Mo, 12. November 2018

Interview

03.09.2017 00:58

Der Berg ist immer der Boss

Das tragische Unglück in Krimml mit fünf toten Bergsteigern. Rekordzahlen bei den Heli-Rettungseinsätzen. In unseren Bergen passiert viel, das meiste könnte der Mensch vermeiden. Bergführer Christian Steger-Jud im Expertengespräch.

Sie sind ein erfahrener Berg- und Skiführer. Was ist da los in unseren Bergen?

Vieles. Man muss bedenken, dass Klima, die Wetterkapriolen unsere Bergwelt verändern. Ein Weg oder Steig, der bis dato als sicher galt, kann jetzt gefährlich, nicht mehr begehbar sein. Vielleicht muss man die Route anders wählen. Das setzt aber Wissen über die aktuellen Verhältnisse und Vorbereitung voraus.

Und für die nehmen sich die wenigsten Zeit?

Die Zeit wird knapper, wir haben Stress, aber am Wochenende muss - salopp gesagt - ein Gipfel her, weil kaum jemand warten will oder kann. Das führt zu mangelhafter Vorbereitung. Ich meine, wir müssen uns nach der Natur richten, nicht umgekehrt.

Aber gibt es nicht auf der anderen Seite den Trend, dass man entschleunigt. Wandern ist zum Beispiel wieder in?

Ja, das stimmt. Es gibt mittlerweile viele Angebote, die mit maximaler Sicherheit trotzdem viel Bergerlebnis bieten. Aber: Gleichzeitig sind viele auf der Suche nach dem Extremen und überschreiten oftmals die eigenen Grenzen.

Mit welchem Motiv?

Oft spielt der Gruppenzwang eine große Rolle. Soziale Medien sind wie ein globaler Gruppenzwang. Es geht um das Gipfelfoto, den schwierigsten Klettersteig, ein "Held" zu sein - gefährliche Selbstdarstellung.

Was würden Sie jedem raten, der in die Berge will?

Wenn nötig, mit einem Profi, sprich Bergführer, gehen. Ist viel entspannter, man kann auf seine Erfahrung zurück greifen. Es ist nicht immer notwendig, eine gute Tourenvorbereitung unter Berücksichtigung der aktuellen Verhältnisse ist aber unausweichlich. Und: Auch mit dem "Worst Case" rechnen. Wettersturz, Müdigkeit, immer Reserven haben, auch körperlich. Denn der Tod ist dramatisch, vor allem wenn man die Gesichter kennt.

Melanie Hutter, Kronen Zeitung

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