Bald auch in Wien?

Podsharing: Hippie-Kommune ohne Sex

Gemeinschaftlich, nachhaltig und vor allem billig - das bieten Pods aus den USA. Wer in urbanen Gegenden Mietkosten sparen möchte, zieht in ein Studentenwohnheim oder in eine WG. In Los Angeles gibt es nun sogenannte "Pods", eine Mischung aus Wohnheim und WG, ohne Vertragsbindung. Wie im Hostel, nur ein bisschen strenger.

Wer in Großstädten auf Wohnungssuche geht, hat es nicht einfach. Zunehmende Urbanisierung und der demografische Wandel haben zur Folge: steigende Mietpreise. Der Traum der eigenen Wohnung ist für viele Menschen in urbanen Gegenden kaum noch realisierbar. Studenten ziehen daher in Wohngemeinschaften, wo sie Küche, Bad und, falls vorhanden, auch das Wohnzimmer mit den anderen Bewohnern teilen. Für andere wiederum sind selbst WGs zu teuer, weshalb ihnen oftmals nur noch ein Studentenwohnheim übrig bleibt.

Alternative Wohnidee: Pods
In teuren Wohngegenden sprießen nun alternative und vor allem nachhaltige Wohnideen aus dem Boden. So gibt es in Los Angeles "Co-living spaces", riesige Wohngemeinschaften, wo die Bewohner täglich, wöchentlich oder monatlich wechseln. Das Phänomen wird auch Podsharing genannt. Mit anderen Bewohnern teilt man sich einen ganzen Raum, in welchem Etagenbette stehen, sogenannte "Pods". Jedes Pod ist ausgestattet mit einer Schaumstoffmatratze, einem Kissen, einer Leselampe, und einem kleinen Fernseher, also eigentlich alles was man zum Leben braucht. Der einzige Nachteil für viele: Keine Privatsphäre.

Kein Sex, kein Schnarchen
Wer auf engstem Raum, minimalistisch und zu günstigen Preisen leben will, der muss auf seine Mitmenschen Rücksicht nehmen. Die Regeln in Podsharing-Communities sind streng: Kein Sex, kein Masturbieren, kein Schnarchen. Wer sich nicht daran hält, muss das Pod verlassen.

Für Pods wird vor allem damit geworben, dass man Teil einer großen, liebenden Gemeinschaft wird, in der alle füreinander da sind. Beim Buchen eines Pods über das Internet gibt man seine Privatsphäre bereits ab. Beruf, Interessen, Alter, Geschlecht, all das wird gefragt. Immerhin kann man sich aussuchen, neben wen man schlafen möchte.

Unterschied zum Hostel?
Schaut man sich das Konzept eines Pods näher an, stellt man schnell fest, dass es organisatorisch gesehen keinen Unterschied zu einem Hostel gibt. In Mehrbettzimmern und auf engstem Raum wird miteinander gelebt. Die Mitbewohner wechseln am laufenden Band, man ist vertraglich ungebunden und zahlt pro Nacht. Im Preis inkludiert sind Strom, Wasser, Internet und Frühstück. Im Grunde nichts anderes als Halbpension in einem Hostel.

Hostels genießen aber den Ruf, dass sie laut, dreckig, ungemütlich und unpersönlich sind und genau das wollen Pods nicht sein. Hier geht es um Community, um Miteinander, und alle haben sich lieb. Deshalb steht über jedem Pod auch der Name des derzeitigen Bewohners. Man wird auch vom Gastgeber dazu ermutigt sich näher kennenzulernen.

Hippie-Kommune ohne Sex
Doch will man fremde Menschen kennenlernen? Nach der Arbeit nach Hause kommen und mit immer wieder wechselnden Mitbewohnern Smalltalk führen müssen? Die meisten Menschen, die zu alternativen Wohnideen tendieren, haben oftmals nicht die finanziellen Mittel, um sich eine eigene Wohnung zu leisten. WGs bieten in dieser Hinsicht oftmals noch ausreichend Privatsphäre, doch Pods sind nichts anderes als eine Hippie-Kommune, in der Sex verpönt wird.

Bald auch in Wien?
Auch in Wien wird der Traum der eigenen Wohnung für viele junge Menschen schwerer realisierbar. Laut einer Studie der Arbeiterkammer Wien geben 18- bis 25-jährige mehr als die Hälfte ihres monatlichen Einkommens für Miete und Nebenkosten aus. Hinzu kommen natürlich auch einmalige Ausgaben wie Provision, Kaution und Vertragsgebühren.

Eine Umfrage des Instituts für Immobilienwirtschaft zeigt auch, dass die Mietpreise dieses Jahr noch weiter steigen werden. Wo im Jahr 2005 hat eine 70-Quadratmeter-Wohnung noch knapp 600€ gekostet hat, können viele heute von solchen Preisen nur noch Träumen. 2015 bezahlte man für eine gleichgroße Wohnung 100€ mehr. In zehn Jahren ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis um 40% gestiegen.

Wenn die Nachfrage nach Wohnungen weiter dermaßen zunimmt und die Preise weiterhin explodieren, bleiben jungen Menschen auch nur noch alternative Ideen zur Verfügung? Kann sich das Phänomen "Pods" in Wien behaupten?

Was haltet ihr von Podsharing?Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Márcia Neves
Márcia Neves

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