt. Hier kann sich jeder auf uns verlassen", beruhigt SP-Landeshauptmann-Vize Michael Schickhofer und erklärt die Vorgangsweise: Schäden dokumentieren und rasch Versicherung einschalten. Zahlt sie nicht, füllt man auf dem Gemeindeamt einen "Privatschadensausweis" aus. Dieses leitet ihn an die zuständigen Stellen zur Prüfung weiter - danach sollte Geld fließen.

Matthias Wagner und Gerald Schwaiger, Kronen Zeitung

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