Do, 16. August 2018

Finanzieller Engpass

17.08.2017 15:55

Krise bei Wozabal: 725 Juli-Löhne nicht ausbezahlt

Knalleffekt bei der Traditionsfirma Wozabal: Die Juli-Löhne für 725 Arbeiter konnten am Montag nicht ausbezahlt werden. Am Montag informierte Christian Wozabal die Belegschaft in Enns, tags darauf die Mitarbeiter in Rankweil, am Mittwoch jene in Lenzing. "Eine schwierige Ausnahmesituation", so der 46-Jährige, den die "Krone" zum Interview traf.

"Krone":Herr Wozabal, Sie mussten diese Woche drei Viertel der Belegschaft Ihrer Firmengruppe mitteilen, dass Sie die Löhne nicht auszahlen konnten. Warum das?
Christian Wozabal: Ich habe Ihnen gesagt, dass es die Auszahlung der Löhne spätestens Ende September geben wird und alle Arbeitsplätze gesichert sind. Es ist eine schwierige Ausnahmesituation.

"Krone":Gibt es Härtefälle?
Wozabal: Ja, 60. Wir haben auch Paare im Unternehmen, bei denen jetzt beide Partner keinen Lohn erhalten.

"Krone":Wie wurde die Hiobsbotschaft aufgenommen?
Wozabal: Ich sehe eine große Bereitschaft der Mitarbeiter, zusammenzustehen. Auch die Kunden stehen zu uns und die Lieferanten.

"Krone": Wo passierte der Fehler?
Wozabal: Der Sündenfall passierte eigentlich im Jahr 2001 mit der Errichtung des Standorts in Enns. Wir haben uns da logistische Probleme geschaffen. 2013 hatten wir ein sehr gutes Jahr, wir wollten bei den Standorten noch effizienter werden.

"Krone":Was passierte dann?
Wozabal: Eine neue Halle in Enns um 12 Millionen Euro wurde geplant, um Bereiche zusammen zu legen. In Linz wurden 40 Mitarbeiter abgebaut. Dazu kam der nötige Bau des Standorts in Rankweil. Im März 2015 nahmen wir die Halle in Enns in Betrieb. Dort unterschätzten wir die Einführung einer Chip-Technologie.

"Krone":Was heißt "unterschätzt"?
Wozabal: Die Umstellung in Enns dauerte ein halbes Jahr zu lang. Wir hatten sechs Millionen Mehrkosten und in der Zeit 200 Mitarbeiter zu viel, weil Anlagen oft still standen. In der Phase habe wir einige Bankbeziehungen einigermaßen strapaziert.

"Krone":Was sorgt nun für den Liquiditätsengpass?
Wozabal: Die Finanzierung, die wir haben, ist zu kurzfristig. Pro Jahr müssten 17 Millionen Euro zurückgezahlt werden - das schaffen wir selbst in einem genialen Jahr nicht.

"Krone":Sie standen zehn Jahre an der Spitze des Unternehmens, zogen sich dann Anfang des Jahres aus der Geschäftsführung zurück, die sie nun wieder übernahmen. Warum?
Wozabal: Es ist operativ notwendig, dass ich da bin. Es gibt noch immer Verhandlungen mit den Banken. Und es ist der Punkt, wo ich die Verhandlungen führen muss.

"Krone":Wie geht es weiter?
Wozabal: Ich bin zuversichtlich. Wir sind in Gesprächen, die zielführend sind, haben auch Alternativen. Es wird auch über Minderheitsbeteiligungen gesprochen. Es liegt an mir, das in der nächsten Zeit ordentlich zu regeln.

Barbara Kneidinger, Kronen Zeitung

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