Tattoo-Star:

"Wien ist weltweit für zig Top-Tätowierer bekannt"

Danny Bullman gehört wohl zu den bekanntesten Tätowierern auf der ganzen Welt, unumstritten jedoch zu den besten der Stadt. Dieses Wochenende hat man bei der "Wildstyle & Tattoo Messe" im Wiener Gasometer die Möglichkeit, sich persönlich von seinem Können zu überzeugen. City4U hat den sympathischen Star-Tätowierer vorab zum Interview getroffen.

#1. Seit wann bist du schon Tätowierer?
Ich begann 1988 zu tätowieren, als ich 17 war und in Limerick in Irland lebte. Das war zu einer Zeit, wo deswegen noch die Stirn gerunzelt wurde. Weil ich tätowiert war, wurde mir der Zutritt zu vielen Orten verweigert, zum Beispiel zu Clubs oder Bars. Damals war in Irland in den Augen der älteren Generation tätowieren oder tätowiert zu sein das Zeichen eines bösen Buben, eines Sträflings, eines Bikers, eines Verurteilten oder Seemanns.

#2. Ist Tätowierer zu sein dein Traumberuf oder wolltest du ursprünglich etwas anderes machen?
Seit ich ein kleines Kind war haben mich Tattoos fasziniert. Ich glaube, dass ich mit Popeye Tattoos begonnen habe, weil er jeden Tag im Fernsehen war und somit unterbewusst auch ständig in meinem Kopf war. Ich hatte sogar eine lebensgroße Popeye-Spielzeug-Version. Tattoo-Designs waren auch in jedem Kinderkaugummi drinnen, die wir uns dann immer aufklebten. Eigentlich komisch für ein Land, das gegen Tattoos war, würde man meinen.

Als ich älter wurde und mich für Musik zu interessieren begann, sah ich bei Brian Setzer von den "Stray Cats" eine tätowierte Rockabilly Katze. Dann war da noch Billy Idol mit einem Tattoo einer Frau auf seinem Arm, welches meiner Ansicht nach seiner Zeit voraus war, was Schattierungen und so anbelangt. In diese Richtung wollte ich mich auch bewegen und war mir sicher das zu können. Ich wollte schon immer Tätowierer und Musiker sein und habe beides zur selben Zeit begonnen. Ich mache beides noch immer und werde das auch so lange tun bis ich nicht mehr kann.

#3. Du gehörst zu den wohl bekanntesten Tätowierern der Stadt. Wie kam es zu diesem Erfolg?
Naja, man kennt mich halt dafür, was ich tue und ich bin gut darin. Ich glaube, das ist so, weil ich es mit Leidenschaft mache und Spaß daran habe. Meine Kunden haben immer eine gute Zeit bei mir während sie tätowiert werden - wegen meinem Humor. Ich singe während ich arbeite und die Leute merken auch, dass ich Spaß daran habe. Beim Tätowieren geht es mir nicht nur um das Resultat, der ganze Prozess sollte eine besondere Erinnerung werden.

Warum ich in Wien so bekannt wurde, ist schwer zu beantworten. Bevor ich in Wien ankam waren meine Werke und Interviews schon in jedem Tattoo-Magazin auf der ganzen Welt. Viele bemerkten, dass ich sehr schnell tätowieren kann, die Qualität dabei aber niemals auf der Strecke bleibt. Das ist einfach wie ich arbeite. Ich nehme es mir nicht vor, schnell zu sein, aber die Hand arbeitet nun mal so schnell wie das Gehirn. Seit ich hier in Wien bin habe ich schon viele großartige Leute getroffen und ich denke, die Wildstyle & Tattoo-Messe hat einen wesentlichen Teil zu meinem Erfolg beigetragen.

Jochen Auer, der Erfinder und Produzent der Wildstyle macht extrem viel Werbung für die Künstler, die Teil seiner Show sind - unter anderem in seinem Wildstyle & Tattoo-Magazin, wo jeder Künstler einzeln interviewt wird. Es hilft natürlich auch, dass ich so viele bekannte Rockstars tätowiert habe - die Leute wollen halt einfach von dem tätowiert werden, der auch ihre Rock-Helden tätowiert hat. Oder vielleicht ist es einfach nur meine umwerfende Scharfsinnigkeit und mein irischer Charme. (lacht)

#4. Gibt es einen Tattoo-Stil der für Wiener typisch ist?
Nein, ich glaube nicht. Die Wiener lassen sich eigentlich fast alles tätowieren. Das einzige Limit ist der Verstand. Aber es gibt einige Stile AUS Wien.

#5. Lassen sich manche auch Wiens Wahrzeichen tätowieren?
Ja natürlich - die Silhouette der Stadt ist bei vielen Menschen sehr populär, aber ich kenne auch viele, die sich z.B. die Wiener Arena tätowieren lassen. Also kann man sagen, dass es hier alles von Tourist bis hin zur Subkultur gibt.

#6. Was war das schrägste Motiv, das du je "gezeichnet" hast?
Dazu müsste man zuerst den Begriff "schräg" definieren. Was für dich schräg ist, muss nicht unbedingt schräg für mich oder eine andere Person sein. Seltsamkeit, Unterschiede und Individualität sind die Dinge, die die Welt interessant machen und Tattoos machen das ganze noch bunter.

#7. Du hast schon zahlreiche Stars tätowiert. Ist man da besonders nervös?
Warum sollte ich da nervös sein? Ich mache meine Arbeit, die mache ich schon lange und gut. Wenn ich kein Vertrauen in meine Fähigkeiten hätte, dann wäre Nervosität wohl möglich. Außerdem sind Menschen einfach Menschen, egal ob Rock-Star oder nicht. Manche meiner guten Freunde sind Rock-Stars. Wenn ich in ihrer Nähe bin, werde ich nicht nervös - aber vielleicht werden sie nervös weil ich ja immerhin für das Resultat verantwortlich bin. (lacht)

#8. Was wäre dein persönliches Wunschmotiv?
Ich habe kein Lieblingsmotiv. Ich mag jede Art des Tätowierens und die Herausforderung der einzelnen Stile. Ich spezialisiere mich nicht, da ich alles tun kann und will. Ich bin selbst tätowiert und ich sollte im Stande sein, alles zu tätowieren, was die Leute von mir verlangen. Wenn du daran denkst dich zu spezialisieren, dann hörst du auf zu lernen und bleibst in einem Genre stecken.

#9. Zahlreiche Tätowierer posten auf Instagram Tattoo-Motive, die sie gerne stechen würden und vergeben dafür auch gratis Termine. Machst du das auch?
Ich biete sie nicht gratis an. Als Tätowierer in Wien zu arbeiten, ist teuer - das Equipment wird immer teurer, die Miete ist teuer. Außerdem arbeiten wir mit Blut, also müssen wir auch sehr viel medizinisches Material haben, um den Hygiene-Standards zu entsprechen. Außerdem müssen wir geimpft sein um vor dem Blut der anderen geschützt zu sein.

All das und den Umstand, dass wir mit dem Tätowieren unsere Rechnungen bezahlen, darf man nicht vergessen. Also mache ich das nicht wirklich. Ich denke, manche tun es, um bekannter zu werden, weil das Tätowieren und Tätowierer zu sein sehr schwer ist und der Wettbewerb sehr groß ist. Was ich allerdings mache, wenn ich eine Design habe, das ich gerne tätowieren möchte - ich biete einen Spezialpreis an. Jetzt zum Beispiel gibt es einen Popeye auf meinem Instagram-Account. - Wenn du es willst, lass uns darüber sprechen. (lacht)

#10. Du erwähntest vorhin den Bekanntheitsgrad. Wie wichtig sind heutzutage Social-Media-Plattformen, um sich in Szene zu setzen?
Jede Art von Werbung ist wichtig. Aber soziale Medien oder asoziale Medien, wie ich sie nenne, sind für die jüngere Generation sehr wichtig. Ihre Augen kleben förmlich an ihren Smartphones - also ist es sehr wichtig. Die Zeiten der Webseite oder einem physischen Portfolio sind vorbei. Ich bin auf vielen Social-Media-Seiten mit meiner Arbeit, sowohl Tattoos als auch Musik. Das ist heutzutage einfach notwendig. Aber mein Ratschlag an alle, die sich ein Tattoo stechen lassen wollen, ist, den Tätowierer und seine Arbeit vor Ort selbst anzusehen. Viele sind nämlich mit Photoshop besser vertraut als mit den Tätowier-Maschinen. Ich bin sehr dankbar, nicht aus dieser Generation zu stammen und noch alles auf altem Wege erlernt zu haben und auch Werbung für meine Arbeit zuerst auf die altmodische Art gemacht zu haben.

#11. Tätowierer in Wien - Ist die Stadt dafür geeignet, diesem Job nachzugehen oder wäre man woanders vielleicht "besser aufgehoben"?
Wien ist übersättigt mit Tätowierern. Ich denke, es gibt viel zu viele Studios hier. Die meisten davon sind großartig, aber ich sehe so viel schlechte Arbeit. Generell ist der Standard des Tätowierens extrem hoch mit vielen tollen Künstlern aus Wien. Aber heutzutage will jeder Tätowierer sein und das Equipment wird nicht nur an die Profis verkauft - Danke an Ebay dafür. Die Leute sollten sehr vorsichtig bei der Auswahl ihres Tätowierers sein. Gute Tattoos sind nicht billig und billige Tattoos sind nicht gut.

#12. Wie kam deine Wahl auf Wien als Wohnort?
Warum ich mir Wien ausgesucht habe, um hier zu leben? Die Gesellschaft generell ist sehr friedlich, was besonders toll ist, wenn man aus Irland kommt. Allein von der Optik her ist die Stadt wunderschön und das hat natürlich Einfluss auf die Mentalität. Hier trifft sich die ganze Musikszene, jede große Band aber auch jede kleine Beisl-Band spielt hier. Ich liebe die Wiener Musikszene - und meine Bandkollegen sind auch alles Österreicher.

#13. In Wien werden mittlerweile auch Tattoo-Ausbildungen angeboten. Was hältst du davon? Und: Würdest du selber auch Leute ausbilden?
Ich kenne den Lehrplan nicht und weiß auch nicht, wie sie unterrichten, also ist das schwer für mich zu beantworten. Aber ich denke sehr wohl, dass Ausbildung das Wichtigste am Tätowieren ist. Vom Handwerk des Tätowierens selbst über den Prozess des ganzen Tätowierens bis hin dazu, dass man im Stande sein sollte, seine eigenen Maschinen zu reparieren. Dann gibt es da natürlich noch die medizinische Seite, vom Blut übertragene Krankheitserreger, die Vermeidung von Kreuz Kontamination usw.... In früheren Zeiten haben wir uns die Nadeln für den nächsten Tag noch selbst gemacht und nicht im Geschäft welche gekauft so wie heute. Aber ja - wenn es eine richtige Stelle als Lehrer für mich geben würde, die sich auch mit meiner Ethik vereinbaren ließe, würde ich unterrichten. Aber 30 Jahre Erfahrung würde nicht billig kommen. (lacht) Und es würde Zeit brauchen, dass zu lehren. Nicht so ein Kurs, der nur ein paar Wochen dauert. Das ist nur Bullshit und zieht den Leuten nur das Geld aus der Tasche.

Danke für das Interview!

Wer Danny Bullman persönlich treffen möchte, hat bei der "Wildstyle & Tattoo Messe" die Chance dazu. Neben dem prominenten Tättowierer sorgen dutzende Tätowierer und eine geballte Ladung an neuen Shows, Freaks und Attraktionen für ein unvergessliches Erlebnis und eine Messe der Extraklasse.

Unter anderem als Stargäste dabei: The Mexican Vampire Woman, The Swing Shift Side Show, die wohl beste Freakshow der Welt aus Las Vegas, The Lord Insanity, einer der verrücktesten Freakshow Künstler Europas, Katrina - Die Schlangenfrau, die Wildstyle Showgirls und - quasi als Zugabe - DIE Freakshow Legende & weltweite Tattoo Ikone schlechthin: The Enigma.

Was: Wildstyle & Tattoo Messe
Wo: Planet.tt @ Gasometer, 11., Guglgasse 8
Wann: 8. und 9. April 2017, Samstag 12 bis 24 Uhr und Sonntag 12 bis 20 Uhr
Tickets: Tickets gibt es an den Tageskassen und auf ÖTicket.

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Julia Ichner
Julia Ichner

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