So, 21. Oktober 2018

Zehn Highlights

20.12.2016 14:58

Rückblick auf 2016: Die besten Alben des Jahres

Es ist schwierig bei der unendlichen Fülle an Alben aus allen verschiedenen Genres die großen Favoriten zu küren - wir haben es dennoch wieder versucht und uns für die zehn besten Alben des Jahres 2016 entschieden. Natürlich streng subjektiv und alphabetisch geordnet. Welche Werke sind Ihre Favoriten?

Asphyx - Incoming Death
Ja, in persönlichen Bestenlisten darf es ruhig auch einmal etwas derber rumpeln. Was die holländischen Death-Metal-Rabauken von Asphyx auf ihrem neunten Studioalbum fabrizieren, kann man durchaus als alles vernichtende Walze bezeichnen. Den Zweiten Weltkrieg zitieren Martin van Drunen und Co. nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch. Songs wie "Division Brandenburg", "Wardroid" oder "Wildland Fire" lassen den Hörer selbst in beschossene Schützengräben zurückdenken und der für Holländer viel zu inflationär verwendete Terminus "Tulpenschlächter" hat hier seine volle Berechtigung. Death Metal, wie er früher einmal war - mit dem Sound von heute.

David Bowie - Blackstar
Sein Tod nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag erschütterte die Musikwelt in ihren Grundfesten. Das knapp davor veröffentlichte Studioalbum "Blackstar" geriet zu einem Abschiedsgruß, Song für Song konnten Fans und Experten das prophezeite Todespuzzle zusammenbauen. Nicht einmal seinem Jazz-Ensemble gab er ob seiner Krebserkrankung Bescheid. Vor allem das eindringliche "Lazarus" treibt mit der Textzeile "Look up here, I'm in heaven, I've got scars that can't be seen" noch immer einen Schauer über den Rücken. "Blackstar" war der einzig logische Abgesang des größten Pop-Chamäleons aller Zeiten: ein mit Rätseln und Finten durchsetztes Meisterwerk, das ihn für alle Zeiten unsterblich macht.

Nick Cave And The Bad Seeds - Skeleton Tree
Wenn Musik Schmerzen verursachen kann, dann auf diesem Album. Nick Cave, Zeit seines Lebens ein von tragischen Schicksalen geplagtes Musikergenie, verlor während der Aufnahmesessions seinen 15-jährigen Sohn Arthur, der von einer Klippe stürzte und verstarb. Das - auch filmdokumentarisch umgesetzte - Album "Skeleton Tree" wurde somit zum vielleicht intensivsten durchdringendsten Album der Pop-Historie. Mit dunkler Elektronik, brechender Stimme und bedrückender Atmosphäre kämpft der Australier 40 Minuten lang gegen die Schwere des Verlusts und für neu aufflammende Hoffnung. Cave kreiert die vielleicht persönlichste Platte, die menschenmöglich umsetzbar ist.

Leonard Cohen - You Want It Darker
2016 war gewiss ein hartes Jahr für die Pop- und Rock-Kultur. Doch wie schon zuvor David Bowie verstand es auch der kanadische Songwriting-Poet Leonard Cohen geschickt, sein drohendes Ableben in ein musikalisches Meisterwerk zu gießen. Mit kellertiefer Bariton-Stimme und der textlich-poetischen Herangehensweise an die eigene Endlichkeit, hat sich der 82-Jährige elegant und melancholisch von der Welt da draußen verabschiedet. Sohn Adam produzierte das in Cohens Wohnzimmer in L.A. aufgenommene Album und wurde somit Zeitzeuge vom elegischen Ende einer großen Ära. Die ganze Welt zieht ehrfurchtsvoll den Hut.

Descendents - Hypercaffium Spazzinate
Genug der Bedrücktheit - mit "Hypercaffinum Spazzinate" feierte diesen Sommer eine Band ihr x-tes Comeback. Die Descendents, Urväter und Wegbereiter des kalifornischen Punk Rock, sind außerhalb des Projekts entweder Biologie-Professoren oder Musiker. Alle heiligen Zeiten lassen sie ihre eigene Legende hochleben und touren in alternativen Rockclubs wie zu Teenager-Zeiten. Das gegenwärtige Album dreht sich um Krankheiten, Nostalgieanfälle und die besonders enge Freundschaft der Musiker über alle Bandgrenzen hinweg. Milo Aukerman singt dabei so juvenil wie vor drei Dekaden und die zwanglose Instrumentierung führt jeden Hörer in seine eigene Jugendzeit zurück.

Dinosaur Jr. - Give A Glimpse Of What Yer Not
Der Indie Rock mäandert heute entweder zwischen engst anliegenden Hipster-Stretchhosen oder biedert sich allzu offensichtlich am Alternative-Rock-Sektor an. Eine zeitlose Konstante sind die US-Amerikaner Dinosaur Jr., denen in diesem Jahr mit dem vierten Post-Reunions-Album erneut ein Meisterwerk der reduzierten Töne gelang. Eigenbrötler J Mascis nölt in bester Tradition schlampig ins Mikro, dahinter pumpt die Instrumentalfraktion wie ein Uhrwerk und macht gar keine Anstalten, vom bisherigen Erfolgsrezept auch nur marginal abzukehren. Dinosaur Jr. sind so unkaputtbar wie dicke Wollpullis und schnoddrige Flanellhemden.

Garbage - Strange Little Birds
Ende der 90er-Jahre war Shirley Manson das alternativste Poster-Girl in den Kinderzimmern pubertierender Musikentdecker. Knapp 20 Jahre später hat die fleißige Kämpfern für Gleichberechtigung und Feminismus nichts von ihrer reschen, aber sympathischen Attitüde eingebüßt. Die dem Grunge zugetanen Alternative Rocker Garbage mögen vielleicht nicht mehr die Coolness ihrer Hochphase haben, aber zumindest noch das kompositorische Geschick. "Strange Little Birds" erinnert an das Debüt, zeigt die Hauptprotagonistin aber verletzlicher und introvertierter. Garbage verlieren die Angst vor breitflächigen Soundwänden und überzeugen damit restlos.

Iggy Pop - Post Pop Depression
Nicht jedes Legendenkapitel dieses Musikjahres war dunkel und mit Tod behaftet. Der auch schon 69-jährige Iggy Pop wirkt jünger und fitter als je zuvor und veröffentlichte mit "Post Pop Depression" so nebenbei sein bestes Album seit knapp 40 Jahren. Schuld daran ist nicht nur der in Bestform singende "Godfather Of Punk", sondern auch die trockenen Desert-Rock-Riffs von Queens Of The Stone Age-Boss Josh Homme. In "German Days" blickt Pop romantisch auf die goldenen Tage mit seinem Lebensmensch David Bowie zurück und schließt damit einen persönlichen Kreis. Iggy beweist mühelos, dass weder er, noch der Garage Rock dem Tod geweiht sind.

Primal Scream - Chaosmosis
Primal Scream-Kopf Bobby Gillespie war schon immer der mysteriöseste aller Brit-Popper. Seine mehr als drei Dekaden andauernde Karriere zeigte ihn im Rock-, Shoegaze-, Electro-, Psychedelia- und Dance-Gewand. Unangreifbar zu sein war dem Schotten zeit seines Musikerlebens das wichtigste Gut. Von Altersmilde ist bei Gillespie auch heute nichts zu merken. "Chaosmosis" ist malerischer Indie-Pop mit Sinn für Humor und eine zur Schau getragenen Vorliebe für düsteren Goth Rock. Mit so durchmischten Soundkaskaden kann nur einer davon kommen, der niemals irgendwelchen Regeln folgte.

Voodoo Jürgens - Ansa Woar
Während die drei österreichischen Pop-Kapazunder Bilderbuch, Wanda und Seiler & Speer sich in diesem Jahr um die vollsten Hallen und Stadien stritten, ging der Aufstieg österreichischer Talente unaufhaltsam weiter. Mynth, Granada, Viech und Co. scharren in den Startlöchern - der Tullner/Wiener Strizzi Voodoo Jürgens ist der lockerste und sympathischste seiner Zunft. Das Liedermacher-Konglomerat "Ansa Woar" landete zurecht auf Platz eins der heimischen Album-Charts, der renommierte "Rolling Stone" bezeichnete den 33-Jährigen gar als "Dylan meets Waschweib". Wer so wenig nach Erfolg lechtzt, dem sei der weitere Aufstieg neidlos vergönnt.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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