Mo, 17. Dezember 2018

Infoblatt in D

17.07.2017 19:28

Syrer bedient nur Herren: Shitstorm gegen Friseur

Ein missverständlich formulierter Aushang an der Eingangstüre eines deutschen Friseursalons hat in der Vorwoche für jede Menge Aufregung bis hin zu fremdenfeindlicher Hetze im Internet gesorgt. Das Friseurgeschäft Klier in der sächsischen Stadt Zwickau teilte auf einem Blatt Papier mit, dass aus "personalbedingten Gründen vom 10. bis 15. Juli ab 16 Uhr keine Damenkunden" empfangen werden können. Der Grund: Es sei lediglich ein syrischer Friseur anwesend, der "ausschließlich Herren" bediene.

Was aus dem Informationsschreiben jedoch nicht hervorging, ist die Tatsache, dass der Angestellte tatsächlich nur eine Ausbildung für Herrenfrisuren hat. So glaubten viele, dass ein religiöses Motiv dahinter steckt und dieses auch die Betreiber des Studios unterstützen würden.

Die Folge war ein Shitstorm gegen das Geschäft und Anfeindungen gegen den Syrer in den sozialen Medien. Es war von Rassismus gegen Deutsche und von Frauenfeindlichkeit die Rede. Ein Facebook-User meinte etwa: "Ich glaube ich muss da mal mit meinem Schlagstock rum kommen…. Andererseits lieber so, als dass er die ganzen Kundinnen vergewaltigt."

Friseurkette entschuldigt sich für "Kommunikationsfehler"
Der Friseursalon sah sich gezwungen zu reagieren. Ein Sprecher der Friseurkette, die auch in Österreich zahlreiche Geschäftslokale hat, teilte mit, dass der angefeindete Syrer nicht für Frauen-Frisuren qualifiziert sei. "Den Unterstellungen, dass es sich um eine religiös motivierte Diskriminierung von Frauen handeln würde, möchten wir entschieden widersprechen. Gleichzeitig entschuldigen wir uns ausdrücklich für das Missverständnis." Eine Mitarbeiterin habe einen Kommunikationsfehler begangen, als sie den Zettel schrieb. Die Frau sei am Boden zerstört über das, was sie ausgelöst habe, so der Sprecher weiter.

Syrer arbeitet nicht mehr in Zwickau
Laut "Spiegel Online" beschäftigt Klier mehrere Flüchtlinge als Friseure. Das Unternehmen behalte sich vor, eventuell strafbare Facebook-Posts zu melden, schreibt das deutsche Nachrichtenportal. Laut welt.de arbeitet der angefeindete Syrer mittlerweile gar nicht mehr im Zwickauer Studio. Sein künftiger Arbeitgeber wurde aus Schutzgründen nicht genannt. Darüber hinaus habe man Vorkehrungen für die Sicherheit der Mitarbeiter in Zwickau getroffen.

Gabor Agardi
Gabor Agardi

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