Do, 19. Juli 2018

Neue Serie

12.06.2017 13:56

Persönlichkeits-ABC: Bedürfnisse

Willkommen zu unserer Persönlichkeitsfibel! In unserer neuen Serie vermitteln wir Ihnen, gemeinsam mit Mediatorin und Konfliktberaterin Barbara Nanoff-Schediwy, kurz und knackig alles Wissenswerte rund um das Thema Identität, Persönlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen. Im zweiten Teil widmen wir uns dem Buchstaben B. B wie "Bedürfnisse". Lernen Sie, wie sie diese erkennen und ausdrücken.

"Was brauchst Du?" ist eine der kraftvollsten und wirkungsvollsten Fragen, die wir einander stellen können. Unser Partner bricht in Tränen aus, das Kind hat einen Tobsuchtsanfall, die beste Freundin redet endlos um den Brei herum. Oft verstehen wir nicht, wieso Menschen so reagieren, wie sie es tun.

Eine Frage der Bedürfnisse
Mit der Frage nach ihren Bedürfnissen bringen wir Menschen (wieder) in ihre Mitte zurück. Wir zwingen sie, konkret zu werden und eventuelles Fehlverhalten zu beenden. Gleichzeitig drücken wir Anteilnahme und die Bereitschaft zu helfen aus: Das Gegenüber fühlt sich dadurch maximal wahrgenommen.

Das Problem: Oft wissen wir nicht genau, was wir eigentlich wollen - oder gerade benötigen. Obwohl es in einem solchen Fall natürlich auch der Partner oder die Freundin nicht wissen kann, ertappen wir uns selbst dabei, wie wir - voller Erwartungen - darauf warten, vom Gegenüber verstanden zu werden. Ein erster Schritt, aus dieser Situation herauszufinden ist, sich seiner Bedürfnisse bewusst zu werden und sie auszudrücken - und zwar so, dass sie vom Gegenüber verstanden werden.

"Was brauche ich? Und was brauchst du?"
Was brauche ich jetzt - oder im Allgemeinen - um glücklich und/oder zufrieden zu sein? Eine Frage, die wir uns zu selten stellen. Stattdessen strudeln wir weiter, ärgern uns, sind unruhig oder unfreundlich zu anderen und provozieren so viele vermeidbare Konflikte im Alltag.

Einen gemeinsamen Nenner finden
Menschen in Beziehungen kämpfen oft mit Verständigungsproblemen und Missverständnissen. Die Gründe dafür liegen meist in fehlerhafter oder mangelnder Kommunikation: Man redet aneinander vorbei, fühlt sich unverstanden und/oder schafft es partout nicht, eine gemeinsame Basis zu finden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um existenzielle oder unwichtige Fragen handelt.

Eine für Paare sehr kraftvolle Übungen ist, sich hin und wieder selbst - und gegenseitig zu fragen - was der andere braucht, um sich tatsächlich geliebt zu fühlen. Das ist oft etwas ganz anderes, als man glaubt, geben zu müssen. Oft denken wir zu kompliziert oder zu nüchtern, wenn wir helfen wollen. Dabei helfen tröstende Worte und eine Umarmung oft am meisten.

Pattsituationen auflösen und meistern
Bei der Einigung von Konflikten, der Beseitigung von Missverständnissen oder der Suche nach Kompromissen läuft letzten Endes alles auf eine Frage hinaus: Wie lautet die Ursache, welche Bedürfnisse stecken hinter der Attitüde? Hinter jedem Wunsch, und vor allem hinter jedem Fehlverhalten, steckt ein tieferes, immaterielles Bedürfnis, das sich meist auf den Wunsch nach Liebe, Anerkennung oder Respekt reduzieren lässt.

Ein Beispiel: Sie sehnen sich nach dem Meer, den Partner zieht es in die Berge. Keiner von Ihnen will nachgeben, ein getrennter Urlaub kommt aber auch nicht infrage. Die jeweiligen Positionen und die Uneinigkeit erzeugen eine Pattsituation. Was tun? "Fragen wir uns, welche Bedürfnisse letztlich hinter diesen Positionen stehen, ist Licht am Ende des Tunnels erkennbar", so Konfliktberaterin Barbara Nanoff-Schediwy.

Bei diesem Beispiel ist es ganz einfach: Sie möchte gerne baden, er die Alm erwandern und die damit verbundene Ruhe genießen. Ein Kompromiss lässt sich bestimmt finden. Sie könnten sich z.B. gemeinsam hinsetzen und ein Urlaubsziel suchen, das sowohl einen Strand bietet als auch tolle Wanderungen ermöglicht. Oder Sie hinterfragen Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Ist Ihnen ein Strandurlaub wirklich wichtig oder wollen Sie nur entspannt in der Sonne liegen? Falls dem so ist, ist dies auch auf einer Alm möglich. Natürlich müssen sie in diesem Fall auf den Strand verzichten, doch vielleicht erklärt sich der Partner im nächsten Urlaub bereit, mit Ihnen in die Sonne zu fahren. Oder Sie schnappen sich einfach ein paar Freunde oder fahren alleine für ein paar Tage weg.

Bei Kindern kommt es oft wegen Kleinigkeiten zu lautstarken Auseinandersetzungen. Etwa, wenn es statt der geliebten Pasta Hühnchen zum Abendessen gibt. Oder wenn der Sandkastenfreund ein Spielzeug an sich nimmt, das gerade dringend gebraucht wird. Das Kind bringt sein Unverständnis für die Situation dann meist durch Schreien zum Ausdruck, eine tiefergehende Reflexion ist ihm noch nicht möglich. Hier können die Frage "Was brauchst du?" und sensibles, verständnisvolles Eingehen auf die Situation ebenfalls helfen. Probieren Sie es aus!

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig

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