Mo, 10. Dezember 2018

Ingeborg Bachmann

15.01.2017 19:07

Schauspielhaus Graz: Ein strenges Gefühls-Pingpong

Ingeborg Bachmann und Paul Celan verband eine komplizierte Romanze. In "Der gute Gott von Manhattan" in Haus Zwei des Schauspielhaus Graz macht sich die Sehnsucht nach erfüllter Liebe breit, samt strafendem Gott und böser Eichhörnchen. Mathias Lodd und Tamara Semzov sind die zum Scheitern verurteilten Liebenden von New York.

Ingeborg Bachmann und Paul Celan waren zwei kompliziert gestrickte Dichter-Menschen, die einander auf ungeheuerlich feinfühlige Art und Weise unglücklich machten. Und wohl auch glücklich. Regisseurin Claudia Bossard hat den realen Briefwechsel zwischen den überspannten Jahrhundert-Lyrikern und weltmeisterlichen Wortmetzen in ihren Theaterabend eingewoben, der eigentlich Bachmanns Hörspiel "Der gute Gott von Manhattan" gewidmet ist.

1957, unter dem Eindruck der seltsamen Beziehung zu Celan, verfasste sie die märchenhafte Liebesgeschichte, die unweigerlich in den Tod führt. Samt hollywoodreifer, schicksalhafter Zufallsbegegnung auf einem New Yorker Bahnhof, einem strafenden Gott, der eine Bombe schickt, und sinistren Eichhörnchen als Boten der Vernichtung.

Ein Stück über die Unmöglichkeit der Liebe
Claudia Bossard hat sich dem vor Sehnsucht vergehenden Spiel über weite Strecken zurückhaltend, mit großem Respekt vor dem literarischen Gestus genähert. Vera Bommer und Nico Link sind zwei Kriminalisten, die dem von Tamara Semzov und Mathias Lodd gespielten Paar nachforschen und bis zur Identifikation tief hineingezogen werden in das vom "Guten Gott" (Franz Xaver Zach) manipulierte Spiel.

Ahörnchen und Behörnchen lassen große Liebesgeschichten Revue passieren, ein bisschen Rennrad wird gefahren, und zwei Mäntel sind zum Waschen. Sonst lenkt wenig ab vom Gefühls-Pingpong, von diesem Text, in dem die Liebe absolut ist und doch zum Scheitern verurteilt wird. Bildhaft wird es erst zum Finale, wenn man im Lied einander quer über die Kontinente verliert, auf Reisen nach dort, wo die Liebe nicht nachkommt. Ein poetisches Stück über die Verlorenheit und Unmöglichkeit der Liebe in einer grausam geordneten Welt.

Martin Gasser, Kronen Zeitung

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