Bloggerin der Woche

"Die virtuelle Welt ist wie eine Droge"

Birgit (35) ist ein typisches "Wienermädl" und so nennt sie auch ihren Blog. Seit geraumer Zeit erfreut sie sich daran, ihr Leben und ihre täglichen Gedanken mit ihren Followern zu teilen. Anders als die meisten Fitness-, Beauty- und sonstigen Blogger hat sie keinen fixen Fokus auf ein Thema, sondern konzentriert sich darauf, weg von der breiten Masse zu gehen. Gekaufte Klicks und das Suchtpotenzial des Internets sind für Birgit kritische Themen. City4U bat sie zum Interview:

#1. Wann und warum hast du zu bloggen begonnen?

Mein Instagram Profil @_wienermaedl_, auf dem der Hauptaugenmerk liegt, habe ich vor knapp zwei Jahren gestartet. Meinen Blog auf www.wienermaedl.at vor rund einem Jahr. Der Anlass zu beidem war wohl die Leidenschaft für das Fotografieren und etwas später dann mit meiner beruflichen Veränderung Ende 2016 meine Idee, auch mit Text andere zu bewegen, ihren Weg zu finden, sich zu trauen, eine neue Richtung einzuschlagen und den Fokus weg zu richten von der breiten Masse hin zum wahren Glück, das jeder von uns in sich selbst trägt. Mein Lebensabschnitt, den ich dieses Jahr beschritten habe, hat mich dazu veranlasst, auch anderen Mut zu machen, sich mit Themen wie Loslassen, Ängste bewältigen und frei zu sein zu beschäftigen. Ich schreibe nicht über spezielle Themen, mein Kernpunkt liegt auf allem, das glücklich macht und dabei hilft, zu sich selbst zu finden.


#2. Welchen Service kann ein Blogger seinen Lesern bieten, den andere Medien nicht bieten können?

Eindeutig Ehrlichkeit. Journalisten sind wohl ein Stück weit gebunden an gewisse Regeln, die eingehalten werden müssen, wenn sie für oder über ihren jeweiligen Auftraggeber schreiben. Blogger haben hier freie Bahn und damit auch die Möglichkeit, authentisch und persönlich über all das zu schreiben, worüber manch andere vielleicht eher schweigen.

#3. Was war dein größter Fehler in Bezug auf das Bloggen und was hast du daraus gelernt?

Mein größter Fehler war, mich ein Stück zu sehr in dieser Welt zu verlieren. Es gab und gibt auch ab und an heute noch Momente, wo ich mich selbst an der Nase nehmen muss und mir sagen muss: "Birgit, back to real life!" Am Ende des Tages ist diese virtuelle Welt wie eine kleine Droge, deren Dosis nur wir selbst steuern können. Und das wahre Leben spielt sich nun einmal nur ausserhalb dieser Welt ab - mit all seinen schönen Seiten, die oft zu kurz kommen oder nicht wahrgenommen werden, weil unsere Gesellschaft immer mehr Suchtpotential in diese Richtung entwickelt. Der gesunde Mittelweg ist hier wohl bei jedem von uns gefragt :-).

#4. Erzähl uns über deinen stolzesten Blog- Moment?

Mein stolzester Blog-Moment war vor ein paar Monaten, als ich knapp vor den 10.000 Followern auf Instagram angelangt war. Das war damals schon so ein kleines Highlight für mich, gerade deshalb, weil ich keine professionellen Bilder mache und mich auf keine speziellen Themen beim Texten beziehe. Das hat mich mit Stolz und Freude erfüllt, so viele Menschen damit berühren zu können und so schönes Feedback dafür zu erhalten. Und mich natürlich auch motiviert weiterzumachen.

#5. Was frustriert dich am meisten am Bloggen?

Dass ich - wenn mein Gefühl mir sagt: "Birgit, das ist wieder ein perfekter Moment für ein Bild!" und daraufhin in der Sekunde gedanklich ein Text schießt, der dazu passt - dieses Foto machen muss. Komme wer oder was in dem Augenblick wolle :-). Die Situationen sind dann nicht immer die passendsten. Ob das nun beim Brunch mit Freunden ist oder mit der Familie, wo ich aufstehe und rauslaufe oder mich quer über den Tisch hänge, um das abzulichten, was mein Kopf und mein Herz sich gerade einbilden :-).

Frustrierend ist aber vor allem, dass viele gestellte Situationen bringen, ihre Welt schöner darstellen, als sie ist, nur um Interesse zu wecken. Ich denke, gerade für die jüngere Generation ist das insofern ein Thema, als dass sie etwas nacheifern oder eine Idealvorstellung entwicklen, die sie vergessen lässt, wie besonders sie schon ist. Ich würde mir manchmal beim durchzappen mehr real life und weniger Show wünschen.

Und nicht zu vergessen die Tatsache, dass man heutzutage um Geld Follower und Likes erkaufen kann. Was natürlich die Aufmerksamkeit auf die Blogger schmälert, die das nicht tun und sich selbst treu bleiben.

#6. Was und wie möchtest du im nächsten Jahr verbessern und was erwartest du dir in Zukunft von deinem Blog?

Aus jetziger Sicht bin ich sehr zufrieden und mache das, was ich tue, gerne und mit viel Leidenschaft und Herz dahinter. Es gibt kein bestimmtes Ziel, das ich vor Augen habe, weil ich nicht möchte, dass meine Passion in etwas stark zwanghaftes kippt. Das Bloggen ist nicht mein Job, es ist mein Hobby. Und das soll weiterhin Spass machen.

#7. Verdienst du bereits Geld über deinen Blog und wie genau funktioniert das?

Ich handhabe das in der Regel so, dass ich mit den meisten Unternehmen Kooperationen eingehe. Das sieht so aus, dass ich Produkte zum Testen bekomme und diese dann mit Bild und Text dazu in einem Beitrag bringe. Das mache ich auch nur mit Firmen, von denen ich wirklich überzeugt bin und wo ich dahinter stehe. Im Grunde sind das Unternehmen, die meine Philosophie wiederspiegeln: Kleine, oder auch größere, die das, was sie herstellen oder erzeugen, mit Leidenschaft machen. Mein Fokus liegt beim Bloggen derzeit also nicht am Geld verdienen.

#8. Was waren die grundlegendsten Veränderungen in deinem Leben seitdem du bloggst?

Ich habe Ende 2016 meinen Job aufgegeben, der mich die letzten 16 Jahre begleitet hat. Um eben genau das zu machen und dem nachzugehen, was mich erfüllt. Weg von "was erwarten andere, hätte, könnte, wäre, würde….". Raus aus dem Käfig, den wir uns aus Ängsten oft selbst auferlegen.

Verbessert hat sich das Fotografieren. Ich brauche keine zehn Anläufe mehr, um ein Bild zu machen, mit dem ich zufrieden bin. Das klappt mittlerweile meist schon auf den ersten Versuch.

#9. Was war deine größte Errungenschaft außerhalb des Bloggens?

Dass ich mich dazu entschieden habe, Veränderung zuzulassen, um meinen eigenen Weg zu gehen. Einen vielleicht anfangs steinigen und schweren, aber am Ende des Tages sehr erfüllenden, mich stark machenden und mich angekommen fühlenden. Und, dass ich immer mehr gelernt habe, mir mein eigener bester Freund zu sein :-).

#10. Was würdest du jemanden raten, der auch einen Blog starten möchte?

Oberste Priorität: Sei du selbst und vergleiche dich nicht. Jeder von uns ist einzigartig und jeder hat seine Besonderheiten, die kein anderer auf diese Art und Weise bringen kann. Es macht keinen Sinn, anderen hinterher zu eifern. Es ist weit erfüllender, in sich selbst reinzuhören und herauszuholen, was nur darauf wartet, durchstarten zu dürfen. Ich bin wohl eines der kleinen Beispiele in der großen weiten Bloggerwelt, das sich in der Art von der Masse abhebt, dass ich immer mein Ding gemacht habe. Keinen speziellen Fokus auf Beauty oder Lifestyle, einfach Texte und Bilder aus meinem Leben. Die Menschen sind gerade in der heutigen Zeit auf der Suche nach Lesestoff, der ihnen aus der Seele spricht.

Authentisch, persönlich und mit Herz dahinter. Und: alles braucht seine Zeit. Auf Druck klappt nichts. Deshalb einfach entspannt beginnen, und die Welt mit der eigenen Besonderheit verzaubern. Das reicht eigentlich schon :-)

Name: Birgit Obrowsky
Alter: 35
Beruf / Studium (während dem Bloggen): ehemalige Bankangestellte/ neu: Sales Management
Blogs, denen ich folge: kunterbunt und quer durch - alle die, die sich etwas abheben und über Leidenschaft und mit Herz berichten.
Lieblingsort in Wien: ein bisschen ausserhalb aber fast Wien - die Perchtoldsdorfer Heide. Mein persönlicher Kraftplatz.
Nächstes Reiseziel: steht noch in den Sternen :-)

Vanessa Licht
Vanessa Licht

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mehr