19.12.2006 18:55 |

Was verbergen sie?

Russen stoppen Litwinenko-Ermittlungen

Knapp einen Monat nach dem Giftmord an dem russischen Ex-Spion und Regimegegner Alexander Litwinenko in London hat Russland die Ermittlungen britischer Fahnder in Moskau offiziell für beendet erklärt. Die russische Generalstaatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, die Beamten von Scotland Yard hätten bei den Zeugenbefragungen "Antworten auf die Fragen erhalten, die sie interessierten". Britische Zeitungen schreiben, dass die Fahnder in Moskau auf eine Mauer des Schweigens gestoßen sind.

Die Briten waren am 4. Dezember nach Moskau gekommen. Ihr Interesse galt vor allem den Schlüsselzeugen Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun. Die beiden russischen Geschäftsleute hatten Litwinenko am 1. November in London getroffen. Litwinenko war unter noch nicht geklärten Umständen vermutlich bei dieser Begegnung eine tödliche Dosis der giftigen radioaktiven Substanz Polonium 210 verabreicht worden. Er starb daran am 23. November.

Die russische Justiz übergab den Briten am Dienstag Mitschriften und Tonbandprotokolle der Befragungen. Nach offizieller russischer Darstellung bedankten sich die Briten bei ihren Moskauer Kollegen für die Unterstützung. Bei den Befragungen der Zeugen hatten nach vorheriger Vereinbarung die russischen Ermittler die Fragen gestellt, die Briten durften lediglich zuhören. Dabei seien viele der von britischer Seite erbetenen Fragen nicht gestellt worden, berichteten Medien in London.

Weitere drei Strahlenopfer
Bei drei weiteren Menschen ist in London unterdessen eine Belastung mit dem Strahlengift entdeckt worden. Es handele sich dabei um Mitarbeiter von zwei Hotels, teilte die Behörde für Gesundheitsschutz mit. Damit sei die Zahl der Menschen, die in London einer leicht erhöhten Strahlung ausgesetzt waren, auf zehn gestiegen. Es bestehe keine ernste Gesundheitsgefährdung für sie, da sie das Polonium nicht direkt in den Körper aufgenommen hätten. Zu den Personen, bei denen in London leicht erhöhte Polonium-Werte nachgewiesen wurden, gehörte Litwinenkos Ehefrau.