11.12.2017 16:39 |

Handel in Chicago

Bitcoin-Future gibt fulminantes Börsendebüt

Die Internet-Währung Bitcoin wird langsam erwachsen. Am Sonntagabend gab ein Terminkontrakt auf die Cyber-Devise sein Debüt an der Chicagoer CBOE, einer der weltgrößten Derivatebörsen. Ähnliche Papiere der Rivalen CME und Nasdaq, mit denen Investoren auf steigende und fallende Kurse setzen können, stehen bereits in den Startlöchern. Damit etabliert sich die bisher unregulierte Währung immer mehr.

Der Kurs des CBOE-Futures schoss in den ersten Handelsstunden zeitweise um knapp 22 Prozent auf 18.850 Dollar (16.053,48 Euro) in die Höhe.

"Die ersten Türen für den Mainstream sind offiziell eröffnet", sagte Timo Emden, Deutschland-Chef des Online-Brokers DailyFX. Mati Greenspan, Marktanalyst des Online-Handelshauses eToro, sprach von einem überraschend starken Debüt. "Zudem sind Leerverkäufe weitgehend ausgeblieben, was den gesamten Kryptomarkt positiv stimmte und die Preise sowohl für Bitcoin als auch für einige andere Währungen in Richtung neuer Allzeithochs trieb." Bitcoin gewann gut neun Prozent und blieb mit 17.030 Dollar etwa 120 Dollar unter seinem Rekordhoch vom Freitag. Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf fallende Kurse.

20.000 US-Dollar bis Jahresende?
Für den Marktanalysten Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader hat Bitcoin noch Luft nach oben: "Man muss kurzfristig zwar mit weiteren Flash-Crashs rechnen, aber die Kryptowährung dürfte bis zum Jahresende die Marke von 20.000 US-Dollar erreichen." Zweistellige prozentuale Kursstürze binnen weniger Minuten sind bei Bitcoin keine Seltenheit.

Am Montag lag die Schwankungsbreite bei rund 3000 Dollar. "Der Kurs wurde zum Spielball und somit zum Opfer von Arbitrage-Jägern, welche die massiven Preisunterschiede auf weltweiten Cyberbörsen ausnutzten", erklärte DailyFX-Experte Emden. Auch Grant Spencer, Chef der neuseeländischen Zentralbank, äußerte sich kritisch: "Im Laufe der Jahrhunderte haben wir Spekulationsblasen gesehen, und das hier scheint ein klassischer Fall zu sein."

Hinter Bitcoin stehen weder Regierungen noch Zentralbanken. Über den Preis entscheiden allein Angebot und Nachfrage. Vor allem die Aussicht auf die Einführung von Futures hat der virtuellen Währung seit Jahresbeginn ein Kursplus von 1700 Prozent beschert. Am Sonntagabend (MEZ) feierte der CBOE-Terminkontrakt seinen Einstand. In einer Woche folgt das Papier der Lokalrivalin CME. Mit den Futures können Investoren auf den Kursverlauf wetten, ohne Bitcoin tatsächlich halten zu müssen.

Bisher haben nur wenige Händler Zugang
Dem Hype der vergangenen Wochen zum Trotz hielten sich die Handelsumsätze an der CBOE Börsianern zufolge allerdings in Grenzen. "Die wenigsten Händler haben bisher Zugang zu diesem Future", sagte einer von ihnen. Der "Financial Times" zufolge wollen einige Großbanken vorerst keine Kundenaufträge für den Handel mit Bitcoin-Futures annehmen. Auch die Online-Broker Charles Schwab und TD Ameritrade halten sich noch zurück. Für Ophir Gottlieb, den Chef des Anlageberaters Capital Market Laboratories, ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis Profi-Anleger in großem Stil in den Markt einsteigen. Sie wollten zunächst abwarten, ob der Handel sauber ablaufe.

Bitcoin wurde von einer Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto entwickelt und 2009 vorgestellt. Unter dem Eindruck der Finanzkrise von 2008 sollte eine weltweit jederzeit verfügbare unabhängige Währung geschaffen werden. Ihr Herzstück ist die sogenannte Blockchain, in der alle Transaktionen fälschungssicher gespeichert werden. Fans der Cyber-Devise hoffen darauf, dass Bitcoin langfristig Gold den Rang als "Antikrisen-Währung" streitig machen kann.

Japan akzeptiert Bitcoins bereits als Zahlungsmittel
In Japan ist Bitcoin bereits gesetzliches Zahlungsmittel. Würden alle wirtschaftlichen Transaktionen in den sieben größten Industriestaaten der Welt künftig über die Cyberwährung abgewickelt, müsse ihr Wert theoretisch auf 220.000 Dollar steigen, rechnete Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer vor. Dem werde der Staat aber sicher einen Riegel vorschieben. "Schließlich hat er ein großes Interesse, sein Geldsystem aufrechtzuerhalten."

Die Behörden sind bereits hellhörig: Der österreichische Notenbank-Chef Ewald Nowotny plädierte für eine rasche Regulierung des bisher weitgehend freien Marktes für virtuelle Währungen. "Es wäre etwas eigenartig, hier quasi große Transaktionsvolumen völlig außer Acht zu lassen." Auch Südkorea denkt über neue Gesetze nach. Die CBOE-Papiere werden im vergleichsweise schwach regulierten OTC-Geschäft gehandelt. Vor diesem Hintergrund und wegen der starken Kursausschläge des Bitcoin-Kurses verlangt die Derivatebörse von Investoren eine Sicherheitsleistung ("Margin") von 30 Prozent des Kontraktvolumens. Bei den CME-Titeln werden sogar 35 Prozent vorab fällig.

Gefahren für die Gesamtwirtschaft gebe es durch den Bitcoin-Boom nicht, betonte EZB-Ratsmitglied Benoit Coeure. Anleger brächten nur ihr eigenes Vermögen in Gefahr. Volkswirt Andrew Kenningham vom Analysehaus Capital Economics verwies auf den mit 280 Milliarden Dollar (238,46 Milliarden Euro) vergleichsweise geringen Gesamt-Börsenwert von Bitcoin. "Wenn der Kurs heute auf null fiele, entsprächen die Verluste auf dem Papier einem Preisrückgang der US-Aktien von 0,6 Prozent."

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