Wien intim - Teil 4

Die erotischen Seiten der Stadt: Die BDSM-Bar

Viele Menschen träumen von erotischen Erlebnissen, Alfred (50) lässt sie Realität werden. Mit seiner Erlebnis-Agentur "Travellers of Joy" sorgt er mit einem kleinen Team für die Verwirklichung von sinnlichen Fantasien und erfüllt nahezu jeden Wunsch. Neben größeren Veranstaltungen sowie speziell auf einzelne Personen zugeschnittenen Abenteuern, bietet er auch erotische Touren durch die Stadt. City4U hat ihn auf einem solchen "Spaziergang" begleitet.
Teil 4: Die BDSM-Bar

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War man noch nie in einer BDSM-Bar erwartet man - den Vorurteilen entsprechend - wohl, neben jeder Menge Lack und Leder, vor allem zahlreiche Peitschen, durchaus einige düstere Räumlichkeiten oder eventuell sogar den ein oder anderen Mann mit Maske am Gesicht. In der "No Limits"-Bar gibt es diese Stereotype nicht. "Wir haben etwa ganz bewusst auf das typische Andreaskreuz verzichtet", so Inhaber Gerald und selbst SM-Fan, gleich nach der Begrüßung.

"Ein großes Spielzimmer"

Von außen ist das "No Limits" nicht sofort als Bar zu erkennen. "Wir verzichten bewusst auf Laufkundschaft" wird erklärt. In der Szene bekomme man Neueröffnungen dieser Art sowieso rasch mit. "Vor allem auch weil meine Frau zum damaligen Gründerteam des Smart-Cafe (Anmerkung Redaktion: Das Smart Cafe ist die bekannteste BDSM-Bar der Stadt) gehörte". Und, weil die "Szene sehr überschaubar ist." Die Vielfalt an BDSM-Bars ist entsprechend gering, die bekannten Lokale leicht auf einer Hand abzählbar.

Im Vergleich zu den anderen Bundesländern nimmt Wien dennoch eine Vorreiter-Rolle ein. "30 bis 40 Prozent unserer Gäste kommen aus den Bundesländern zu Besuch, einfach weil es dort keine passenden Angebote gibt." Die meisten werden zu Stammkunden, sind mehrmals wöchentlich zu Gast. Anders als in Swinger-Clubs oder -Bars muss man hier keinen Eintritt zahlen, wenn man auf ein Bier vorbei schauen will.

Stolz führt Gerald durch die Räumlichkeiten. "Wir möchten Menschen, die BDSM lieben und ein Faible für Fetisch haben, zusammenbringen. Deshalb gibt es im No Limits auch keine Séparées oder abgegrenzte, geschlossene Bereiche", erklärt er. Die Offenheit des Geistes wird auch architektonisch entsprechend gespiegelt.

Statt etlichen Fesseln erblickt man zahlreiche aus Holz gefertigte Spezialkonstruktionen. Die hochwertige Einrichtung überzeugt und beeindruckt sofort. "Alles selbst gemacht!", so Gerald stolz. "Der Variationsreichtum der Sexualität ist das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Ich habe zahlreiche Ideen in meinem Kopf und Gottseidank einen tollen und handwerklich begabten Künstler an meiner Seite, welcher meine Ideen dann auch in die Tat umsetzt." Egal, ob die Tische, Stühle oder die Bar selbst: Alles ist eigens kreiert, handgefertigt und - definitiv wunderschön.

Ist bei einzelnen Stücken die Verwendung auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich nimmt sich Gerald gerne und ausreichend Zeit um alles zu erklären. Etwas auszuprobieren wird hier sogar forciert. Für jeden Geschmack gibt es das passende "Equipment", auch an der Wand gefesselt zu hängen während jemand anderes daneben seinen Cocktail schlürft ist damit durchaus eine Option. Im hinteren Bereich wurde zudem ein kleiner Kerker installiert.

"Wertschätzung wird groß geschrieben"

"Der Fantasie sowie den Möglichkeiten sind im No Limits keine Grenzen gesetzt." Solange man sich an die Hausordnung und an die BDSM-Ordnung hält. "Das No Limits ist grundsätzlich für alle Spielarten im Bereich BDSM und Fetisch offen. Wir legen aber Wert auf Niveau, gegenseitige Wertschätzung und die nötige geistige Reife."

Dazu gehört es vor allem auch Grenzen zu akzeptieren, wie sich nach dem zweiten Drink an der Bar deutlich zeigt. "Darf ich deine Füße massieren?", fragt Holger (Name von der Redaktion geändert) von links und macht leichte Anstalten sich nach unten zu bücken. Mein erster Kontakt mit einem Fuß-Fetischisten. Bis dato habe ich von solchen Vorlieben nur gelesen oder gehört. Und, auch wenn ich grundsätzlich sehr aufgeschlossen bin, winke ich mit einem "Nein, danke" freundlich ab. Offensichtlich ein Signalwort. Ohne Diskussion wird mein Widerstand sofort akzeptiert.

"Es wird dich keiner beissen, außer du willst es!"

Das ist selbstverständlich in der Szene", erklärt mir "Reiseführer" Alfred. "BDSM, SM oder auch DS ist immer eine Spielart zwischen Menschen und muss das auch bleiben, natürlich auch mit den damit verbundenen Regeln. Eines obersten Gebote ist es dabei, ein nein als solches auch zu akzeptieren. Ebenso wie der freundliche und wertschätzende Umgang miteinander." Gerald ergänzt schmunzelnd: "Hier wird dich keiner beissen, außer du willst es."

Wir bestellen ein weiteres Getränk. Schon nach kurzer Zeit fühlt man sich hier sehr familiär. Erst in den frühen Morgenstunden verlassen wir das Lokal. Die anderen Gäste bleiben noch sitzen, führen angeregt ihre Gespräche fort. Manche machen vielleicht noch mehr. Soviel sie wollen. Denn, wie immer gilt: Die Grenzen dieses Abends bestimmt allein der gute Geschmack ...

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Julia Ichner
Julia Ichner
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