Fr, 20. Juli 2018

Drama in Guatemala

09.03.2017 16:34

Brandstiftung in Jugendheim: 28 Mädchen tot

Bei einem Brand in einem überfüllten Heim für misshandelte Kinder und Jugendliche im mittelamerikanischen Guatemala sind 28 Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren ums Leben gekommen. Dutzende weitere seien mit teils lebensgefährlichen Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht worden, teilten die Behörden in der Nacht auf Donnerstag mit. Berichten zufolge war in dem Heim im Zuge einer Revolte wegen der schlechten Verpflegung sowie mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs durch das Personal Feuer gelegt worden.

Mehrere Jugendliche seien in der Nacht ihren schweren Verbrennungen erlegen, teilten Krankenhaussprecher am Donnerstag mit. Die Regierung ordnete dreitägige Staatstrauer an. "Die Regierung bedauert den Tod der Mädchen und Jugendlichen zutiefst", hieß es in einer Stellungnahme. Die Nationalflaggen im ganzen Land wurden auf halbmast gesetzt und öffentliche Veranstaltungen abgesagt.

Viele Verletzte in kritischem Zustand
38 Jugendliche wurden in Krankenhäusern behandelt. Viele Verletzte waren in kritischem Zustand. "Sie haben Verbrennungen zweiten und dritten Grades erlitten", sagte der Direktor des Roosevelt-Spitals in Guatemala-Stadt, Carlos Soto, der Zeitung "Prensa Libre". "Die Verbrennungen, die ich gesehen habe, betreffen 50 Prozent der Körperoberfläche." Im Hospital San Juan de Dios wurden 16 Jugendliche mit schweren Verbrennungen behandelt. "Einige wurden operiert, andere werden künstlichen beatmet", sagte Klinikdirektor Juan Antonio Villeda.

Randalierende Jugendliche steckten Matratzen in Brand
In der Nacht auf Mittwoch waren wegen der schlechten Lebensbedingungen in der Einrichtung etwa 60 Jugendliche aus dem Heim geflohen. Danach brach eine Revolte aus. Ersten Ermittlungen zufolge steckten randalierende Jugendliche Matratzen in Brand. Das Feuer breitete sich dann rasch auf den Rest der Einrichtung aus.

Katastrophale Zustände in völlig überfülltem Heim
Die Jugendeinrichtung in der Kleinstadt San Jose Pinula nahe der Hauptstadt wird von der staatlichen Wohlfahrt betrieben. In dem Haus sind Kinder und Jugendliche untergebracht, die wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Vorgesehen war das Heim für 400 Bewohner, laut Medienberichten leben dort aber fast doppelt so viele.

Die Minderjährigen hatten sich in der Vergangenheit immer wieder über schlechtes Essen in der Einrichtung sowie sexuellen Missbrauch durch die Betreuer beschwert. Es gab auch Hinweise darauf, dass Heimbewohner als Prostituierte rekrutiert wurden. Zudem wurden zuletzt auch kriminelle Jugendliche in dem Haus untergebracht, was zu erheblichen Spannungen führte.

"Diese Tragödie hätte verhindert werden können"
Die gemeinsame Unterbringung der Heimkinder mit kriminellen Jugendlichen sei ein Fehler, sagte Sozialminister Carlos Rodas. Die Chefjuristin der Regierung verwies darauf, ihre Behörde habe zuletzt bei zwei Richtern um die Verlegung besonders auffälliger Jugendlicher gebeten, die Genehmigung sei aber nicht erteilt worden. "Diese Tragödie hätte verhindert werden können." Die Generalstaatsanwaltschaft leitete eine Ermittlung ein.

 krone.at
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