15.10.2017 20:05

krone.at-Kommentar

Die Wutbürger sind jetzt Hoffnungs-Bürger

Die bisher spannendste Wahlschlacht der II. Republik ist entschieden: Das "alte System" (O-Ton FPÖ) müder, verbitterter großer Koalitionen ist abgewählt, die von Sebastian Kurz frisch gestrichene, "neue" ÖVP schafft tatsächlich die Sensation. Auch die FPÖ, von Hunderttausenden "Wutbürgern" gewählt, liefert ein starkes Ergebnis.

Die Mitleidsmasche der SPÖ - alle sind gegen uns, nur weil wir den schmutzigsten aller schmutzigen Schmutzwahlkämpfe bestellt und bezahlt haben - kam offenbar zu spät. Das Laientheater aus der Löwelstraße sorgte in etwa für denselben Effekt wie ein Stück von Elfriede Jelinek auf der Tschauner-Bühne: zumindest für Verwunderung.

Die einst stolze Partei Bruno Kreiskys, die Österreich weitere Jahrzehnte regieren wollte, lieferte ein desaströses Krisenmanagement im Kriminalfall Silberstein sowie eine viel zu unklare Linie in der Asylpolitik oder bei dem Thema Sozialmissbrauch.

Sebastian Kurz hat die große Unzufriedenheit im Land erkannt, die wirklich großen Probleme thematisiert und hat konkret an die Leistungsträger appelliert. Die Chance, dass er als jüngster Staatschef Europas in das Kanzleramt einzieht, ist gewaltig groß - nur noch eine eigentlich undenkbare Koalition zwischen Rot und Blau könnte ihn daran hindern.

Dem 31-jährigen ÖVP-Chef ist aber schon jetzt eins zu verdanken: Kurz machte aus den vielen "Wutbürgern" eine breite Bewegung an "Hoffnungsbürgern". Die bereits im Land massiv spürbare Aggression auf "die da oben" konnte auf die Stimmung "Wir schaffen gemeinsam Veränderung" gemildert werden. Die tiefe Frustration weicht der Zuversicht, dass jetzt endlich vieles besser wird: Dass sich Leistung künftig wieder lohnt, dass österreichische Familien mit Kindern wieder geschätzt und gefördert werden, dass der Sozialbetrug konsquent bekämpft und illegale Immigration gestoppt wird.

Und vielleicht gelingt es Sebastian Kurz und seinem Führungsteam auch, Straches FPÖ (mit all ihren Problembären) in staatstragenden Funktionen zu zähmen oder aber mit einer neuen, frischen "Realo-SPÖ" eine starke Reformpartnerschaft zu starten.

Nach dem erschütternd feindselig geführten Wahlkampf muss die Reduzierung der Aggression in der Politik jedenfalls gelingen. Das ist für unsere Demokratie, das ist für die Zukunft von uns allen in diesem wunderbaren Land nun das Wichtigste.

Richard Schmitt
Richard Schmitt

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
„Fast&Furious“-Unfall
So gefährlich ist es am Arbeitsplatz Hollywood
Pop-Kultur
Asensio-Kreuzbandriss?
„Sind besorgt“: Real-Star droht monatelange Pause
Fußball International
Ungewöhnliche Fracht
Hier wird ein Pkw auf 1643 Meter Seehöhe geliefert
Niederösterreich
Kritik an Verband
Nach Wutrede: Messi kommt mit milder Strafe davon
Fußball International
Das Sportstudio
Hoeneß hört bei Bayern auf & Salzburgs irre Zahlen
Video Show Sport-Studio
Schwer vorstellbar
„Ein Schock!“ Alaba von Hoeneß-Rückzug überrascht
Fußball International

Newsletter