Mo, 16. Juli 2018

30.10.2006 10:31

König Ottokars Glück und Ende

Das freie Wort
"König Ottokar" im ORF als Mitternachtseinlage. Theaterbesuch oder gemütliches Heimfernsehvergnügen, diese Frage stellt sich nicht. Abgesehen davon, dass die gesamte Atmosphäre, das ganze Flair eines altehrwürdigen Theaters fehlen, es würde zumindest einer Kinoleinwand bedürfen, um die Gesamtwirkung einer solchen Inszenierung wie Martin Kusejs König Ottokar herüberzubringen. 3D wäre noch besser.

Ironie beiseite, natürlich hat die Fernsehaufzeichnung ihre Vorteile. So nahe wie die Kamera kommt keiner der Theaterbesucher an die Schauspieler heran. Peter Schönhofers Bildregie zeigt Regungen, Details, Bewegungen, die dem Theaterbesucher oft verborgen bleiben. Dafür kann der Theaterbesucher allerdings selbst entscheiden, wohin sein Blick und sein Interesse sich jeweils wenden. Bei der Fernsehaufzeichnung entscheidet das der Regisseur für ihn.

Trotzdem, eine Fernsehaufzeichnung ist eine durchaus sehenswerte Variante und bietet auch Leuten, die keine Möglichkeit haben, ein Theater zu besuchen, diesen Kunstgenuss. Bleibt zu hoffen, dass zahlreiche Seherinnen und Seher es wert gefunden haben, für "Ottokar" eine lange Fernsehnacht einzuplanen. Denn über die Sendezeiten solcher kultureller Großereignisse ist kein Wort zu verlieren.

Kultur war, ist und bleibt leider ORF-Minderheiten vorbehalten. Solange die Quoten nicht stimmen, fehlt die Nachfrage der Werbekunden, und vom Bildungsauftrag des Staatsfernsehens, dessen Gebühren aufgezwungen werden, ist schon lange keine

Rede mehr.




Christa Katharina Dallinger, per E-Mail
erschienen am So, 29.10.

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