Di, 14. August 2018

Interview

25.11.2017 13:45

Viel Lärm um ein großes Loch in Graz

Der Erfinder des Grazer "Bienenstock-Garagen"-Projekts, der Grazer Architekt Guido Strohecker, widerspricht im Interview Kritikern. Er will weniger Autos an der Oberfläche, einen neuen Joanneumring-Boulevard, das Areal am Eisernen Tor zu einem neuen Platz gestalten und mehr Tempo von der Stadt Graz.

"Krone": Welche Funktion haben Sie eigentlich in Sachen "Bienenstock-Garage" (Anmerkung: die vollautomatischen Tiefgaragen unter dem Eisernen Tor und dem Opernpavillon)?

Guido Strohecker: Zuerst war meine Idee da, dann kam ein Investor.

Wer ist dieser Investor?

Der zeigt sich, wenn die Projekte abgesichert sind. Es sind keine Ukrainer oder mafiösen Investoren wie manche behaupten. Es ist eine seriöse steirische Firma. Ich bin erstaunt, wie eine Tiefgarage polarisiert und wie viel Lärm um ein Loch gemacht wird.

Gibt es nicht schon genug Tiefgaragen in Graz? Die Operngarage zum Beispiel ist offenbar nicht ausgelastet.

Das stimmt nicht. Die Operngarage ist gut voll mit vielen Fixparkern. Unsere Parkidee ist, das man nicht Schleife um Schleife nach unten fahren muss. Eine normale Tiefgarage mit 600 Stellplätzen produziert jährlich durch Zu-, Ab- und Suchfahrten zumindest 90 Tonnen CO2. Das entfällt bei unserem automatischen System völlig.

Kritiker sind überzeugt, dass Ihre beiden Tiefgaragen noch mehr Autoverkehr in die Stadt locken würden…

Das kann man lange diskutieren. Wir wollen Vorreiter sein bei der E-Mobility. Wir haben bewusst ein Grazer Start-Up an Bord geholt, NRG-X, das autonomes Laden für E-Autos macht. E-Autos haben dann Relevanz wenn ich viele Ladestationen habe. Wir wollen mit der Garage auch eine zentrale Ladestation für E-Autos umsetzen. Ein E-Auto verursacht keinen Feinstaub.

Naja, die Erzeugung der Batterien zum Beispiel ist alles andere als sauber.

Ja schon, aber nicht in der Grazer City.

Kritiker sagen auch, der Joanneumring könnte nur mehr zweispurig geführt werden.

Da wurde sogar gesagt, es ginge nur mehr einspurig. Das stimmt beides nicht, der Ring bliebe dreispurig. Nur die Bushaltestelle vor dem Operncafé müsste um 150 Meter versetzt werden. Vor dem Café wäre dann die Verzögerungsspur für die Zufahrt zur Garage unter dem Brunnen. Auf der anderen Seite würden vor dem Opernpavillon sieben bis zehn Parkplätze wegfallen für die Verzögerungsspur für die andere Tiefgarage.

Was würde mit dem Spielplatz am Brunnen passieren?

Das ist jetzt ist ein Spielplatz-Ghetto. Der Spielplatz käme in den kleinen Park neben dem Pavillon. Der könnte seinen Gastgarten behalten. Der Radweg auf dem Eisernen Tor würde ein wenig nach rechts versetzt. Damit entstünde ein echter neuer Platz. Das sind natürlich alles Kosten für die Stadt, aber Investitionen in die Zukunft. Für den Bau der Garagen verwenden wir kein öffentliches Geld.

Nach Ihrem Konzept würden auch die Parkplätze auf dem Joanneumring wegfallen.

Bis zum Wein & Co., aber nicht nur das. Wir schlagen vor, dass der ganze Bereich Schmiedgasse und Kaiserfeldgasse eine verkehrsberuhigte Zone wird - bis zum Entfall der dortigen Parkplätze. Die Joanneumring-Allee könnte zu einem echten Boulevard werden, mit einem Radweg, Platz für Bänke usw. Diese Straße kann anfangen zu leben.

Wo würden dann die Anrainer parken?

In der Tiefgarage. Die Anrainer müssen jetzt ja auch für ihre Parkplätze zahlen, Wir wollen ein günstigen Anrainertarif.

Wie teuer wird das Parken eigentlich?

Wir werden marktübliche Preise verlangen.

Parken wird nur per App möglich sein. Wenn es technische Probleme gibt, kann ich mir mein Auto dann nur mehr durch den Glasboden im Brunnen ansehen?

Wir werden Notstromaggregate haben, es wird auch Personal vor Ort da sein. Zusätzlich gibt es Fernwartung. Unser Liftsystem ist erprobt, etwa im neuen Porsche-Tower in Miami.

Bis wann wird das Projekt denn umgesetzt?

Rasch, meine ich. Die Politik muss uns das Baurecht geben, dann investieren wir in weitere Planung.

Sonst stirbt das Projekt?

An diesem Standort, aber wir haben sieben andere.

In Graz?

Auch, wir haben Anfragen global, Shanghai und Tokyo sind ein Thema. Wir müssen diese Tiefgarage nicht unbedingt in Graz machen. In Graz wäre ein anderer möglicher Standort der Felix-Dahn-Platz. Es gibt viele österreichische Gemeinden, die sich für unser System interessieren.

Interview: Gerald Richter

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