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Lockvogel zieht Bilanz: So untreu sind die Wiener

Der Partner schreibt auffällig viele SMS, kommt öfter spät nach Hause und hat keine vernünftige Begründung dafür. Diese Verhaltensweisen können ganz harmlos zu erklären sein, machen aber misstrauisch. Wenn die Angst groß ist, dass man von der oder dem Liebsten betrogen wird, engagiert man sie: Therese Kersten. Seit sieben Jahren arbeitet sie als Treuetesterin in Wien und hat schon so einiges erlebt und weiß, wie untreu die Wiener sind.

In unserer modernen Zeit, in der wir dank Smartphone und Internet immer sofort nachschlagen können, was wir gerade wissen wollen, ist es schwierig, wenn man in eine Situation kommt, die man nicht eindeutig und schnell für sich selbst klären kann. Noch schlimmer wird es, wenn es die Liebe betrifft. Wenn einem also schon seit Wochen ein schlechtes Bauchgefühl quält, dass irgendetwas nicht stimmt, ja man vielleicht sogar betrogen wird, ruft man Therese Kersten an. Sie und ihre Kollegen testen die Treue des Partners auf Herz und Nieren.

#Ältere Generation neigt mehr zu Seitensprüngen

"Ich arbeite seit sieben Jahren als Treuetesterin und konnte feststellen, dass immer mehr Menschen Gewissheit haben wollen, ob der Partner tatsächlich treu ist. Auch da wurde deutlich, dass eher die ältere Generation zu Seitensprüngen und zur Untreue neigt, als die jüngere", erzählt Therese Kersten im Gespräch mit City4U. Generell möchten mehr Frauen einen Treuetest durchführen lassen, aber auch die Anfragen der Männer werden mehr.

#Mehr untreue Wiener als Tiroler

So wie es einen Unterschied zwischen den Generationen gibt, gibt es auch einen bei Städtern und Menschen auf dem Land, weiß Kersten: "Generell würde ich schon sagen, dass man in der Großstadt eher mehr zur Untreue neigt. Das liegt daran, dass man da nicht so unter Beobachtung steht. Nach meinen Erfahrungen sind in Tirol zum Beispiel die Menschen eher treu. Dort kennt jeder den anderen und man hat nicht so viele Möglichkeiten."

#Spermaspuren und Vaterschaftstest

Das Alter der Auftraggeber variiert, sie sind zwischen 20 und 55 Jahre alt. Wie man die Treue testen möchte, bleibt den Kunden selbst überlassen. "Wir bieten verschiedene Varianten an, vom SMS-, Telefon-, Mail-, Chat-Test bis hin zu einem persönlichen Treffen. Je nach Kundenwunsch verfolgen wir hierbei ein unterschiedliches Ziel, wie den Austausch von Telefonnummern, Verabredung zu einem Date oder das Versenden von eindeutigen Nachrichten", erzählt Kersten. Dank den Fortschritten in der DNA-Forschung werden auch Spermaspuren- und Vaterschaftstests angeboten.

#Das Leid der Betrogenen

In ihrer Laufbahn hat die Treuetesterin schon viele Männer und Frauen mit gebrochenen Herzen gesehen. Hat man da Mitleid? "Ich selbst kenne nur einen Teil der Lebensgeschichte der Partner und auch nur eine Sichtweise, weshalb ich mir auch kein Urteil erlauben möchte. Vielleicht hat der Partner einen bereits betrogen oder er treibt einen förmlich dazu", findet Kersten. "Doch natürlich habe ich Mitleid, wenn ich merke, dass der Betrogene stark darunter leidet."

#Nacktbilder per WhatsApp

In ihrer langen Zeit als Treuetesterin, sind Kersten vor allem jene Herren in Erinnerung geblieben die selbst, wenn sie entlarvt wurden, nicht aufhörten zu lügen: "Skurril finde ich Tests, bei denen Männer einer fremden Frau Nacktbilder von sich schicken, auf denen sie deutlich zu erkennen sind. Am Ende, wenn die Partnerin den Test aufklärt, behaupten besonders diese Männer, dass sie wussten, dass alles ein Fake war. Doch ganz ehrlich, wer schickt einem Fake reale Nacktbilder?" Auch wenn ihr diese Fälle am meisten in Erinnerung geblieben sind, erhöhen die neuen Medien die Zahl der Betrüger nicht: "Natürlich öffnen WhatsApp und Facebook neue Türen und Möglichkeiten, aber Untreue gab es auch schon vorher. Meiner Meinung nach erhöhen die sozialen Medien die Zahl der Betrüger nicht."

#Unfair?

Zu der Meinung von einigen Menschen, dass Treuetests unfair wären, da die armen Männer massiv angegraben werden würden und sie dann gar nicht anders könnten, als nachzugeben, sagt Kersten: "Bei einem Treuetest geht es nicht darum jemanden zum Fremdgehen zu überreden. Wir versuchen es so natürlich wie möglich zu gestalten, außer der Kunde wünscht etwas anderes. Doch selbst im realen Leben kann es passieren, dass der Partner ganz offensiv angemacht wird. Ist es dann auch unfair, weil man nicht standhaft geblieben ist?"

#Die Zukunft der Fremdgeher

Wer Treuetester werden will, muss sich laut Kersten keine Sorgen um Arbeitslosigkeit machen: "Untreue gab es schon immer und wird es auch immer geben. Den meisten ist Treue, trotz neuer und offeneren Beziehungsmodellen, wichtig. Der Beruf wird also dann aussterben, wenn alle Menschen treu sind oder es ihnen egal ist." Die Erkenntnis, die Therese Kersten aus ihrer Arbeit gewonnen hat, ist schlicht und einfach: "Liebe gibt's, ewige Treue nicht."

November 2017

Was meint ihr dazu? Würdet ihr einen Treuetester engagieren? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Viktoria Graf
Viktoria Graf

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