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18.09.2017 09:22

"PES 2018": Anpfiff zur digitalen Fußball-Saison

Der Transferwahnsinn erklimmt im Fußball immer rasanter utopische Höhen. Den Vogel schoss dabei der Wechsel von Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint Germain um läppische 222 Millionen Euro ab. Während viele kopfschüttelnd diesen Auswüchsen zusehen, müssen glücklicherweise für die digitalen Ebenbilder (noch?) nicht die Bankkonten leer geräumt werden. Traditionell startet Konami in die digitale Fußball-Saison. Wenig überraschend lautet der Titel: "PES 2018".

Bevor es ans Eingemachte geht, folgt ein Blick auf die vorhandenen Lizenzen. Neben Champions League und Europa League gibt es bei den Teams nur wenig Neues. Außer ein paar Klubs aus der Premiere League, der Primera Division sowie der Serie A gibt es lediglich die Vereine der französischen und holländischen Liga im Original. Nicht einmal alle Champions-League-Teilnehmer sind vorhanden. Während von deutschen Klubs immerhin Dortmund, Bayern und Leipzig mit von der Partie sind, sucht man österreichische Vertreter weiterhin vergebens.

Weniger Tempo
Wichtiger ist jedoch ohnehin die Leistung am Rasen. Da fällt sofort das verringerte Spieltempo auf. Gut? Schlecht? Gewöhnungsbedürftig. Die Chance, mit dem Ball am Fuß den Gegner davon zu sprinten, wurde jedenfalls reduziert. Wiewohl auch Weitschüsse nicht mehr so oft den Weg ins Tor finden. Da die Verteidiger gleichzeitig besser die Passwege zustellen, könnte man meinen, Tore zu schießen wäre nicht mehr möglich. Das stimmt so nicht: Dribblings lassen sich aufgrund des geringeren Tempos und verbesserter Animationen leichter ausführen. Zudem gerät der Gegenspieler durch eine Körpertäuschung schon mal aus der Balance. Ein schneller Antritt und schon ist der Weg frei. Insgesamt wirkt die gesamte Spielmechanik einen Tick realistischer.

Praktische Neuerung
Eine Innovation gibt es auch zu vermelden - eine kleine, aber derart sinnvolle, dass man sich unweigerlich die Frage stellt, warum da noch niemand früher darauf gekommen ist. Jeder der "PES" oder "Fifa" gespielt hat, kennt das Problem beim Verteidigen: Man wechselt den Spieler, nur wird nicht der vermutete, sondern ein ganz anderer aktiv. Wiederholter Frust ist die Folge. Bei "PES 2018" wird neben dem aktiven Spieler auch der markiert, zu dem beim Schultertaste-Drücken gewechselt wird. Einfach praktisch.

Den Torhütern wurden zudem ein paar neue Animationen verpasst, die ihr Wirken wesentlich lebensechter gestalten. Nur bei Flugparaden scheint es so, als wäre die "Matrix" und ihr Bullet-Time-Effekt Vorbild gewesen.

Standardabweichung
Ein Update bekamen auch die Standards verpasst. Die Einblendung der Flugkurve wurde gestrichen, stattdessen gibt es vordefinierte Varianten, wie sich die Spieler verhalten sollen. Beispielsweise sprinten sie bei Ausführung in den Strafraum. Neu ist auch die Möglichkeit, den Torhüter bei Freistößen zu steuern und ihn sogar auf eine Ecke spekulieren zu lassen.

Eine eher unrühmliche Rolle nimmt mitunter der Schiedsrichter ein. Nicht, weil er so falsch pfeifen würde oder die Nachspielzeit immer äußerst kurz ist, sondern weil er bei seiner Trikot-Wahl schon mal daneben greift und sich so nicht mehr von den Spielern unterscheiden lässt.

Legendär
Bei den Spielmodi hat sich indes nicht viel getan. Erwähnenswert sind die Legenden im MyClub-Part. Immerhin laufen dort Größen wie Maradona, Rush oder Beckham auf. Konkurrent "Fifa" bietet da allerdings immer noch wesentlich mehr. Während sich die Präsentation sehen lassen kann, wirken die Menüs, wenn das Spiel unterbrochen wird, schon zu zweckmäßig, um nicht zu sagen fad und spröde.

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Wer seine Ohren nicht beleidigt haben möchte, wählt lieber den englischen Spielkommentar. Die deutsche Variante nervt nämlich ziemlich schnell.

Fazit: "PES 2018" glänzt weiterhin mit seinem Prunkstück: der Spielmechanik, die ein sehr realistisches Fußballabbild schafft. Die Verbesserungen wie die Idee, den Spieler anzuzeigen, zu dem gewechselt wird, tun ihr Übriges, um den Spielspaß zu erhöhen. Die vorhandenen Schwächen hinsichtlich fehlender Lizenzen für viele Teams sowie der nahezu gleiche Spielumfang trüben hingegen den Gesamteindruck etwas. Für "PES 2018" gilt also nach wie vor, dass es weniger Hochglanz bietet und sich dafür strikt an die Maxime hält, Fußball so realistisch wie möglich erlebbar zu machen. Gelegenheitsspieler mag das mitunter abschrecken. Sie sollten "PES" eine Chance geben und werden am Ende positiv überrascht sein.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Konami
krone.at-Wertung: 8/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan

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