Fr, 19. Oktober 2018

"Sollst krepieren"

23.10.2017 19:25

Freund mit 15 Messerstichen gequält: 7 Jahre Haft

"Es war die beste Beziehung, die ich je hatte", sagte die angeklagte Wienerin. Und doch - oder gerade deswegen - endete diese Beziehung mit 15 Messerstichen. Zugefügt in mehr als einer Stunde eben jenem Mann, den sie so sehr liebte. Denn er wollte sie verlassen. Zehn Jahre war man ein Paar. Als das gemeinsame Haus dann stand, lernte er auf Kur eine andere Frau kennen und überlegte, sich zu trennen. "Ich wollt es nicht aufgeben", erklärt die 55-Jährige dem Geschworenengericht. Sie wurde schlussendlich - nicht rechtskräftig - zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Am Tattag trank sie viel Wodka und Wein, schluckte Psychopharmaka. Abends aß das Paar daheim, dann wollte er weg: "'Bleib', hab ich gesagt, 'wohin?' Und er: 'Das geht dich einen Dreck an.'" Dann folgte, was der Gutachter als "explosionsartigen Ausbruch von Aggressionen" beschreibt: Als er sich die Schuhe anzog, stach die Angeklagte ihm plötzlich mit einem Messer in den Rücken. Er flüchtete ins Wohnzimmer. "Dort hab ich mich vor Schmerzen am Boden gekrümmt." Sie habe ihm ins Gesicht gestochen, sich auf ihn gesetzt und weiter zugestochen.

"Du dreckiger Hund sollst krepieren"
Plötzlich habe die 55-Jährige von ihm abgelassen und sich auf einer Eckbank hingesetzt: "Mir kam vor, sie tut fernschauen und rauchen", sagt er. Er bettelte um Hilfe, da rief sie: "Du dreckiger Hund sollst krepieren!", und stach erneut mehrere Male zu. Insgesamt waren es schlussendlich 15 Messerstiche, die das Opfer erlitt. Fünf Messer hatte die Angeklagte benutzt. Der Einschätzung des 55-Jährigen nach sei "mindestens eine Stunde" vom Beginn bis zum Ende der gegen ihn gerichteten Angriffe verstrichen.

Dann glitt die Frau plötzlich von der Eckbank auf den Boden, war nicht mehr ansprechbar - wohl aufgrund des Alkohols. Diese Situation nutzte der Mann, um mit ihrem Handy die Polizei zu verständigen. Er robbte zur Haustür und sperrte noch auf, bevor die Einsatzkräfte eintrafen.

Mehrfach lebensgefährliche Verletzungen
Der 55-Jährige erlitt laut Gerichtsmediziner Christian Reiter mehrfach lebensgefährliche Verletzungen. Die Brusthöhle und der Bauchraum wurden eröffnet, der Magen zweimal, das Zwerchfell einmal durchstochen. Ohne rasche ärztliche Hilfe wäre der Mann "zweifellos verblutet", sagte Reiter. An die Tat kann sich die Angeklagte nicht erinnern, wie sie beteuert. Ein Alkohol-Test unmittelbar nach dem Eintreffen der Helfer ergab 2,8 Promille. "Es tut mir leid, weil ich ihn geliebt habe", sagt sie.

Die 55-Jährige wurde zu sieben Jahre Haft wegen versuchten Totschlags, nicht wegen des ursprünglich angeklagten Mordversuchs verurteilt.

Silvia Schober, Kronen Zeitung/krone.at

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