Fr, 22. Juni 2018

23.09.2017 16:18

Der Anwalt der Umwelt

In der vergangenen Woche sahen interessierte Passanten vor dem weltberühmten "Haus der Natur," wie ein dynamischer und lächelnder Mann im Trachtenanzug mit dem geschmückten Stab eine Kapelle dirigierte: Eberhard Stüber feierte so seinen 90. Geburtstag und für die Musik sorgten die früheren Mitglieder der Jugendblaskapelle, die der Jubilar 1960 im Lehrerhaus gegründet hatte.

Das ist die eine Seite des Musikpädagogen. Der in Wagrain geborene Eberhard studierte an der Universität Innsbruck Zoologie, Botanik, Geologie, Mineralogie und Geografie.

Am Mozarteum eignete er sich Kenntnisse in Trompete, Klavier und Orgel an, er spielt die Instrumente von der Gitarre bis zur Harfe. Den Entschluss hatte er aber schon gefasst: Er wollte nicht in der Wissenschaft tätig bleiben, sondern die Jugend von der Notwendigkeit des Naturschutzes überzeugen.

1949 gründete er die Naturschutzjugend und vermittelte den jungen Menschen die Liebe zur Natur und die Verantwortung für die Schöpfung. Passt mir auf mein Salzburg auf! Bevor Wilfried Haslauer I. dieses Vermächtnis der Nachwelt übermittelte, hatte Stüber den Kampf gegen die Naturzerstörung gestartet.

Ich lernte Eberhard Stüber kennen, als er Direktor des Hauses der Natur war. Mit Dynamik betrieb er den Ausbau und es gelang ihm tatsächlich, das Gebäude des früheren Museums Carolino Augusteum zu erobern. Da fand auch die Technik ihren Platz. Stüber ist zeitlebens ein Kämpfer. Er sieht sich das Problem an. Er überlegt kurz und lotet alle Möglichkeiten aus. Er entscheidet. Er zieht den Kampf für die Natur gnadenlos durch, ohne sich von kläffenden Zwischenrufern stoppen zu lassen.

Darin sind wir uns sehr ähnlich und so fanden wir uns bei großen Aktionen der "Krone" auf einer gemeinsamen Basis. Der Steinbruch von Großarl sollte zu einer internationalen Mülldeponie werden, die EU hätte noch den Segen für ein atomares Endlager gegeben. Es ging beinhart zu, um ein Haar kam es zum Bürgerkrieg, doch die Vernunft siegte. Dann natürlich der Schauplatz Ramingstein. Die Mur.

Solche Revolutionen fangen immer ganz klein an, doch die Dynamik scheint ungeheuerlich und der Funke springt über. Man darf - darin sind wir uns immer einig - sich nicht von den Zwischenrufern beirren lassen. Eine Information im fantastisch-urigen "Jaglerhof" und ein Lokalaugenschein und schon standen wir - mit Gummistiefeln ausgerüstet - im Wasser der Mur: Der Pakt von Ramingstein. wurde geschlossen.

Die "Krone" versprach: Wir werden Euch im Lungau unterstützen, so dass dieser irre Plan nie Wirklichkeit werden kann, eine Ableitung der Mur in den Berg und eine Austrocknung des Flussbetts. Es gelang, so wie in Großarl und so wie bei vielen anderen kleinen, aber wichtigen Umwelt-Baustellen. Stüber war nie der fanatische Verhinderer, er bemühte sich, mit guten Argumenten zu überzeugen. An der Wand in unserem Pressehaus hängt eine wunderbare Titelseite: "Tiere siegten über die Politik" lautet der Aufmacher und darunter ist ein Bild von Stüber zu sehen, mit Kindern und Vögeln.

Der Umweltanwalt hatte es durchgesetzt, dass der Vogelfang im Salzburger Teil des Salzkammerguts nicht mehr erlaubt ist. Salzburg würde ohne Stüber heute schrecklich aussehen. Es scheint schwierig, so geniale Partner im Kampf für die Natur zu finden, denn der mächtige Druck der internationalen Konzerne wird größer. Man bräuchte viele kleine Stübers in diesem Land.

Hans Peter Hasenöhrl, Kronen Zeitung

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