Mo, 18. Juni 2018

Junges Tiroler Paar

01.09.2017 15:54

Dem Terror nur knapp entkommen

Ein junges Paar aus Wörgl entging nur knapp dem Terroranschlag in Barcelona vor zwei Wochen. Erst seit wenigen Tagen sind Alina und Marcel zurück, doch der Schock sitzt noch tief.

Der wohlverdiente Urlaub von Alina Kainz und Marcel Widschwenter fing eigentlich sehr gut an. Sie checkten in ein feines Hotel direkt an der beliebten Fußgängerzone La Rambla ein und ließen es sich jeden Tag am Strand gut gehen.

Spontane Entscheidung rettete Paar das Leben

Auch am Donnerstag, den 17. August - an dem Tag, als ein Terrorist mit einem Fiat-Lieferwagen im Zickzackkurs durch die Flaniermeile raste und 13 Menschen tötete sowie mehr als 60 verletzte - waren sie am Meer. Am späteren Nachmittag trafen sie dann eine Entscheidung, die ihnen vielleicht das Leben rettete: Sie entschlossen sich kurzfristig, eine Stunde früher als sonst über den späteren Anschlagsplatz in die Innenstadt zu spazieren, um noch ein paar Sachen einzukaufen.

Verwirrende Meldungen

"Wir waren gegen 17 Uhr in einem großen Second-Hand-Laden - und zwar mit rund 15 Kunden aus verschiedenen Ländern und fünf Angestellten. Einer der Verkäufer erhielt plötzlich einen Anruf und begann während des Gesprächs zu weinen", schildert Kainz. Daraufhin zog das Personal auf der Stelle die metallenen Rolltore herunter. "Sie sagten zu jedem von uns, dass es in unmittelbarer Nähe eine wilde Schießerei gibt", fügt die Wörglerin hinzu. Von da an stand das Telefon im Geschäft nicht mehr still, es gingen immer wieder verschiedene, teils verwirrende Meldungen ein. "Wir hörten Sirenengeheul und Hubschrauber kreisten über uns. Dennoch blieben wir so gut es ging ruhig, da wir nicht wussten, was genau vor sich ging", erinnert sich Widschwenter.

Mutig ins Hotel geflüchtet

Nach drei Stunden verließ das Paar dann den Laden und lief über eine Parallelstraße in Richtung ihres Hotels. "Bei einer Bäckerei kauften wir noch schnell was zu essen. Plötzlich fuhr ein Mann mit einem Motorrad an uns vorbei und schrie lauthals ,Go, go, go’. Menschenmassen flüchteten daraufhin in Häuser", schildert Widschwenter. Die beiden Tiroler liefen so schnell sie konnten in ihr Hotel und sperrten sich in ihrem Zimmer ein. "Wir gingen auf den Balkon und sahen etliche Polizei-Motorräder mit Blaulicht vorbeirauschen. Mittlerweile hatten wir ein beklemmendes Gefühl, weil wir noch immer nicht wussten, was passiert war", erzählen die beiden.

Sand über Blutflecken

Erst durch einen Anruf ihrer Familie erfuhren sie vom Terroranschlag. "Wir bekamen in der Nacht fast kein Auge zu. Erst da wurde uns bewusst, dass wir nur knapp der Katastrophe entkommen sind", verrät Kainz. Am nächsten Tag spazierten sie entlang der La Rambla bis zum "Placa de Catallunya". Dort war die Straße mit Sand bedeckt. "Wohl um die Blutflecke der vielen Todesopfer zu überdecken", vermutet das Paar.

"Es kann jeden treffen"

Mittlerweile sind sie wieder zu Hause. Der Schock sitzt noch tief, aber dennoch würden sie wieder nach Barcelona zurückkehren. "Es kann einen ja immer und überall treffen", meinen sie.

Wilhelm Maier, Kronen Zeitung

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