26.04.2017 13:30 |

Forscher besorgt

Neues Antibiotikaresistenz-Gen in Milch entdeckt

Ein für den Menschen harmloses Bakterium, das in roher Kuhmilch vorkommen kann, ist gegen die neueste Generation Breitband-Antibiotika resistent. Das haben Forscher der Universität Bern entdeckt. Das Problem: Diese Resistenz könnte sich auf krankmachende Bakterien übertragen, womit insbesondere die Behandlung von Spitalinfektionen durch Breitband-Antibiotika gefährdet würde.

Das Bakterium namens Macrococcus caseolyticus kommt auf der Haut von Milchkühen vor und kann beim Melken in die Milch gelangen. Damit kann es auch in Rohmilch und Rohmilchprodukten vorkommen. Bei diesem Bakterium hat ein Team um Vincent Perreten ein Gen entdeckt, das es resistent gegen eine Reihe von Antibiotika macht.

Zwar ist Macrococcus caseolyticus für den Menschen harmlos, allerdings tauschen Bakterien mitunter Gene untereinander aus. So könnten auch für den Menschen gefährliche Erreger dieses Resistenz-Gen aufnehmen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Scientific Reports".

Eine ähnliche Resistenz gegen den Wirkstoff Methicillin kommt beispielsweise auch beim Bakterium Staphylococcus aureus (Bild unten) vor, das auf der Haut und den Schleimhäuten von Tieren und Menschen lebt. Durch die Resistenz wird es zu einem gefährlichen Keim, der schwer behandelbare Spitalinfektionen auslöst.

Resistenz beruht auf bisher unbekanntem Gen
Bei Macrococcus caseolyticus beruht die Resistenz jedoch auf einem bisher unbekannten Gen, teilte die Universität Bern kürzlich mit. Darauf stießen Perreten und sein Team nach mehrjährigen Untersuchungen der Milch von Kühen, die an Euterentzündungen litten.

Diese Entzündungen werden normalerweise mit Penicillin und Cephalosporin behandelt, die wie Methicillin zu den sogenannten Betalaktam-Antibiotika gehören, berichtet die Universität. Die in der Milch entdeckten Bakterien waren jedoch resistent dagegen, und durch DNA-Analysen entdeckten die Forscher schließlich das neue Resistenz-Gen.

Das besagte Gen macht Macrococcus caseolyticus gegen alle Betalaktam-Antibiotika resistent, wie die Wissenschaftler weiter feststellten. Auch gegenüber der neuesten Generation von Breitband-Antibiotika, die zur Behandlung von Spitalinfektionen mit Staphylococcus eingesetzt werden. 

Könnte Bekämpfung von Infektionen erschweren
Es bestehe die Möglichkeit, dass sich auch Staphylococcus aureus das neue Resistenz-Gen aneigne, fürchten die Forscher. "Da S. aureus und M. caseolyticus sich denselben Lebensraum teilen, könnte dies schon bald in der Natur geschehen", sagte Perreten. Das könnte die Bekämpfung von Spitalinfektionen stark erschweren.

Bisher tauchte das Resistenz-Gen hauptsächlich bei Bakterien bei Kühen auf, wurde aber auch schon bei einem Hund entdeckt, der an einer Hautinfektion litt, berichten die Forscher in ihrem Fachartikel. Das bedeute, dass diese Bakterien verschiedene Tierarten kolonisieren könnten, so Perreten.

Beim Menschen wurden zwar noch keine Bakterien mit diesem Resistenz-Gen festgestellt, "es ist aber zwingend nötig, die weitere Evolution und Ausbreitung dieses neuen Resistenz-Gens bei tierischen wie auch menschlichen Bakterien zu beobachten", sagte der Veterinär-Bakteriologe der Universität Bern.

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