Di, 19. Juni 2018

Bewegte Szenen

20.09.2017 20:03

Der Abschied dauerte lediglich fünf Minuten

Keine Inszenierungen, keine langen Reden, kein Tamtam: Mit nur wenigen Worten erklärte Salzburgs Langzeitbürgermeister Heinz Schaden am Mittwoch vor dem Gemeinderat seinen Rücktritt. Auch wenn er sehr gefasst auftrat, sein letzter Arbeitstag war durchaus emotional - und das nicht nur für ihn

Während am Mittwoch noch persönliche Gegenstände von Heinz Schaden aus seinem Büro im ersten Stock des Schloss Mirabells abgeholt worden sind, werden nur ein paar Straßen weiter in der Arbeiterkammer bereits die Vorbereitungen für seine Rückkehr getroffen.

Um 9.05 Uhr endete die Ära Heinz Schaden offiziell

Am Vortag wurden dort alle AK-Mitarbeiter per Rundschreiben informiert, dass Schaden ab Anfang Oktober wiede tätig sein wird - als kommunalpolitischer Referent. Seine persönliche AK-Email-Adresse wurde bereits eingerichtet, seine bisherige in der Stadt wird von der EDV-Abteilung auf inaktiv gestellt. Auch sein Diensthandy wird Schaden zurückgeben müssen.

Es sind Details, die zeigen, wie viele organisatorische Fragen in den vergangenen Wochen im Schloss Mirabell mit dem vorzeitigen Ausscheiden des Bürgermeisters geklärt werden mussten.

Per Dienstwagen ein letztes Mal zum Rathaus

Seinen Dienstwagen konnte er am Mittwoch jedenfalls noch nutzen, um damit beim Rathaus vorzufahren. Pünktlich um neun eröffnete er dann die erste Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause - die zugleich als die letzte seiner Amtsperiode in die Geschichtsbücher eingeht.

Schaden wirkte innerlich sehr gefasst, als er ans Rednerpult trat - jeder seiner Züge wurde akribisch von Kameras und Fotografen dokumentiert. Etwas abseits warteten seine Büromitarbeiter, die ihren langjährigen Chef an diesem Vormittag ins Rathaus begleitet hatten.

"Ich danke meinem Herrgott"

Kurz und schmerzlos - so wollte er seinen Rücktritt halten und wich von seiner Linie in seiner rund dreiminütigen Abschiedsrede keinen Millimeter ab. Er habe nicht vor eine Leistungsschau zu präsentieren, stellte er einleitend klar - vielmehr war es dem Bürgermeister auch an seinem letzten Arbeitstag ein Anliegen, sich erneut schützend vor die Beamten zu stellen, die im Zuge des Swap-Prozesses unter die Räder geraten waren. "Es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn man sich jetzt an Leuten abputzt, die nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben." Seine nächsten Worte richtete er an seine Wähler und an seine Mitarbeiter und dankte ihnen für die jahrelange Treue - ein Dank ging auch in Richtung der Gemeinderatskollegen, mit denen er viele Projekte umgesetzt hat. "Ich trete nun offiziell zurück, sage Lebewohl und hoffe, Sie dann und wann in den Straßen dieser Stadt wieder zusehen." Keine Abrechnung, keine Inszenierung - fast erleichtert wirkte der nunmehrige Altbürgermeister als der Moment gekommen war.

Eine innige Umarmung folgte zum Schluss

Zum Abschied erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen und applaudierten nach seiner Ansprache - einzig die ÖVP schloss sich nicht an. "Nachvollziehen kann ich das nicht. Das ist einfach eine Geste, die sich in so einem Moment gehört", wunderte sich FPÖ-Gemeinderat Erwin Enzinger später gegenüber der "Krone". Auch die NEOS betonten, dass es sich hierbei um keine politische, sondern um eine Anstandsfrage handelt.

Der sicherlich emotionalste Moment ereignete sich allerdings während sich Schaden seinen Weg zur Tür bahnte: Als er am Regierungsplatz von Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) vorbei kam, umarmten sich beide Politiker lange. Obwohl ihre politische Heimat unterschiedlich ist, hat sich zwischen ihnen im Laufe der Jahrzehnte eine Männerfreundschaft entwickelt.

Der dunkelrote Ledersessel, Schadens traditioneller Platz auf der Regierungsbank - wurde anschließend dezent zur Seite gestellt. Er wird leer bleiben, bis der Wähler ein Nachfolger bestimmt hat.

Vom Rathaus aus stieg Schaden wieder in seine dunkle Dienstlimousine und ließ sich nach Hause bringen. Später war er noch mit seinen engsten Mitarbeitern zum Mittagessen verabredet - die Rechnung ging an diesem Tag auf den Chef. Nicht übersehen haben dürfte er am Weg dorthin die blauen Aufsteller, die die SPÖ im Stadtgebiet verteilt hatte. In großen Lettern war darauf zu lesen: "Danke Heinz Schaden für 25 Jahre vollen Einsatz für diese Stadt."

Anna Dobler, Kronen Zeitung

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