Sa, 23. Juni 2018

Nocebo-Effekt

07.10.2017 11:41

Auch Scheinpräparate können Nebenwirkungen haben

Scheinmedikamente ohne Wirkstoffe können nicht nur einen heilsamen Placebo-, sondern auch einen nachteiligen Nocebo-Effekt haben. Das haben jetzt Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) herausgefunden. Ihren Angaben zufolge erstärkt sich diese Wirkung, wenn die Patienten glauben, es handle sich bei dem Medikament um ein teures Mittel.

Für die Studie der deutschen Wissenschaftler erhielten 49 Teilnehmer ein Scheinmedikament. Ihnen wurde gesagt, zu den Nebenwirkungen des Präparats zähle ein erhöhtes Schmerzempfinden. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielt zudem die Information, das Mittel sei günstig, der anderen wurde mitgeteilt, es sei teuer. Resultat: Jene Probanden, die von einem teuren Mittel ausgingen, verspürten mehr Schmerz als die übrigen Teilnehmer der Studie. 

Um die neuronalen Grundlagen zu klären, untersuchten die Forscher die Teilnehmer mit einer Form der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), die die aktivierten Hirnareale darstellte. Bei Erwartungseffekten sei das sogenannte modulierende Schmerzsystem von großer Bedeutung, erläutert Autorin Alexandra Tinnermann vom Institut für Systemische Neurowissenschaften am UKE in einer Mitteilung der Hochschule. Erwartungen, die im Frontalhirn entstehen, würden so die Verarbeitung von schmerzhaften Reizen in tieferen Regionen des Nervensystems beeinflussen. 

"Die Ergebnisse zeigen, dass der Wert eines Medikaments zusätzlich zu den negativen Erwartungen das Schmerzempfinden beeinflussen kann", so Tinnermann. "Auch die Verarbeitung von Schmerzreizen im Rückenmark wird durch diese Faktoren verändert."

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