11.04.2017 22:36 |

Bauer skeptisch

Hochwasserschutz: "Viele Antworten fehlen noch"

Das gigantische Hochwasser-Schutzprojekt im Unterland sieht 18 Kilometer Dämme und Retentionsräume für 8,5 Millionen m³ Wasser vor, die im Ernstfall auf Feldern "geparkt" werden. Betroffene Bauern wie Martin Gang aus Radfeld sehen viele zentrale Fragen noch immer ungeklärt.

Mit Jahresende 2016 legte das Land die Grobplanung ("Generelles Projekt") für den Bereich Brixlegg bis Angath vor. Im Hochwasser-Ernstfall verwandeln sich landwirtschaftliche Felder bis zu mehrere Tage lang in Seen - etwa im Retentionsraum Radfeld. "Die Dämme sind für eine Bewirtschaftung zu steil", zeigt Grundeigentümer Martin Gang auf. Der zweifache Familienvater bewirtschaftet 10 Hektar im Überflutungsgebiet. Was ihn am meisten stört: "Es gab Info-Veranstaltungen und Schriftverkehr, doch auf wichtige Fragen noch keine Antworten."

Was passiert mit Stall in der Überflutungszone?

Als Beispiel nennt der Landwirt seinen Stall mitten im Überflutungsgebiet: "Es hieß, dass er weg muss - doch ich brauche ihn als Unterstand für das Jungvieh. Sonst kann ich die vorgeschriebenen Weidetage als Biobauer nicht einhalten."

Ungeklärt sei auch, wie die nötigen Dammflächen abgelöst werden. "Kauf, Pacht oder Tausch - auch hier habe ich noch nichts Konkretes gehört. Wenn der Damm mit dieser Steilheit gebaut wird, ist mein Feld von der Autobahn-Seite her mit dem Traktor nicht mehr erreichbar."

Wie entschädigen für verschlammten Boden?

Im Falle einer Flutung fürchtet Gang um die Qualität seiner Böden: "Das Innwasser und der Schlamm sind nicht sauber, sondern im schlimmsten Fall sogar mit Öl kontaminiert. Wer berechnet die Wertminderung? Welche Entschädigungen sind vorgesehen, wenn das Bodenleben kaputt ist?" Der Radfelder Landwirt deponierte daher sein Veto mein Land und stellt vorerst klar: "Meine Flächen stehen für dieses Projekt nicht zur Verfügung." Skepsis der Landwirte, die um ihre fruchtbarsten Böden bangen, ist auch aus Kundl und Angath zu vernehmen.

Land stellt Treffen in Aussicht

Zufall oder nicht? Kurz nach Beginn der "Krone"-Recherchen flatterte bei Martin Gang eine Einladung des Landes ins Haus. Am 3. Mai sollen im Gemeindeamt der Status quo, die Pläne und seine Anliegen besprochen werden.

"Grundeigentümer werden schadlos gehalten"

Seitens des Landes ist unter anderem Markus Federspiel von der Abteilung Schutzwasserwirtschaft und Gewässerökologie mit dem Hochwasserschutzprojekt federführend betraut. Er nimmt Stellung zu Sorgen von Grundeigentümern.

- Gebäude im Überflutungsgebiet: "Nach Ostern starten im Retentionsraum Kundl/Radfeld Einzelgespräche mit Grundeigentümern. Da wird die derzeitige Flächennutzung, etwa Gebäude und Leitungen, erhoben. Wünsche werden so gut wie möglich berücksichtigt. Für bestehende Gebäude müssen aber Gespräche mit der Abteilung Bodenordnung abgewartet werden."

Ablöse oder Tausch für Dammflächen

- Nicht zu bewirtschaftende Dämme: "In Radfeld-Kundl sind Dämme mit Neigungen von 1:2, also rund 27 Grad nötig. Sonst kann das Volumen nicht untergebracht werden. Da bei dieser Steilheit eine Bewirtschaftung nicht möglich ist, ist eine Ablöse vorgesehen. Weiters werden Tauschflächen erhoben."

- Folgeschäden auf Feldern: "Grundeigentümer werden schadlos gehalten. Der Zustand vor dem Ereignis wird wieder hergestellt und etwaige Folgeschäden abgegolten. Allerdings: Zuständig ist dann der Wasserverband, der sich erst noch konstituieren muss. Weitere Kontakte und Treffen mit Grundbesitzern sind geplant."

Andreas Moser, Kronen Zeitung

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