03.04.2017 09:35 |

Pulsierend

China: Glückstipps vom Gott der Liebe

Nicht nur die Tag und Nacht pulsierende Metropole Hongkong, sondern auch die romantische Landschaft der Karstberge am Li-Fluss und die Reisterrassen von Longsheng machen Südchina als Reiseziel lohnenswert. Die Reisterrassen von Longsheng sind eine Reise wert, ebenso wie die pulsierende Metropole Hongkong.

"Foto, Foto" die Rufe des skurrilen Paares aus Sichuan sind unüberhörbar. Er mit blauen Schuhen und Lederhut, sie in bunt-kariert-gestreifter Hose. Munter tänzeln sie heran, das Handy schussbereit. Ein Selfie mit der Langnase aus Aodili soll es werden. Europäer im konkreten Fall aus Österreich sind keine Seltenheit mehr im China von heute. Aber einen Knipser sind sie allemal wert. Dann hasten die beiden weiter, dem nächsten Aussichtspunkt entgegen.

Die Terrassen von Longsheng
Dort breitet sich ein herrliches Panorama über die Terrassen von Longsheng aus. Hier, in 800 Meter Seehöhe, wird schon seit tausend Jahren Reis angebaut. Auf schmalen Streifen Erde, die sich an steile Hänge schmiegen. Unten im Tal gibt es bis zu drei Ernten jährlich, hier oben nur eine. Die zarten Reispflanzen ankeimen lassen, aus dem Wasser nehmen, einsetzen, ausgraben, umackern, die Pflänzchen neuerlich wachsen lassen, dann das Wasser ablassen nach vier bis sechs Monaten gibt es die begehrte Frucht. Reisbauer zu sein ist eine mühevolle Tätigkeit.

Bei den Yao
Es ist das Gebiet der Minderheit der Yao. Eine von 55, die in China leben und für die Sonderrechte gelten. Die Ein-Kind-Politik zum Beispiel, die jahrzehntelang mehr Nachwuchs unter strenge Strafe stellte, hat für sie nie gegolten. Heute sind allen Chinesen wieder zwei Kinder erlaubt. Die Yao-Frauen tragen stets dunkle Kopfbedeckungen, die sie in der Jugend selten abnehmen, sogar für den Geliebten erst in der Hochzeitsnacht. Darunter verbergen sich endlos lange Haare, die bei jedem Mädchen nur einmal  mit 18 geschnitten werden. Sie gelten als beliebtes Fotomotiv.

Die Karstberge bei Yangshuo
Die Kamera bereitzuhalten lohnt sich auch etwas weiter südlich, in den zauberhaften Karstbergen bei Yangshuo. Auf einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern ragen unzählige runde Felsen, einem umgestürzten Pudding nicht unähnlich, aus der Ebene. Am schönsten zu bewundern sind die Gipfel von Schiffen auf dem Li-Fluss aus, die täglich von Guilin nach Yangshuo fahren. Die Boote schlängeln sich in engen Kehren über das teils nur 30 Meter breite Wasser. Kein Wunder, dass die romantische Landschaft die Fantasie unzähliger Maler beflügelt hat. Sie galt als Symbol des alten China, am passendsten in zarten Pastelltönen.

In Yangshuo
Auf dem Markt der kleinen Stadt Yangshuo pulsiert das pralle Leben. Dort zeigt sich, was so täglich im Haus des Herrn Won oder Chen auf den Tisch kommt. Hier im Süden wird sehr scharf gegessen. Die Sauce mit Chili und Knoblauch in Öl gibt es überall. Auch in Restaurants steht sie auf jedem Tisch. Essen gehen in China, das ist Abenteuer pur. Ein kulinarisches halt. Vieles ist anders und mit einem China-Lokal in Österreich kaum vergleichbar. Manchmal wird artenschutzrechtlich Bedenkliches serviert, wie Bienenlarven. Knusprig gebratene Heuschrecken dienen als Ersatz für Knabber-Chips.

Ein wesentlicher Unterschied zur Küche im Ursprungsland China ist auch: Chinesen essen von jedem Tier alles. Es wird nichts weggeworfen, Knochen selten ausgelöst. Und Essen soll auch im Sinne der Philosophie von Yin und Yang der Gesundheit zuträglich sein: Enteneier mit Schlange hilft gegen Erkältungen, so heißt es. Schlange im Schnaps ebenfalls, war das Tier giftig, dann soll es besonders wirken. Und Schildkröte soll für hohes Alter garantieren.

Vom Gebiet um den Li-Fluss ist es gar nicht mehr weit zurück nach Hongkong, dem Ausgangspunkt der Reise. Schon lange nicht mehr war der "duftende Hafen", so die Übersetzung des Namens, von Österreich aus so leicht erreichbar: ohne Umsteigen und bequem mit der AUA. Und weil sich China so gar nicht für Individualreisen eignet, ist es angeraten, gleich bei einem qualifizierten Reiseveranstalter zu buchen.

Hongkongpulsiert wie eh und je
Hongkong ist Staat im Staat geblieben. Ein Zaun und Passkontrollen trennen Hongkong vom Rest des Landes. Da man gewaltigen Zustrom befürchtete, dürfen Chinesen nur mit Visum einreisen. Hier ist auch alles ein wenig anders: Google und Facebook sind im Internet erreichbar, und jeder sagt, was er will. Die Stadt pulsiert wie eh und je. Auch im Wong-Tai-Sin-Tempel, einem eher schrillen denn spirituellen Ort. Hier glosen die Räucherstäbchen, was dem Glück auf die Sprünge helfen und böse Geister vertreiben soll. Mehr als 10.000 Besucher kommen täglich hierher. Viele, weil sie die Dienste der 130 Wahrsager in Anspruch nehmen wollen. Für nur vier Euro gibt es eine Antwort.

Liebesgeschichten und Heiratssachen sind neben der Gesundheit die wichtigsten Themen. So lautet die erste Frage nach den Wünschen der Kunden auch: "Love or health?". Zumal sich im Tempel in Sachen Liebe sogar das Denkmal einer eigenen Gottheit befindet: Der mild dreinblickende "Yue Lao", links und rechts von der Statue eines Mannes und einer Frau eingerahmt. Und er hält die roten Bänder der Liebe fest in Händen.

Oft nehmen sogar spielsüchtige Hongkong-Chinesen die Dienste der Wahrsager in Anspruch, ehe sie ihr ganzes Geld verwetten. Ihre Leidenschaft können sie aber nicht in der Heimat genießen, sie müssen ins gegenüberliegenden Macao fahren. 48 Casinos sorgen in der früheren portugiesischen Kolonie für sechsmal mehr Umsatz als in Las Vegas.

Für das Shoppen in Hongkong sind Canton und Nathan Road die besten Anlaufstellen. Jede wichtige Marke der Welt ist hier vertreten. Bei Louis Vuitton ist der Ansturm so groß, dass nur eine Tasche pro Kunde verkauft wird. Sonst wäre das Geschäft bald leer. Und das bei Preisen von 3000 Euro und mehr für eine Tasche. Ganz in der Nähe warten die 14 hoteleigenen Rolls Royce der Edelbleibe "The Peninsula" auf den Einsatz als Shuttledienst. Und gleich daneben an der Spitze der Wolkenkratzer der Stadt haben es sich die Ultrareichen bequem gemacht. Einer von ihnen, ein Herr Li Ka-shing, ist Chef von Hutchison. Dem Milliardenkonzern mit 270.000 Mitarbeitern gehört auch der heimische Handybetreiber Drei.

Victoria Peak
Wem der Trubel zu viel wird, der kann auf den Aussichtsberg Victoria Peak flüchten. Oder einen Drink in einer Bar in luftiger Höhe genießen. Oder an einer Teezeremonie teilnehmen. Seit Jahrtausenden hat sich an ihr nichts verändert, egal, wer das Volk im Riesenreich beherrscht hat.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

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