So, 09. Dezember 2018

Hauser Kaibling

02.06.2017 16:27

Ein neuer Hüter für 800 Schafe

Stundenlange Fußmärsche, ein vom Wolf verursachtes Massaker, Schnee mit Sturm: Franz Secklehner (63) hat in den vergangenen Jahren als Schäfer in Vorarlberg viel erlebt. Heuer hütet er mit seinem Hund "Fly" die 800-köpfige Schafherde am Hauser Kaibling. Am Samstag beginnt ein langer Almsommer.

Ich fühle mich schon wie zuhause." So schnell geht’s im Ennstal. Der Oberösterreicher Franz Secklehner ist seit Anfang Mai in Haus und bereitet den Almsommer vor. Er hat eine große Aufgabe vor sich, wird er doch vom Almauftrieb am Samstag bis Mitte September für 800 Schafe zuständig sein - unterstützt von seinem treuen Border Collie "Fly" und im Hochsommer auch von einer Praktikantin.

Schlimme Erinnerung an Wolfsattacke
Für Secklehner ist es das erste Jahr im Ennstal. Den Schafen fühlt er sich schon lange verbunden. In seiner Heimat Laakirchen stellte er den landwirtschaftlichen Betrieb vor 20 Jahren von Rindern auf Schafe um, als er dann an den Sohn übergab, zog es ihn als Schäfer sechs Jahre lang in das vorarlbergische Klostertal. "Das Gebiet war hochgelegen und sehr weitläufig, von der Hütte bis zum Ende der Alm dauerte der Fußmarsch gut dreieinhalb Stunden."

450 Schafe standen unter seiner Obhut. Vor zwei Jahren griff ein Wolf die Herde an, 28 Tiere wurden getötet oder schwer verletzt. "Für mich war das die schlimmste Situation, das möchte ich nicht nochmals erleben…"

"Ich bin ein Abenteurer"
Das Almgebiet in Haus ist ebenfalls weitläufig, aber gut mit Straßen erschlossen. Die Herde ist dafür mit etwa 800 Schafen fast doppelt so groß. Secklehner ist motiviert: "Ich bin ein Abenteurer und liebe die Herausforderung." Auch auf den Austausch mit den Wanderern und die körperlichen Arbeiten ("die Alm ist mein Fitnessstudio") freut er sich.

Das Almlammprojekt am Hauser Kaibling geht heuer übrigens in den zehnten Sommer. Die Tiere dienen der umweltschonenden Pistenpflege: Die teils steilen Flächen, auf denen im Winter die Skifahrer unterwegs sind, werden natürlich gedüngt und durch die Bewegung der Herde befestigt.

Jakob Traby, Kronen Zeitung

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