Di, 16. Oktober 2018

Winterhelden am Werk

30.11.2017 15:01

Die Einsamkeit des Schneepflugfahrers

Wenn es eisig wird und der Schnee kommt, sind sie die Helden der Straße: die Mitarbeiter des Winterdiensts. Ein "Krone"-Brennpunkt.

Der Winter naht! Was bei der Kultserie "Game of Thrones" ein eisiges Schaudern hervorruft, kostet Goran Petrovic nicht einmal ein Achselzucken. Der 36-Jährige fährt bei der MA 48 in Wien die Räum- und Streufahrzeuge. "Wenn's schneit, bist du damit im Wiener Straßenverkehr der Held", grinst Petrovic. "Wenn's dann wieder weniger wird, sind sie am Schimpfen, weil du alles blockierst" - Freud und Leid des Schneepflugfahrers.

Seit Oktober bereiten sich die Winterdienstlenker auf den Einsatz vor, seit Mittwoch sind sie in "Alarmbereitschaft". Um 6 Uhr beginnt die Arbeit der Frühschicht. "Für eine Tour brauchst du ungefähr zwei Stunden. Eine Schicht geht über acht." Stündlich werden die Fahrer über die aktuelle Wetterlage informiert. Im Bedarfs-, also bei starkem Schneefall, legen die Arbeiter auch schon mal einen Zwölf-Stunden-Lauf hin. Allein. Jedes Fahrzeug ein Fahrer. Eine einsame Angelegenheit. Oft eine stille Nacht. Auch zu Weihnachten. Und Silvester. Wie Petrovic im Vorjahr. O du Fröhliche, wenn dann einer der Liebsten anruft.

Die weißen Massen vom Bisamberg
Seit 2004 knackt Petrovic jeden Schneehaufen. Nur einmal, vor ein paar Jahren, da wäre er fast heißgelaufen: "Am Bisamberg, da war's ein Wahnsinn." Nur mit weiteren zwei Räumfahrzeugen, die Petrovic über Funk zu Hilfe gerufen hatte, waren die weißen Massen zu bändigen. So ist es eben, das alljährliche "Game of Snow". Wenn der Winter kommt. Petrovic kostet es nur ein Achselzucken.

MA-48-Chef: "Wir schaffen die Rahmenbedingungen"

"Krone": Was ist die größte Herausforderung für die MA-48-Mitarbeiter im Winter?
Josef Thon: Die größte Herausforderung ist sicherlich, aus den vorliegenden Wetterprognosen den geeigneten Maßnahmenplan abzuleiten und die Ressourcen dementsprechend einzuteilen - örtlich und zeitlich.

Gibt es etwas, auf das man sich überhaupt nicht vorbereiten kann?
Für einen funktionierenden Winterdienst ist die Mitarbeit der Verkehrsteilnehmer erforderlich. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, um die Wege frei zu halten. Wenn aber Fahrzeuge aufgrund einer nicht adäquaten Ausstattung stehen bleiben, werden Verkehrswege verstopft. Dann kommen auch unsere Lkw nicht mehr durch.

Woher bekommen Sie das Streusalz, und - falls etwas überbleiben sollte - hat das ein Ablaufdatum bzw. wie lang kann man es wiederverwenden?
Auftaumittel haben kein Ablaufdatum. Salz lagerte Tausende Jahre unter der Erde, ohne Qualitätsverlust. Genauso verhält es sich bei der sachgerechten Lagerung. Der Zuschlag für die Lieferung von Streumitteln erfolgt aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung, es gibt unterschiedlichste Anbieter. In den letzten Jahren erfolgte die Lieferung per Schiff.

Daten & Fakten

  • 70 Winterdienstfahrzeuge stehen bereit, dazu kommen 180 kleinere Fahrzeuge und Räumtraktoren. Insgesamt besteht der Wiener Fuhrpark aus 350 Fahrzeugen.
  • Das Straßennetz in Wien umfasst 2800 Kilometer, dazu kommen 630.000 Laufmeter Gehsteige.
  • Statt Streusplitt wird Spezialsole verwendet. 31 Auftausilos und 17 Solemischanlagen sind vorhanden.
  • 13 Winterdienstplätze sorgen für reibungslosen Sole-Nachschub für die Streufahrzeuge.
  • 1995 verwendete die Stadt Wien noch 133.500 Tonnen altmodischen Streusplitt, im Vorjahr nur noch 78.
  • Insgesamt sind 1400 Personen im Einsatz.
  • Wichtig für alle Autofahrer: Im Fall von länger anhaltenden starken Schneefällen können die Kurzparkzonen außer Kraft gesetzt werden. Infos darüber gibt es via App von www.wien.at.

Clemens Zavarsky, Kronen Zeitung

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