Mi, 26. September 2018

Gosling & Stone

11.01.2017 12:40

Ein Hoch auf die Träumer: "La La Land"

Ach, verliebt sein - das kann der Beginn von etwas Wunderbarem sein. "Oder nur ein weiterer Traum, den ich nicht erfüllen kann", singt Ryan Gosling als Jazzpianist Sebastian, der sich im betörend melancholischen wie wunderbar mitreißenden Hollywoodmusical "La La Land" (Kinostart: 13. Jänner) in Schauspielerin Mia, gespielt von Emma Stone, verliebt. Siebenfach Golden-Globe-prämiert und Oscar-Favorit!

Regisseur Damien Chazelle macht gleich eingangs klar, womit wir es zu tun haben: Unter der brennenden Sonne von Los Angeles entfliehen Menschen im Stau kurzzeitigen ihren Autos, beginnen zu singen und zu tanzen - und das in einer langen, fulminanten Einstellung, die mit dem ersten Blickkontakt von Mia und Sebastian endet: Er hupt sie an, sie zeigt ihm den Mittelfinger. Es ist kein guter Start, und es braucht noch mehrere Zufallsbegegnungen, bis es zwischen den beiden funkt.

Bevor es soweit ist, lernen wir die beiden getrennt voneinander kennen. Mia träumt vom Durchbruch als Schauspielerin, hetzt von einem erniedrigenden Vorsprechen zum nächsten und hält sich als Barista in einem Coffeeshop am Studiogelände von Warner Bros. über Wasser. Der Jazzkomponist und Pianist Sebastian träumt vom eigenen Jazzclub, spielt nach einem gescheiterten Deal um eine geschichtsträchtige Bar aber wieder die immer selben Weihnachtslieder im Restaurant - und wird vom sadistischen Manager (großartiger Gastauftritt von "Whiplash"-Fiesling J.K. Simmons) gefeuert, als er mal wieder eine Eigenkomposition anstimmt.

Man trifft sich also zum richtigen Zeitpunkt: Die lebensfrohe Mia dürfte nicht mehr allzu viele Zurückweisungen ertragen und der kompromisslose Sebastian ist kurz davor zu verbittern. Singen und steppen sie in einer hinreißenden Szene vor dem violett leuchtenden Panorama des abendlichen L.A. vorerst gegen das Schicksal an, verlieben sich die Sturköpfe eben doch ineinander und bestärken einander in ihren Ambitionen. Doch in einer Stadt, die schon große Stars hervorgebracht und noch mehr Existenzen zerstört hat, werden ihre Beziehung und Durchsetzungskraft auf eine harte Probe gestellt...

Es ist an sich schon ein kleines Wunder, dass es "La La Land" gibt - mit seinen opulenten Tanz- und Gesangsnummern in Cinemascope, wie man sie seit der Blütezeit der Hollywoodmusicals in den 40er- und 50er-Jahren nicht gesehen hat, und diesen illustren Farben, die wie einst bei Jacques Demys Musical-Melodram "Die Regenschirme von Cherbourg" (1964) förmlich von der Leinwand springen. Chazelle zitiert lustvoll Klassiker, von Gene Kellys Schwung um die Laterne in "Singin' in the Rain" bis hin zur surreal-kitschigen Tagtraumsequenz a la "Ein Amerikaner in Paris", und weiß doch erfrischend Neues beizutragen.

Subtil ist der Bruch nach dem ersten Kuss der Liebenden, wenn es mit den elaborierten Choreografien erstmal vorbei ist und die bittersüße Realität hereinbricht, in der u.a. R&B-Star John Legend eine größere Rolle spielt.

Es ist die große Stärke dieses Films, dass er authentisch von einem jungen Paar und seinen Problemen im modernen Los Angeles, von Limitationen in der Liebe und Frustrationen in künstlerischer Erfüllung erzählt, und sich doch stets seine Magie bewahrt. Als Zuseher ist man nicht verwundert, wenn die Zwei erst durch die Gänge des Planetariums tanzen und dann wie selbstverständlich in den Sternenhimmel schweben, und verlässt den Kinosaal dann auch in einer Art Schwebezustand.

APA

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