Di, 14. August 2018

Aufräumarbeiten

21.11.2017 16:33

Drei Monate nach den Riesenmuren in Großarl

Über die letzten Spuren der Verwüstung durch die Muren Anfang August in Großarl hat jetzt der Schnee seine weiße Decke gelegt. 1,6 Millionen Euro Schaden richteten die Schlammmassen an. Zwei Betroffene erzählten der "Krone" über ihre 108 Tage seither. Die beste Nachricht: Der Schiedgraben wird jetzt verbaut!

Liebevoll füttert Sepp Viehhauser seine 87-jährige Mutter, sie ist ein Pflegefall. Als Anfang August die Mure aus dem Schiedgraben auf ihr Haus zuschoss, rettete Sepp seiner Mutter das Leben, riss sie im letzten Augenblick aus ihrem Pflegebett und rannte. "Diese Wucht kann sich niemand vorstellen, ich träume heute noch davon", erzählt der Polizist der "Krone".

1,6 Millionen Euro Schaden in Großarl
Jetzt wohnen Mutter und Sohn im oberen Stockwerk des Hauses, unten sind die Handwerker gerade dabei, die Fußbodenheizung zu verlegen. Bis Weihnachten wird nicht alles fertig werden, aber fast. 170.000 Euro Schaden richtete das Hochwasser alleine bei den Viehhausers an, "das könnten wir niemals alles selbst bezahlen", betont der Großarler und fügt hinzu: "Einen kleinen Teil hat die Versicherung übernommen, das reichte bei weitem nicht."

"Ein gutes Beispiel, wie und wo der Katastrophenfonds hilft", betonte Landesrat Sepp Schwaiger als er am Dienstag Betroffene besuchte. "Das größte Glück war, dass keine Personen verletzt wurden, aber natürlich geht es um Existenzen ganzer Familien", weiß Schwaiger. 95 Fälle wurden aus dem Tal nach den Murenabgängen gemeldet, der Gesamtschaden beträgt 1,6 Millionen Euro. Davon flossen 700.000 Euro in Sofortmaßnahmen wie das Ausbaggern der Gräben und Sperren, um für noch mehr Regen gerüstet zu sein. Seit kurzem steht fest: "Der Schiedgraben wird jetzt besser verbaut, um zirka 3,5 Millionen Euro", verriet Leonhard Krimpelstätter von der Wildbach- und Lawinenverbauung der "Krone". Und auch die Festspiele mit Präsidentin Helga Rabl-Stadler werden für die Viehhausers spenden, damit wenigstens die finanziellen Sorgen vom Tisch sind.

Das Geld tut gut, aber Rückendeckung auch
Mit zirka 30.000 Euro wird der Katastrophenfonds auch der Familie von Paul Hettegger vom Unterharbachhof helfen. "Bei uns hat sich eine Mure kurz vor dem dritten Schnitt über die Wiesen ergossen, der Schlamm stand teilweise einen Meter hoch. Aber wir hatten Glück, denn Haus und Stall blieben verschont - und wir auch", sagt Hettegger als er der "Krone" die Fotos vom Katastrophenwochenende zeigt. Das Geld hilft, so der Landwirt, aber betont gleichzeitig: "Dass sofort jemand da war und wir spürten, uns wird der Rücken gestärkt, das war fast noch wichtiger." Das bestätigt auch der Großarler Bürgermeister Johann Rohrmoser: "Die Hilfe war schnell da, wo sie gebracht wurde."

Melanie Hutter, Kronen Zeitung

"Es geht nicht nur um das Geld" - Egon Leitner ist der Koordinator des Katas-trophenfonds des Landes Salzburg. Im Notfall geht es nicht nur um das Monetäre, wie er betont.

Ist es eigentlich unkompliziert im Katastrophenfall zu Geld zu kommen?
Die Gemeinden spielen eine wesentliche Rolle, über die stellt man den Antrag. Das soll auch so bleiben, denn der Bürgermeister und so weiter kennen die Leute, den Ort, wissen genau, wer was braucht.

Es kommt immer wieder das Argument, dass die Kosten die Versicherungen übernehmen sollen.
Das sehe ich ein wenig anders. Natürlich sollten sie ihren Teil übernehmen, aber passiert eine Naturkatastrophe wie hier in Großarl, geht es um sehr schnelle Hilfe. Die Gräben und Sperren müssen ausgebaggert werden, viele haben Angst, wenn es weiter regnet. Daher sind in die Sofortmaßnahmen alleine hier im Sommer zirka 700.000 Euro geflossen.

Wie viel Geld hat Salzburg denn für solche Fälle?
Durchschnittlich sind es drei Millionen Euro vom Land plus vier Millionen vom Bund pro Jahr. Heuer sind es exakt 621 Schadensfälle, 5,9 Millionen Euro fließen in Sofortmaßnahmen. Das wurde am Dienstag beschlossen.

Gibt es da auch Probleme mit Neid? Der eine bekommt das, ich nicht...
Das versuchen wir in Zusammenarbeit mit den Gemeinden zu vermeiden. Zum Beispiel waren beim Hochwasser heuer im Sommer 40 Bagger im Einsatz. Das muss koordiniert werden. Vor den Arbeitern, die sich da reinhauen, oft in der Gefahrenstelle baggern müssen, ziehe ich ohnehin meinen Hut. Und, was ich auch immer wieder feststelle: Es geht nicht immer nur ums Geld. Den Menschen ist es wichtig zu wissen, da ist jemand, kümmert sich.

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