Fr, 14. Dezember 2018

Alarm der Mediziner

11.01.2017 15:45

Tiroler sind Impfmuffel: Maserngefahr steigt

Eine hoch ansteckende Krankheit mit schweren Nebenwirkungen und vergleichsweise hoher Todesrate - gemeint sind Masern. In Innsbruck beraten Mediziner, wie man die Bevölkerung von der schützenden Impfung überzeugen kann. Die Tiroler sind Impfmuffel! Dabei könnte die Krankheit laut WHO längst ausgerottet sein.

Prof. Reinhard Würzner, Impfexperte an der Sektion für Hygiene der Medizin-Universität Innsbruck, weist mit Nachdruck darauf hin: "Masern ist nicht nur eine Kinderkrankheit. Wer nicht geimpft ist, bekommt die Krankheit garantiert irgendwann. Unter 1000 Patienten registrieren wir ein bis zwei Todesfälle. Jeder 200. Patient bekommt eine schwere Gehirnentzündung. Nur impfen schützt."

Doch vom Impfen halten viele Tiroler offenbar nichts. Würzners Kollege Peter Kreidl, der die Fachtagung in Innsbruck organisiert, hat aufschlussreiche Daten parat: "In Tirol liegt die Durchimpfungsrate zwischen 70 und 80 Prozent. In den Bezirken Kufstein, Kitzbühel und Reutte ist sie am niedrigsten." Die Weltgesundheitsorganisation WHO verfolgt das Ziel, Masern und die ebenfalls höchst ansteckenden Röteln auszurotten. Erreichbar ist das, wenn 95 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft werden. In einigen Ländern ist dieses Ziel bereits erreich. "Zwei Dosen der Kombi-Impfung für Masern-Röteln-Mumps sind notwendig. Dann ist man ein Leben lang geschützt", erklären die Mediziner.

Beim Impfverhalten befinden sich die Tiroler in guter Gesellschaft. "In deutschsprachigen Ländern orten wir eine zunehmende Impfskepsis und -müdigkeit. Dazu trägt auch bei, dass im Internet die Impfgegner sehr aktiv sind", erklärt die Grazer Wissenschaftlerin Andrea Grisold von der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene. Dabei liege, so Würzner, die Gefahr von Impfschäden bei rund eins zu einer Million.

Rund 50 Experten tagen derzeit in Innsbruck, um über eine bessere Aufklärung zu beraten. Über Hausärzte und andere Gesundheitsberufe will man die Bevölkerung in Zukunft sensibilisieren. Vor allem Eltern: denn die in Tirol kostenlose Impfung sollte - so die Empfehlung - bis zum 2. Lebensjahr durchgeführt werden.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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