Donaukanal

Sind Tel Aviv Beach und Feuerdorf bald Geschichte?

Tel Aviv Beach, Badeschiff und Hafenkneipe gehören vielleicht bald der Vergangenheit an. Der Donaukanal hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Sommer-Hotspot entwickelt, vor allem für die junge Generation. Trotzdem soll sich im nächsten Jahr auf den Arealen neben dem Fluss einiges verändern. Sechs Flächen zwischen Augarten- und Franzensbrücke werden neu ausgeschrieben. Der Donaukanal wie er jetzt ist, könnte bald Geschichte sein.

Der Donaukanal hat sich vom heruntergekommenen Schandfleck zu einem coolen, kreativen Freizeitareal gemausert. War vor 20 Jahren nur der ehemalige Underground-Club Flex dort zu finden, steht nun ein Lokal nach dem anderen. Zahlreiche Bars und Gaststätten mit eigenen Strandabschnitten sorgen für Beach-Feeling. Das jährliche Donaukanaltreiben mit vielen Live-Bühnen und Konzerten zieht Tausende Menschen an. Auch im Winter gibt es mit dem Feuerdorf kuschelige Plätze zum Grillen.

#Alles neu

Doch nun soll sich einiges ändern, zumindest wenn es nach der Donau Hochwasserschutz Konkurrenz (DHK) geht, denen die Areale am Donaukanal gehören. Die DHK besteht aus einem Gremium aus Bund, Stadt Wien und Land Niederösterreich und hat sechs Flächen neu ausgeschrieben. Die betroffenen Lokale sind die Adria Wien, der Tel Aviv Beach, das Feuerdorf, der Central Garden, die Badeschiff-Vorkaifläche und die Hafenkneipe. Für diese Flächen kann man sich noch bis 15. Dezember 2017 bewerben. Die Auswahl erfolgt schließlich durch eine Personenkommission. Der Grund, warum die Flächen überhaupt neu ausgeschrieben werden, ist ein Bericht des Rechnungshofes, der die geringe Pacht sowie die undurchsichtige Vergabe der Plätze kritisierte.

#Tel Aviv Beach

Eines der Aushängeschilder des Donaukanals ist der Tel Aviv Beach, der nächstes Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert. "Als wir die Fläche übernommen haben, war da nur Schutt. Wir haben alles mit viel Liebe und Herzblut aufgebaut, jede Strom- und Wasserleitung neu verlegt. Wenn wir die Ausschreibung nicht gewinnen, wäre das eine Katastrophe für uns - nicht nur finanziell", erklärte Nuriel Molcho, der mit seiner Familie unter anderem den Tel Aviv Beach erfolgreich betreibt, im City4U-Talk. "Wir werden uns auf jeden Fall bewerben und unser neues Konzept präsentieren, das wir schon seit zwei Jahren planen." Als größter Arbeitgeber am Donaukanal macht sich Molcho auch Sorgen um die 50 Mitarbeiter, die jeden Sommer das Strandfeeling an den Tel Aviv Beach bringen. Sollte er wider erwarten den Zuschlag nicht bekommen, wäre das sein Ende: "Den Tel Aviv Beach gibt es nur am Donaukanal. Ein anderer Platz wäre unvorstellbar."

#Adria Wien und Badeschiff

Die Sorge um Angestellte teilt auch Gerold Ecker, der gleich doppelt betroffen ist, weil er neben der Adria Wien auch das Badeschiff, dessen Vorkai ebenfalls zur Ausschreibung steht, betreibt. "Man darf sich ja nur mehr für eine Fläche bewerben. Das ist doch paradox. Ich soll mich entscheiden, welchen Betrieb ich opfere und welche Mitarbeiter dann arbeitlos werden", ärgert sich Ecker im Gespräch mit City4U. "Ich bin über diese ganze Sache gar nicht froh und wir werden nicht nur rechtlich dagegen vorgehen, sondern auch unsere Gäste mobilisieren." Gerold Ecker werde sich nicht für die Flächen bewerben. Sollte seine Klage abgeschmettert werden, wird die Adria Wien Geschichte sein. "Die Adria ist am Donaukanal entstanden und gewachsen. Sie kann nur dort stehen. Wir haben unserem Motto 'Mehr Sonne im Herzen' nun 'forever' hinzugefügt, um unsere Haltung zum Ausdruck zu bringen."

#Feuerdorf

Der Winter-Hotspot am Donaukanal, das Feuerdorf, ist ebenfalls von der Umstrukturierung betroffen, sieht die Neuverteilung aber nicht negativ: "Wir werden uns ganz sicher wieder bewerben. Ich sehe das durchaus positiv, da es einige Flächen gibt, die nur für kurze Zeit vergeben werden. Wenn es nun ein langfristiges Konzept für den Donaukanal gibt, ist das absolut begrüßenswert", sagt PR-Sprecher Alexander Khaelssberg nach Absprache mit dem Feuerdorf-Pächter auf City4U-Anfrage.

#Money, Money

Grundsätzlich kann sich also jeder für die Flächen am Kanal bewerben. Jedoch wird die Miete deutlich steigen und es muss eine nicht geringe Umsatzbeteiligung an die DHK bezahlt werden. Kritiker befürchten, dass internationale Ketten oder reiche Investoren den Zuschlag bekommen werden. "Der Donaukanal wird seinen Charme verlieren. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen, die in der Ausschreibung zu lesen sind, bin ich mir sicher, dass nur große Bauten dort entstehen werden oder jene, die sich verwerten lassen", glaubt Ecker.

#Positive Entwicklung

"Als wir auf den Donaukanal gekommen sind, war da fast nichts und es war auch nicht gerade ein cooler Platz. Jetzt, wo es gut läuft, wollen andere auch hin. Ich verstehe natürlich und finde es auch gut, dass man etwas erneuern will, aber das sollte nicht so radikal geschehen", betont Molcho. Dieser Meinung ist auch der Adria Wien-Chef: "Ich verstehe den Sinn des Ganzen nicht. Der Donaukanal ist ein städtischer Bereich, der sich positiv entwickelt hat. Es entstand Leben jenseits der gastronomischen Bemühungen. Es ist ein beliebter Raum geworden. Warum will man zerstören, was es gibt?"

Dezember 2017

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Viktoria Graf
Viktoria Graf
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mehr