28.11.2006 16:14 |

Täglich blasen

Saab baut das Alkomat-Auto

Kommt bald das Auto, das nur noch nach einem Alkotest startet? Saab startet jetzt einen Feldversuch mit dem so genannten „AlcoKey“. Das ist eine Art Autoschlüssel mit integriertem Alkomaten, so groß wie ein kleines Handy. Ein Transponder verhindert das Anspringen des Motors, sobald ein Atemtest des Fahrers, der kurz und kräftig in das Mundstück blasen muss, Alkoholwerte über der zulässigen Promille-Höchstgrenze ergibt.

Rund 100 Fahrzeuge der Baureihen 9-3 und 9-5 werden mit der neuesten Ausführung des AlcoKey bestückt und über sechs Monate von Saab-Mitarbeitern sowie von Zuliefer- und Taxiunternehmen getestet. Dabei steht weniger die technische Validierung im Vordergrund, vielmehr soll von den Fahrern der tägliche Umgang mit dem AlcoKey beurteilt und die dabei gemachten Erfahrungen wiedergegeben werden.  

Eine Serieneinführung des Saab AlcoKey ist zunächst nur für Schweden in Planung, wo traditionell sehr viel mehr Initiativen zum Schutze von Mensch und Umwelt realisiert werden als in vielen anderen Ländern, heißt es bei Saab. 

Die Idee zum Saab AlcoKey gründete nicht zuletzt auch auf der hohen Zahl von Alkohol bedingten Unfällen auf schwedischen Straßen, die 2003, im Jahr vor der Präsentation des Saab AlcoKey, einen Anteil von 29 Prozent an allen tödlichen Unfällen des Landes hatten – europaweit liegt diese Zahl bei 25 Prozent. Werden alle Unfälle in Schweden der Betrachtung zu Grunde gelegt, werden 35 Prozent unter Alkoholeinfluss verursacht. Für den Kunden würde ein in Serie gefertigter Saab AlcoKey aus heutiger Sicht zwischen 250 und 300 Euro kosten.  

Simple Handhabung
Der Saab AlcoKey wird unabhängig vom eigentlichen Fahrzeugschlüssel genutzt, ist diesem aber ähnlich und basiert auf einer eleganten Modifizierung moderner Diebstahlschutz-Technologie. Die Handhabung ist einfach: Der Fahrer schaltet den von einer Batterie betriebenen Saab AlcoKey an und muss für rund drei Sekunden kräftig in ein kleines Mundstück blasen. Wenn die Messung abgeschlossen ist, ertönt ein Piepton. Der Atem wird von einem Sensor im Gerät gemessen, der sofort durch Aufleuchten eines grünen oder roten Lämpchens signalisiert, ob der Fahrer nüchtern ist oder Alkohol getrunken hat.  

AlcoKey lässt sich schwer täuschen
Leuchtet das grüne Licht auf, sendet der Schlüssel zusätzlich zur Deaktivierung der Wegfahrsperre ein Freigabesignal an das elektronische Steuergerät des Fahrzeugs. Bei rotem Licht wird dieses Signal jedoch nicht übermittelt, die Wegfahrsperre bleibt aktiviert. Die Software zur Steuerung der Wegfahrsperre lässt sich auf die jeweils geltende gesetzliche Promille-Höchstgrenze programmieren. Diese liegt in Schweden per Gesetz bei 0,2, der Saab AlcoKey ist für den Feldversuch auf einen Wert von 0,15 justiert. Der Sensor misst nicht nur den möglichen Alkoholgehalt, er erkennt auch durch Messung der Temperatur, ob die Atemluft von einem Menschen stammt oder aber künstlich erzeugt wurde, beispielsweise mit einer Fahrrad-Luftpumpe oder einem Luftballon. Der Atem des Beifahrers wird aber akzeptiert.

Der Gebrauch des Saab AlcoKey führt zu keinen nennenswerten Zeitverzögerungen. Die Reichweite beträgt etwa zehn Meter, so dass der Fahrer schon bei Annäherung an die Tür und beim Einsteigen in das Mundstück blasen und den Saab AlcoKey aktivieren kann.  

Für den Feldversuch wurde die Software so programmiert, dass nach jedem Starten des Fahrzeugs ein erneuter Start binnen zehn Minuten möglich ist, ohne dass der Fahrer den Saab AlcoKey noch einmal nutzen muss.  

Damit der Nutzer des Saab AlcoKey nicht irgendwann einmal sein Fahrzeug stehen lassen muss, weil die Batterie leer ist, hat Saab eine Kontrollfunktion integriert, die mittels blinkender Leuchtanzeige deutlich erkennbar macht, dass die Batterieleistung unter 20 Prozent Kapazität abgefallen ist. Diese reicht normalerweise für rund zwölf Monate bei durchschnittlich fünfmaliger Nutzung pro Tag.

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