Mo, 24. September 2018

Kulturvereinigung

29.09.2017 16:13

Die erste Violine spielt 2. Geige...

Er gehört mit seinen 22 Jahren zu den Rising Stars am Firmament der Geiger - und Emmanuel Tjeknavorian, Wiener mit armenischen Wurzeln, beweist das gerade bei seinem dreitägigen Gastspiel im Großen Festspielhaus. Er bewies neben Virtuosität aber auch Sinn für Humor, mit der "Murmeltier-Zugabe" für ein verständiges Publikum.

Der junge Mann stammt aus einer Musikerfamilie - das heißt konkret? "Dass meine Mutter Pianistin ist und der Vater Komponist und Dirigent", erzählt uns der junge Mann ganz freundlich-locker nach zweieinhalb Stunden Proben zu Sibelius. Dessen Konzert für Violine und Orchester in d-Moll op.47 brachte er gestern Abend zu Gehör, am Tag davor war es Beethovens einziges Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 61. Der trotz seiner jungen Jahre bereits mit einigen Preisen Ausgezeichnete geht auch schon sehr abgeklärt mit Werk und Präsentation um: "Es ist ganz normal, und ich will das auch so spielen, dass bei Beethovens Konzert das Solistische nicht so in den Vordergrund drängt, sondern sich der Struktur des Gesamtorchesters anpasst. Die erste Violine wird dabei sozusagen zur zweiten Geige." Am Mittwoch hatte sich der Musiker dann noch auf einen freien Logenplatz gesetzt, um dem zweiten Teil, Hector Berlioz’ Symphonie fantastique op. 14, zu lauschen. "Zum einen höre ich diese Form von Musik eigentlich immer und überall, sie begleitet mich ja von Kindheit an. Und zum zweiten gehört sich das schon aus Respekt gegenüber den Ausführenden, dass man auch dabei ist, wenn man nicht selber spielt." Einen konkreten Ausflug in seine ganz frühen Tage mit der Geige servierte der junge Meister mit seiner Zugabe am Mittwoch. Da spielte er das Murmeltier-Stück, das er schon als Fünfjähriger drauf hatte. Und dazu erklärt er sein Motiv: "Wenn man merkt, dass man für ein verständiges, fachlich fundiertes Publikum gespielt hat, kann man sich so einen Scherz leisten. Wenn es anders läuft, muss man halt als Zugabe noch ein Ass rausholen." Man darf also gespannt sein, welchen Bonus er seiner heutigen Zuhörerschaft gönnt, die 2000 vom Mittwoch hatten sich offenbar als qualifiziert erwiesen.

Und macht es für ihn einen Unterschied, spielt er selber auf seiner Stradivari lieber Beethoven oder Sibelius? "Also ehrlich, ich schätze mich glücklich, beide in so einem Rahmen interpretieren zu dürfen."

Roland Ruess, Kronen Zeitung

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