Fr, 16. November 2018

"Krone"-Interview

24.11.2017 17:00

Stu Hamm: "Ich erreiche immer noch viele Menschen"

Er spielt seit mehr als vier Dekaden Bass und hat die Slapping- und Tapping-Technik auf seinem Instrument revolutioniert. Es gibt kaum einen jungen Rock- oder Jazzbassisten, der sich nicht auf den US-Amerikaner Stu Hamm beruft. In seiner langen Karriere spielte er u.a. mit Steve Vai oder Joe Satriani zusammen. Unlängst war der 57-Jährige für ein Konzert im Wiener Reigen zu Gast und stand uns bereitwillig Rede und Antwort.

Schon in seiner Kindheit begann Stuart Hamm, Bass und Klavier zu spielen - einige Jahre später war er bereits Student am renommierten Berklee College of Music in Boston, wo er auf die legendären Gitarrenhelden Steve Vai und Joe Satriani traf. Der Rest ist, wenn man so will, Geschichte, denn Stu Hamm entwickelte sich ab Mitte der 80er-Jahre zu einem der besten Rockbassisten der Welt und hat auch mit Richie Kotzen, Eric Johnson und Frank Gambale gespielt. Nicht zu vergessen seine zahlreichen Soloalben, Bass-Lehrvideos, YouTube-Erfolge oder einen Kurzauftritt mit Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger. Im Zuge seiner "Greatest Hits"-Tour kreuzte Hamm unlängst auch durch Österreich. Bei einem Glas Rotwein verriet er uns im Interview, wie sehr in die österreichische Klassik inspiriert hat, warum Bassisten Teamplayer sind und weshalb es okay ist, in einem Weihnachtskostüm Geld zu verdienen.

"Krone": Stu, gerade in den deutschsprachigen Ländern hast du eine große und treue Fanbase. Merkst du hier Unterschiede zum Publikum im Gegensatz zu etwa Italien oder Spanien?
Stu Hamm: Das ist schwer zu sagen. Jedenfalls gibt es in Europa einen größeren Markt für Musik wie meine als in den USA, deshalb kommen wir gerne zurück. In Italien warten vielleicht nicht Tausende auf mich, aber trotzdem habe ich treue Anhänger. Ich liebe es, alle Jahre auf und ab zu touren, unterschiedliche Musiker zu engagieren und damit alles frisch und interessant zu halten.

Mit Chris Blundell von Steven Wilson an den Drums und dem jungen Gitarristen Jack Gardiner bist derzeit mit zwei Briten unterwegs…
Das ist furchtbar - außerdem ist unser Fahrer Tscheche, also bin ich der einzige Amerikaner auf Tour. Das habe ich wirklich schlecht geplant, ich fühle mich so einsam. (lacht)

Ich nehme einmal an, dass in dieser Runde die unterschiedlichsten Witze gegen die diversen Nationalitäten die Runde machen.
Ich verstehe sowieso kein einziges Wort von denen. Jack hat einen Süd-Liverpool-Dialekt, vergiss es. Chris redet wenigstens schönes Schulenglisch und der Fahrer hat einen Slang, der manchmal schmerzt. Aber ich spreche ein klein wenig Deutsch - was mir hier natürlich auch nichts hilft. (lacht)

Kommen wir zur Musik zurück. Warum funktioniert dein Sound deiner Meinung nach in Europa so viel besser als in den USA?
Ich habe keine Ahnung. Es gibt schon einen Markt in den USA, aber dort gibt es einfach von allem so viel mehr. In Deutschland oder auch Österreich gibt es noch Städte und Ecken, wo es ein Kulturbudget für Kunst wie den Blues gibt. Mit unserem derzeitigen Präsidenten ist die Kunst- und Kulturförderung in den USA zum Beispiel nicht einmal der Ansatz eines Themas. Die ganze Musikindustrie von Musiker bis hin zu denen, die Instrumente verkaufen, hat sich total verändert. Der Weg, wie wir früher unseren Lebensunterhalt bestreiten konnten, ist nahezu verschwunden. Wir machen einfach weiter, weil wir die Musik lieben, aber sinnvoll ist es nicht immer.

Bist du jemand, der, wenn er durch Europa fährt, die Inspirationen bestimmter Orte oder Städte so einatmet, dass er dadurch zum Songwriting getrieben wird?
Auf jeden Fall. Mein nächstes Album wird ein Solo-Basswerk und das dreht sich eigentlich nur um die Orte, an denen ich immer bin und die mich inspirieren. Touren ist harte Arbeit, aber sie bringt die Menschen zusammen. Wir waren unlängst das erste Mal in Budapest und die Leute sind regelrecht ausgezuckt. Ich bin froh, dass ich nicht 20-25 Jahre früher dort war, denn das wäre ein Problem gewesen. Als ehemaliger Geschichtsstudent kenne ich mich sehr gut mit Orten aus und habe schon viele davon besucht, insofern versuche ich immer etwas Zeit für Sightseeing zu haben oder meine Erfahrungen aufzufrischen.

Siehst du dich in deiner Rolle als Musiker etwa als eine Art Botschafter für Gemeinschaftlichkeit?
Das wäre wohl etwas anmaßend, aber was weiß ich schon. Es ist jedenfalls sehr wichtig, dass die Kommunikation zwischen meiner Musik und dem Publikum stimmt. In Budapest spielten wir in so einem vielseitigen Kellerclub, wo Leute in anderen Räumen Drogen nahmen und auch EDM-Dancemusik gespielt wurde. Da war ein älteres Paar, das mich nicht kannte, die Musik von außen hörte und dadurch reinkam und blieb. Das ist das Schöne an meiner Kunst, dass ich noch immer Menschen erreichen kann. Und ich hoffe, dass ich nicht langweilig oder überheblich wirke.

Als Konzertbesucher will man für gewisse Zeit auch die harsche Realität des Alltags ausblenden. Gelingt dir das, wenn du auf der Bühne stehst und in deinem Sound versinkst?
Natürlich, denn der Rest des Tages ist sehr hart. Du schläfst wenig, fährst herum, musst selbst dein Equipment aus- und einladen und außerdem mache ich auch die komplette Papierarbeit und Korrespondenz. Die eineinhalb Stunden auf der Bühne gehören nur der Musik und deshalb mache ich all das immer noch.

Fällt es dir mitten in deinen 50ern heute schwerer, diese Art von nomadenhaften Lebensstil zu führen, im Vergleich zu früher?
Es ist, wie es ist. (lacht) Ich kann mir das auch nicht aussuchen, es ist einfach die Realität meines Lebens. Man verkauft heute keine Alben mehr und muss dadurch immer unterwegs sein. C'est la vie.

Du bist ein sehr vielseitiger Bassist, der in der Musik keine Grenzen kennt. Lässt du dich auch von legendären klassischen Komponisten inspirieren, wie es sie etwa in Wien und Österreich gab?
Natürlich. Wagner ist da ganz vorne dabei, aber auch jemand wie der Amerikaner John Cage, mit dem mein Vater sehr gut befreundet war. Ich bin mit sehr viel kompositorischer Musik aufgewachsen, auch Mozart wurde immer wieder bei uns zuhause gespielt. Mein ewiger Favorit ist der kanadische Pianist Glenn Gould, der vor allem für seine Bach-Aufnahmen bekannt ist.

Siehst du dich selbst als Perfektionisten?
Nicht, wenn es um mein eigenes Spiel geht, da bin ich eigentlich ziemlich schlampig. (lacht) Es gibt Abende, da kann ich schon sehr präzise und genau arbeiten, aber ich versuche prinzipiell immer Risiken einzugehen und so zu improvisieren, wie ich es nie zuvor gemacht habe. Fehler zu machen ist für mich auch absolut okay und natürlich will ich mich in erster Linie selbst herausfordern.

Du hast über all die Jahre mit legendären Gitarristen wie Steve Vai, Joe Satriani oder Eric Johnson zusammengearbeitet. Was hast du von diesen Kooperationen mitgenommen?
Jeder hat durch seine Auffassung von der Musik einen Einfluss auf dich. Wenn ich zurückschaue, habe ich wohl viele meiner Alben dem Sound von Satriani angepasst, weil er Erfolg damit hatte. Ich will gar nicht verleugnen, dass wir alle versuchen, Geld zu verdienen, aber irgendwann erreichst du eine Phase im Leben, wo dir alles egal wird. Heute kreiere ich die Musik, die mich zufriedenstellt und damit wohl hoffentlich auch das Publikum. Jeder meiner musikalischen Partner hat mich nachhaltig verändert und natürlich sind sie alle absolute Größen in ihrem Metier.

Mit wem hattest du aus welchen Gründen die beste musikalische Beziehung?
Ich habe sehr oft und gut mit Alex Skolnick zusammengearbeitet. Wir werden ein Album zusammen aufnehmen und auch wieder touren und er war rund um 1990 herum mein originaler Gitarrist auf der "Stu Hamm Urge Tour". Er wurde dann immer mehr zu einem Jazz- und später noch Thrash-Metal-Gitarrist in seiner Band Testament. Über die Jahre haben wir uns aber immer wieder getroffen und wurden enge Freunde. Er ist wohl mein Lieblingspartner.

Gibt es auch Musiker, mit denen es einfach geklickt hat, weil im Zusammenspiel etwas Magisches, Unerklärbares passierte?
Absolut, das ist das Allerschönste in der Musik, wenn es so klappt. Jeder Musiker kann meinen Songs auf Tour eine Note hinzufügen, wie es sie ein anderer nicht zu schaffen vermag. Wenn ich jemanden für eine Tour engagiere, dann will ich diese Einzigartigkeit hören und keine perfekte Maschine. Jack Gardiner etwa ist großartig, weil er nicht nur die Vai-, Johnson- oder Satriani-Songs spielen kann, sondern auch seine eigene Note einbringt. Er ist verdammt jung, hat sich das Wissen dieser Größen aber trotzdem schon sehr früh angeeignet. Er ist ein Teamplayer, der gerne mit der Band spielt und nicht unbedingt mit Solos herausstechen muss - für mich ist er der künftige Gitarrenhero in der Szene.

Gitarristen wird gemeinhin ein unglaubliches großes Ego nachgesagt. Wie schlecht sind deine Erfahrungen diesbezüglich?
Das stimmt natürlich. (lacht) Ich sage es so - wenn ich von jemanden engagiert werde, dann ist es nicht meine Aufgabe seine Management-Fähigkeiten oder sein Spiel zu kritisieren. Dann bin ich da, um den Bass zu spielen. Engagiere ich jemanden, dann tue ich das wegen seiner Fähigkeiten und nicht deshalb, weil er ein großes Ego hat.

Haben die Musiker, die du für die Touren engagierst, die Möglichkeit, aktiv ihre Ideen in deinen Sound einzubringen?
Natürlich, nur darum geht es. Steve Vai und Joe Satriani spielen jede Nacht immer ziemlich gleich, bei Joe klingen sogar die Soli allabendlich exakt gleich. Da ist null Unterschied zur Albumaufnahme. (lacht) Ich schreibe Songs, die mehr Schablonen gleichen. Meine Version von "Going To California" habe ich mit den unterschiedlichsten Gitarristen von Greg Howe bis hin zu Peter Chambers gespielt. Dadurch klingt der Song jedes Mal total anders und genau das mag ich und macht die Sache immer spannend. Auch die Reaktionen unterscheiden sich, was eine natürliche menschliche Emotion ist. Ich würde mich langweilen, würde ich ein und denselben Song in derselben Art und Weise immer wieder spielen.

Der originale Unterbau jeder Komposition muss aber gesichert sein. Du spielst aber nicht die Bob-Dylan-Variante, dessen Hits man auf Konzerten oft nicht einmal mehr erkennt?
(lacht) Man muss es nicht übertreiben.

Zu deiner Karriere zählen noch ganz andere Highlights. Etwa dass du den Song "Do Right Woman" mit Joan Baez gespielt hast oder mit Mick Jagger in der ehrwürdigen Royal Albert Hall aufgetreten bist…
Mick Jagger kam auf die Bühne und sang mit uns schlussendlich einen Song. Es wäre irgendwie vermessen das so zu verkaufen, als hätte ich mit ihm gespielt. (lacht) Mit Joan hatte ich eine sehr großartige Zeit. Ich habe in meiner Karriere so viele seltsame Dinge gemacht. Etwa vor ein paar Jahren in San Francisco so eine Art Cirque-du-Soleil-mäßige Zirkusshow. Ich schrieb dafür Musik, sie war da und dann arbeiteten wir an einem Album. Ich habe mit Joan Baez also an einem Aretha-Franklin-Song gearbeitet. Es gab über die Jahre viele unerwartete Dinge in meiner Karriere.

Was waren die seltsamsten Dinge, an die du dich aktiv erinnerst?
Ich bereue gar nichts (zeigt sein Tattoo, auf dem "No Regerts" [sic!] steht). Das Leben ist zu kurz, um Entscheidungen zu bereuen oder überhaupt in die Vergangenheit zurückzublicken. Das bremst einen nur ein. Alle zwei Jahre mache ich etwas total Irres, aber das gehört zu meiner Reise als Musiker dazu. Und ich kann es kaum erwarten zu sehen, was als nächstes passiert.

Gibt es bestimmte Musiker, die noch auf deiner Bucket List stehen? Mit denen du unbedingt einmal zusammenarbeiten möchtest?
"Wollen" ist für mich ein seltsames Wort. Man kann sich viel überlegen und planen, aber man muss die Dinge schon fest angehen, sonst wird das nie was. Als nächstes stehen eben das Soloalbum an und das gemeinsame mit Alex Skolnick. Es wird eine ziemlich Ambient-lastige Platte werden, die die Meinungen der Menschen garantiert spalten wird. Aber was auch immer passiert, ich muss ohnehin das tun, wohin mich meine Kreativität führt.

Was ist dir eigentlich lieber - als Quasi-Solokünstler wie auf dieser Tour im Rampenlicht zu stehen, oder im Hintergrund der zuvor genannten Gitarrenzauberer für den Rhythmus zu sorgen?
Ich brauche tatsächlich gleichberechtigt beide Welten, denn würde mir eine fehlen, wäre ich gelangweilt. Ich spiele auch Jazz-Gigs und im Dezember toure ich mit Dan Brown an der Gitarre. Am Montag spiele ich also mit ihm diesen Gig in Oakland und einen Tag später streife ich mir einen Weihnachtsanzug über, um für Freunde in der Lobby eines Bürogebäudes zu spielen. Wir spielen eben auch solche Gigs, weil sich damit Geld verdienen lässt. Am Ende ist alles Musik - es geht darum, so viel Musik wie möglich zu spielen.

Du hast dich in den unterschiedlichsten Genres von Country über Rock bis hin zu Blues, Jazz oder dem klassischen Bereich probiert. Gibt es eine Richtung, die du aus bestimmten Gründen bevorzugst?
Das ist schwer zu sagen. Die Breite interessiert mich, ich brauche einfach die unterschiedlichsten Elemente. Das ist genauso wie mit Solo oder in der Band spielen - das muss sich die Waage halten. Gleichförmigkeit langweilt mich ziemlich schnell.

Bist du der Meinung, dass Bassisten die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen?
Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Der Bass wurde in dem Sinne vor 58 Jahren erfunden und ich spiele ihn nun seit 44 davon. Als ich damit begann, haben vielleicht weltweit zwei Menschen die Slapping-Technik verwendet und niemand tappte. Niemand spielte damals harmonische Akkorde. Dann kamen aber Leute wie Jaco Pistorius oder Billy Sheehan, die die Welt der Bassisten mit ihren Techniken revolutionierten. Heute lernt man immer noch von diesen Größen, weil sie bahnbrechend vorgingen. Das Problem ist aber, dass viele Kids heute ihre Techniken auf achtsaitigen Bassgitarren lernen. Jemand wie Lee Sklar brauchte aber kein Rampenlicht. Die Rolle der Bassisten ist im Hintergrund zu agieren und den Song zusammenzuhalten.

Du warst ja vor mehr als 40 Jahren auch eine Art Erfinder verschiedenster Bass-Stile.
Möglicherweise. Ich war da, als das meiste passierte, das stimmt auf jeden Fall.

Wie viel Zeit verwendest du heute noch täglich für das Bassspielen oder das Üben?
Ich habe alleine heute schon wieder eineinhalb Stunden geprobt. Wenn ich mit den Jungs zusammensitze, dann mache ich das gerne. Für mich ist das Bassspielen wie Meditation, es macht mich einfach glücklich, wenn ich Skalen spielen kann.

Nach welchen Kriterien entscheidest du auf Touren wie dieser, welche Songs du spielst?
Das kommt immer auf die Musiker an, die mit mir spielen und den Vibe, der gerade herrscht. Diese Tour heißt "Greatest Hits"-Tour und da ist schon viel von vornherein vorgegeben. Die meisten Menschen kennen mich von den großen Hits mit Vai und Satriani. Andere Touren stellen dann wieder das Jazzige, Verschrobene in den Vordergrund. Wie gesagt - es geht immer um die Abwechslung.

Du lehrst auch anderen Menschen, den Bass zu spielen.
Wenn ich in L.A. daheim bin, dann spiele ich viel mit jungen Leuten und ich habe schon eine große Zahl an Instruktionsvideos herausgebracht. Ich lerne jedenfalls selbst sehr viel dazu, wenn ich anderen das Bassspielen beibringe.

War es anfangs schwierig, in diese Rolle zu finden, da sie ja auch einen pädagogischen Auftrag hat?
Nicht wirklich. Ich bin Vater, insofern bin ich das gewohnt. Du kannst aber sowieso niemand irgendetwas lehren, wenn man es so sehen will. Du kannst nur Hinweise geben und ihn in die korrekte Richtung schubsen. Der einzige Weg wirklich besser zu werden, ist zu üben. Du brauchst Geduld, musst alles immer wiederholen und darfst nicht versuchen, krampfhaft die Zeit überholen zu wollen. Junge Menschen brauchen Spaß an der Sache, du kannst sie nicht mit Theorie und Übungseinheiten zuschütten. Um dauerhaft üben und Geduld zeigen zu können, musst du ihnen auch Spaß anbieten, sonst verlieren sie die Lust daran.

Wie ist eigentlich das Zusammenspiel mit anderen Bassisten?
Bassisten sind gemeinhin wirklich entspannte, coole Typen. Wir sind immer wieder in Bass-Camps und dort kommt der Spaß nie zu kurz. Die Leute sind nicht auf Konfrontation und Wettbewerb aus, auch wenn es natürlich ein paar Arschlöcher gibt. Aber wenn du so viele Gitarristen oder Drummer zusammenwerfen würdest, dann ginge es nur darum, wer besser ist und warum. Bassisten sind zu einem großen Teil geborene Teamplayer, die lieber gemeinschaftlich nach einer Lösung suchen.

Mit "The Greatest Bass Solo Ever" hast du einen veritablen Erfolg auf YouTube gelandet. Wie kam es dazu?
(lacht) Ich habe keine Ahnung. Ich wünschte, ich hätte es gepostet und würde jetzt die Kohle für acht Millionen Klicks einstreifen. Ich habe das Tapping am Bass nicht erfunden, aber zu der Zeit waren Leute wie Billy Sheehan oder Eddie Van Halen, die diese Technik forcierten und perfektionierten. Das Eigenartige ist eben, dass die jungen Leute solche Dinge heute als erste Erfahrung beim Bassspielen haben. Meine erste Erfahrung war, aufrecht stehend im Hintergrund einer Jazzband zu dienen. Das ist die Grundessenz des Bass, die Akkorde zu umgreifen.

Billy Sheehan benutzt zum Bassspielen gerne einen Akkuschrauber, die kanadische Metalband Anvil greift schon mal auf Dildos zurück. Was hältst du von dieser Art von Verstärkung für das Instrument?
Das ist nicht mein Ding, aber jeder soll das tun, was er für richtig hält. Es gibt so viele Arten von Musik und Instrumentenbeherrschung, sodass für jeden etwas dabei ist. Kennst du Gwar? Ich könnte mir niemals vorstellen, Make-Up aufzulegen oder mich in solche Horrorkostüme zu schmeißen. Ich bin einfach ich und mein Entertainment bin ich selbst.

Aber du trägst doch immerhin den Weihnachtsanzug.
(lacht) Absolut. Der Punkt ist aber, dass ich kein Snob bin und niemanden sagen würde, was er zu mögen hat und was nicht. Ich bin keiner von denen, die eine gute Jazzband für wertvoller halten als jemand, der von mir aus Melodic-Orchestral-Death-Metal spielt. (lacht) Dieses Wettbewerbsdenken liegt mir fern, denn solange es ein Publikum für diese und jene Art von Musik gibt, solange ist sie auf jeden Fall gerechtfertigt.

Siehst du bei jungen Musikern, die du unter deine Fittiche nimmst, denselben Enthusiasmus, den du früher hattest?
Ich habe ein paar Studenten, die sich wirklich hervorragend entwickeln und denen ich eine große Karriere prophezeie. Die Jungen brauchen Zeit und Vertrauen. Das ist etwas, was wir Älteren gerne übersehen.

Zum Abschluss - was ist der schlechteste Witz über Bassisten, den du je gehört hast?
A bass player walks into a bar - no, he didn't.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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