So, 19. August 2018

Nach Lawinenabgang

20.01.2017 11:58

6 Menschen lebend aus verschüttetem Hotel geborgen

Nach dem von einem Erdbeben ausgelösten Lawinenabgang, bei dem in den Abruzzen am Mittwochabend das abgelegene Luxushotel Rigopiano in der Gemeinde Farindola verschüttet worden war, haben die italienischen Rettungskräfte Freitagmittag sechs Menschen lebend aus den Schneemassen geborgen. Mehr als 20 Personen gelten noch als vermisst.

Die Rettungseinheiten hatten sich in der Nacht auf Donnerstag acht Kilometer weit auf Skiern ihren Weg durch Schnee und Eis zum Hotel Rigopiano auf einer Höhe von 1.200 Metern gebahnt. Bei Temperaturen von minus vier Grad Celsius tobte zudem ein Schneesturm in der Region.

"Wir haben um vier Uhr das Hotel erreicht. Vom ganzen Gebäude war nichts mehr zu sehen, nur ein weißer Hügel. Wir haben in der Ferne ein Licht gesehen, das war der Stromgenerator des Heizungsraums. Danach haben wir das Auto gesichtet, in dem die zwei Überlebenden saßen. Sie konnten sich retten, weil sie das Auto heizen konnten", berichtete Lorenzo Gagliardi, der mit einem Alpinistenteam als erster den Unglücksort erreichte.

Helfer: "Wir haben mit Schaufeln und Händen gegraben"
"Wir haben mit Schaufeln und Händen gegraben. Wir wussten, dass im Schnee eine Person lag. Ich habe ihr zugeflüstert und gesagt, wir würden sie retten, doch es war schon zu spät. Ich empfinde eine Ohnmacht, weil wir nichts tun konnten", sagte der 48-jährige Gagliardi. "Ich war schon bei vielen Lawinen im Einsatz. Ich habe Menschen bei den Erdbeben in L'Aquila, Norcia und Amatrice gerettet. Doch hier ist es anders. Ich habe diesen verzweifelten Vater kennengelernt, der um seine Familie bitterlich weinte. Ich muss ihm seine Familie zurückbringen", sagte Gagliardi.

Der Vater, der 38-jährige Koch Giampiero Parete, konnte gerettet werden: "Ich bin am Leben, weil ich aus dem Hotel gegangen bin, um meiner Frau Kopfschmerztabletten aus dem Auto zu holen", sagte er. Die Lawine verschüttete seine Frau, seine sechsjährige Tochter Ludovica und seinen achtjährigen Sohn Gianfilippo. Parete wurde zwar selbst verschüttet, konnte sich jedoch befreien. Von seinem Auto aus bat er seinen Freund und Arbeitgeber Quintino Marcella um Hilfe und wartete dann auf Rettung. Schwer unterkühlt wurde er per Hubschrauber ins Krankenhaus von Pescara geflogen. Er war aber nicht in Lebensgefahr.

Psychologen und Ärzte betreuen Angehörige
In der Ortschaft Penne zu Füßen des Gran Sasso wurde eine Unterkunft für die Angehörigen der Vermissten eingerichtet. Rettungseinheiten, Psychologen und Ärzte übernahmen die Betreuung. Inzwischen wurde eine offizielle Liste der Vermissten veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Italiener, darunter der Eigentümer des Hotels und seine Mitarbeiter, sowie drei Kinder.

Zu den Vermissten zählt auch ein Ehepaar aus Osimo in der Provinz Ancona und ihr sieben Jahre alter Sohn. "Wir warten mit größter Sorge auf Nachrichten", sagte der Bürgermeister von Osimo, Simone Pugnaloni. Auch ein Paar aus Ascoli soll sich unter den Trümmern des Hotels befinden. Die Staatsanwaltschaft von Pescara ermittelt wegen Fahrlässigkeit. Angeblich sollen die örtlichen Behörden vor akuter Lawinengefahr gewarnt haben.

Bisher vier Leichen geborgen
Bisher wurden vier Leichen geborgen. Die Zahl der Vermissten schwankt zwischen 25 und 35. Noch ist unklar, ob sich im Hotel zum Zeitpunkt des Unglücks Personen aufhielten, die nicht als Gäste gemeldet waren.

Die Lage in dem verschneiten Bebengebiet bleibt weiterhin kritisch. Die Schneeräumung komme nur schleppend voran, weil wenige Fahrzeuge zur Verfügung stehen, klagten die Bewohner der Gegend. Mehrere Touristen steckten seit Tagen in Ortschaften am Apennin fest. Die Gegend wurde von den heftigsten Schneefällen seit Jahren heimgesucht. Am Mittwoch war es in der Region darüber hinaus zu Erdbeben mit Stärke von über 5 gekommen.

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